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Zitiert aus der Chronik: TSV-Chef Georg Hornsteiner.

Argumente gegen Schwimmbad-Neubau intensiv behandelt

Bürgerentscheid: Thesen mit Tiefgang beim CSU-Stammtisch

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Mittenwald - Großes Interesse, wenig Gegenwind: Beim CSU-Stammtisch zum Bürgerentscheid tischten die Redner nochmals alle Argumente gegen einen Neubau auf – und übten Kritik am Finanzkonzept der Bürgerinitiative. 

Mit Verspätung trudelte er ein. Der Mann, der in Mittenwald derzeit von vielen in die Mangel genommen wird: Bürgermeister Adolf Hornsteiner. Er nahm beim großen CSU-Stammtisch zum Hallenbad-Bürgerentscheid neben den anderen drei Protagonisten, dem CSU-Vorsitzenden Rudi Haller, Gemeindewerke-Chef Matthias Pöll und TSV-Vorsitzenden Georg Hornsteiner, Platz. Um die 60 Interessierten fanden sich im Gasthof Gries ein, um sich über das Streitthema auszutauschen. Sie blieben unter sich. Denn Befürworter eines Neubaus ließen sich bis auf wenige Ausnahmen nicht blicken.

Was zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar war: Es sollte ein langer, intensiver Abend werden. Jeder Aspekt ging in die Tiefe. Nicht zuletzt, um die Argumente der Bürgerinitiative „Karwendelbad 2020“ zu entkräften.

Die Gegner werden nicht müde, ihre Gründe bis ins Detail durchzukauen, um das „finanzielle Abenteuer“, wie es Hornsteiner nennt, zu verhindern. Zumindest vorerst. Denn das betonen alle gebetsmühlenartig: Der Wunsch nach einem Schwimmbad sei da, nur nicht unter diesen Voraussetzungen. Schon zu Beginn nordete Haller die Anwesenden ein. Es soll ein Stammtisch sein, der „von Respekt gegenüber dem anderen geprägt ist“. Worte, die in der Marktgemeinde, durch deren Bevölkerung sich Hornsteiner zufolge gerade ein „Riss zieht“, offensichtlich nötig geworden sind. Ja, Sachlichkeit, die sollte an diesem Abend bewahrt bleiben. An Kritik an der Gegenseite wurde aber nicht gespart. Deren Argumente versuchte man, mit Zahlen regelrecht zu zerstückeln.

Was Haller vor allem gegen den Strich geht, ist, dass die Initiative die Krautloher-Studie heranzieht. „Es ist fatal, eine Studie von 2012 zu vertreten, wenn 2016 andere Zahlen nachgereicht wurden.“ Einen nahm er besonders ins Fadenkreuz: Josef Zunterer junior. Der hatte bei der Präsentation des Finanzkonzepts der Initiative behauptet, der Ort brauche neben dem Tourismus kein zweites Standbein. Eine Äußerung, die einschlug wie eine Bombe. „Das braucht man dringend“, erwiderte Haller nun. Und zwar in Form von Gewerbeflächen, um qualifizierte Arbeitsplätze anbieten zu können. Hornsteiner nickte und brachte sein Unverständnis über diese Aussage noch einmal zum Ausdruck.

TSV-Halle, StoV-Gelände, Hotel-Projekt, Mittenwalds Steuerkraft, die touristische Lage – kein Punkt wurde stiefmütterlich behandelt und alle Fragen der Anwesenden ausführlich beantwortet. Vor allem aber legten die Stammtisch-Redner dar, wo sich das Hallenbad-Contra- von dem des Pro-Konzepts unterscheidet. Pöll griff zum Mikro und begann, aufzuzählen. Die Berechnungen gehen ihm zufolge vor allem bei den Personalkosten eines Bades, bei den Eintrittspreisen und bei der Aufwandsseite auseinander. Zumal die Gemeinde im Gegensatz zur Initiative jährlich etwa 50 000 Euro zum Erhalt und zur Attraktivitätssteigerung sowie rund 11 000 Euro fürs Marketing miteinkalkuliert hat. Ebenso der Abriss samt Ersatzbau der Halle auf dem Nemayer-Gelände, die laut Pöll vollgestopft ist mit Material des Bozner Markts, ist mit eingerechnet wie auch die Kosten für den juristischen Streit mit der Karwendelbahn. Selbst die von Enrico Corongius (SPD) erwähnten Fördermittel für ein Bad, verbannte Hornsteiner in das Reich der Fabel. „Die gibt’s seit Jahren nicht mehr.“ Das wisse er aus Gesprächen mit dem Wirtschaftsministerium während des Hotelprojekts. Nur im Zusammenhang mit einem Hotel wären 500 000 Euro drin. Aber daraus wird’s vorerst bekanntermaßen nichts.

All das ließen die Befürworter außen vor. „Wir müssen schauen, dass uns die Kosten nicht aus dem Ruder laufen“, meinte Haller. Damit die Gemeinde nicht handlungsunfähig wird.

Das sagt der TSV-Vorsitzende

Sie sind in der Zwickmühle, die Verantwortlichen des TSV Mittenwald. Egal, wie sie sich in der Hallenbad-Diskussion positionieren, sie können es nicht allen 1300 Mitgliedern recht machen. „Wir sitzen zwischen zwei Stühlen“, sagte Vorsitzender Georg Hornsteiner. Dass die Schwimmsparte mit ihren 45 Mitglieder eher einen Hallenbad-Neubau denn den einer Sporthalle bevorzugt, liegt auf der Hand. „Das war nicht leicht zu entscheiden“, räumte der Vereinschef ein. Zumal die Marktgemeinde signalisierte, dass beides nicht machbar ist. Inzwischen hat sich die Führungsriege durchgerungen, den Hallen-Neubau voranzutreiben. Eine Abwägungssache. Vor allem, weil die alte Turnstätte absolut marode ist. „Es hapert überall“, betonte der Chef der Raiffeisenbank Mittenwald. Angefangen von den Duschen ohne Lüftung bis hin zur Platznot im Geräteraum – es besteht Handlungsbedarf. Die Kosten laufen dem Verein davon. Da helfen auch die Einnahmen durch Veranstaltungen und die vom Bauerntheater nicht. „Die Mieteinnahmen sind zu gering, um die Halle zu erhalten.“ Die Folge: Rücklagen müssen aufgelöst werden. „Und die gehen zur Neige.“ Der Ausweg sei der Neubau: Schließlich sei der TSV ein Turn- und Sport-, und kein Hallenerhaltungsverein.

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