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Aufgeheizte Stimmung: In der Alpenrose wird heiß diskutiert.

Bürgerentscheid/Ratsbegehren am 5. Februar zum Hallenbad

Führer-Vergleich in Mittenwald: Schlimmer geht’s nimmer

Mittenwald –  Die Lage spitzt sich zu in Mittenwald, die Fronten sind verhärtet: Die Infoveranstaltung der Freien Wähler zum Thema Schwimmbad am Wochenende war voll gepackt mit Emotion und Polemik. Nur Fakten kamen etwas zu kurz.

Die Gräben werden tiefer und tiefer. Vieles wird nach dem Tag X am 5. Februar in Mittenwald nicht mehr so sein wie davor. Freundschaften werden strapaziert, Gesagtes wird noch lange und unwiderruflich in den Köpfen mancher Mittenwalder bleiben. Bei vielen Isartalern macht sich deshalb nicht ohne Grund Entsetzen breit – auf beiden Seiten der Pro- und Contra-Fraktionen in der Causa Neubau Hallenbad. „Ich bin schockiert, wie auf Mitbürger eingetrommelt wird“, meinte Freie-Wähler-Gemeinderat Georg Seitz. Das habe mit freier Meinungsäußerung nichts mehr zu tun. Er sprach als erstes am Wochenende im Hotel Alpenrose bei einer Informationsveranstaltung seiner Gruppierung.

Auch der scharfzüngige Ortsvorsitzende Josef Schandl („Freiberger“) stieß ins gleiche Horn, forderte wie schon die CSU am Mittwoch bei ihrer Versammlung zu einem gepflegten Umgang miteinander auf und dass Meinungen akzeptiert und zugelassen werden. Dumm nur, dass die Freien Wähler nur wenige Minuten später ihrem auferlegten Credo selbst nicht treu blieben. Zielobjekt war diesmal Klaus Tappe, der in einem Leserbrief des Tagblatts seine Sichtweise kundgetan hatte.

Für ihn, der sich in der Marktgemeinde unter anderem im Tennisclub, in der Flüchtlingshilfe und im Kulturkreis engagiert, war der Info-Abend der Bürgerinitiative „eine große Enttäuschung“. Ihm zufolge sei das Finanzierungskonzept als „unbefriedigend, ja unseriös einzustufen. Schon alleine deswegen, weil es sich auf die Krautloher-Studie von 2012 beruft“.

In Abwesenheit Tappes wurde nun munter auf den ehemaligen Bundeswehr-Soldaten eingeprügelt. „Er saß zwar weit vorne, hat aber anscheinend trotzdem nichts verstanden“, ätzte Schandl. Denn laut dem „Freiberger-Sepp“ hat sich ja an der Studie von vor vier Jahren nichts verändert – außer den Kosten, die in der aktualisierten Fassung von 2016 höher veranschlagt wurden.

Völlig im Ton vergriff sich anschließend SPD-Mitglied Alfred Kielgas, der sich schon bei der Bürgerversammlung im Herbst als glühender Schwimmbad-Verfechter offenbart hatte. Der ehemalige Uniformträger Tappe sei es Zeit seines Lebens ja gewohnt gewesen, „mit der Hand an der Hosennaht“ zu gehorchen, stichelte Kielgas. Es geht aber noch niveauloser: „Jetzt hat er eben einen neuen Führer.“

Dieser Seitenhieb zielte offenbar auf den anwesenden Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU). Ihm schärfte der Sozi Kielgas ein, dass in drei Jahren wieder gewählt werde in Mittenwald. „Da wird sich sicher was ändern“, meinte er in Anbetracht der momentan komfortablen Mehrheit der CSU im Gemeinderat. Die SPD sowie die Freien Wähler würden auf alle Fälle an Stimmen gewinnen, „wenn Sie Ihre Meinung nicht ändern“, sagte Kielgas in Richtung Rathauschef.

Gemeinsam mit seinem Vize Gerhard Schöner, der CSU-Fraktionsvorsitzenden Regina Hornsteiner sowie Gemeindewerkschef Matthias Pöll hatte Hornsteiner im Nebenraum der Alpenrose Platz genommen – eingeladen waren sie freilich nicht. Nicht zuletzt wegen dieses unerwarteten Besuchs machte FW-Vorsitzender Schandl gleich zu Beginn der Veranstaltung deutlich: „Das Finanzierungskonzept wird heute nicht detailliert besprochen.“ Es hätte ja erneut „widerlegt“ oder „zerpflückt“ werden können.

SPD-Gemeinderat und Bundestagskandidat Enrico Corongiu, der für das viel diskutierte Finanzkonzept der Bürgerinitiative verantwortlich zeichnet und an Schandls Tisch Platz genommen hatte, kratzte dann doch an der Oberfläche seines Entwurfs. Diesen hatte er größtenteils aus Daten der vielzitierten Krautloher Studie, umliegender und vergleichbarer Hallenbäder sowie im Internet zusammengestellt. Corongiu verwies darauf, dass seine Zahlen „von Planungsbüros“ noch professionell en Detail ausgearbeitet werden müssten, weshalb er die „Haarspaltereien“ um sein Finanzierungskonzept als „sehr seltsam“ empfindet. Für ihn ist dennoch klar, dass gerade jetzt bei dem historisch niedrigen Zinssatz große Projekte realisiert werden müssten.

Für das neue Schwimmbad plädierte auch Fuhrpark-, Bau- und Liegenschaftsreferent Florian Lipp (FW). Er ist sich sicher, dass „vieles möglich ist, wenn man nur mag“. Er bezweifelte zudem, dass 2,8 Millionen Euro für die Übernahme und Sanierung des TSV-Veranstaltungssaals reichen werden. Der Betrag sei „nicht seriös“. Zudem müssten auch die Kosten einer Dreifach-Turnhalle für den TSV dazu addiert werden. „Da sind wir dann auch schnell bei fünf bis sechs Millionen Euro“, ist sich Fraktionskollege Josef Zunterer sicher.

Josef Hornsteiner

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