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Stimmt die Wahlbeteiligung nachdenklich: Mittenwalds Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) hat sich mehr als 64,6 Prozent erhofft.  

Jetzt geht‘s an die Arbeit

Auftrag Hallenbad: „Pack mas o“

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Die Bürger haben entschieden: In Mittenwald soll ein neues Hallenbad entstehen. Eine Herausforderung für die Marktgemeinde. Wegen des knappen Wahlergebnisses, wegen des Geldes. Jetzt geht es darum, den Haushalt aufzustellen.

Mittenwald – Er verzieht keine Miene, als er den Ägidius-Jais-Saal im Mittenwalder Rathaus betritt. Niemand der Anwesenden kann im Vorfeld der offiziellen Verkündung anhand von Bürgermeister Adolf Hornsteiners (CSU) Mimik ablesen, wie das endgültige Ergebnis beim Bürgerentscheid ausgefallen ist. Er hat sich im Griff. Nur selten verrät sein Ausdruck an diesem Abend, dass er sich etwas anderes gewünscht hat. Im Gegensatz zu Stefan Schmitz (Bürgervereinigung), der im Publikum sitzt. Als der das Resultat hört, fährt er sich mit der Hand übers Gesicht und murmelt vor sich hin: „17“. Die Zahl des Sonntags.

Mit diesem hauchdünnen Vorsprung wurde besiegelt, dass ein Hallenbad in der Marktgemeinde gebaut werden soll. „Ich komme mir vor wie in England“, sagt Schmitz gestern auf Tagblatt-Nachfrage und spielt dabei auf den Brexit an. „Das ist eine Katastrophe.“ Damit meint der Gemeinderat, der sich gegen einen sofortigen Bau positioniert hatte, aber nicht das Votum an sich. Vielmehr die für sein Empfinden zu geringe Wahlbeteiligung, die knappe Mehrheit und die rätselhaften Einzelergebnisse. Denn sowohl Entscheid eins als auch zwei wurden angenommen, weshalb die Stichfrage zum Zug kam. Sein Fazit: „Eigentlich sieht die Bevölkerung alle Projekte als notwendig.“ Das empfindet Enrico Corongiu (SPD), einer der glücklichen Gewinner, ganz ähnlich. Er führt das Resultat allerdings darauf zurück, dass die Mittenwalder verunsichert gewesen sein könnten. Schmitz schließt daraus eines: „Es gibt viele Projekte, die wir anstoßen müssen.“ Allen voran das Hallenbad.

Diesen Auftrag hat der Bürger der Rathausverwaltung erteilt. Und diesen nimmt Hornsteiner ernst. Ein Jahr ist der Gemeinderat an den Bürgerwillen gebunden. Die Zeit untätig verstreichen zu lassen, kommt für den „Mous’n-Adi“ nicht in Frage. „Das wäre auch nicht dienlich und gut für Mittenwald“, sagt Corongiu. Einen Gefallen würde sich der Rathauschef wohl nicht tun. Weder mit Blick auf das Miteinander im Kommunalparlament, noch auf das Vertrauensverhältnis mit dem Bürger.

Hornsteiner zeigt bereits Aktionismus. Montagfrüh setzte er sich mit dem Kämmerer ins Benehmen. Die Vorbereitungen für den Etat laufen. „Wir haben das Ergebnis des Bürgerentscheids noch abgewartet“, sagt er. Wenngleich das Hallenbad nun oberste Priorität hat, andere wichtige Angelegenheiten behält er trotzdem im Fokus. An Baustellen mangelt es nicht. Auch diese werden berücksichtigt. Dafür fühlt sich der Rathauschef verantwortlich. Ebenso müssen Überlegungen angestellt werden, wie man das Hallenbad „abfinanzieren“ will. Er nennt unbeliebte Optionen beim Namen: Gebühren anheben, Steuern erhöhen, sich von stillen Reserven verabschieden. Über diese Themen muss der Gemeinderat sprechen.

Nicht nur darüber. Die Planungen des Hallenbades dürften den Volksvertretern noch einiges abverlangen. Standort, Ausgestaltung, Kosten – „die nächsten Monate könnten spannend werden“, meint Schmitz. Zumal es Hornsteiner zufolge eine Herausforderung werde, jetzt wieder Gemeinsamkeiten rauszuarbeiten. Trotz der Niederlage steckt er aber voller Tatendrang, das konnte man ihm am Sonntag anmerken: „Pack mas o.“

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