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Auch in Mittenwald wird nächstes Jahr gewählt, wie zuletzt am 16. März 2014 (Foto).

Kommunalwahl 2020

Bürgermeister-Wahl in Mittenwald: drei Kandidaten, drei Charaktere

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Am 15. März 2020 ist es soweit: Mittenwald wählt nicht nur ein neues Ortsparlament, sondern bestimmt auch seinen nächsten Bürgermeister. Wir stellen die drei Kandidaten vor.

Mittenwald - Lange ist es her, dass der Mittenwalder bei der Bürgermeister-Kür im klassischen Sinne die Wahl hatte. Im März 2002 strebten im Geigenbauort Hermann Salminger (Freie Wähler), Luitpold Wurmer (CSU), Dietmar Küffler (Bürgerunion) und Dr. Heribert Königer (SPD) nach dem höchsten Rathausposten. Damals setzte sich Amtsinhaber Salminger klar gegen seine Herausforderer durch – und diesmal? Ein Spaziergang wird’s für Adolf Hornsteiner (CSU) bei seiner Titelverteidigung nicht gegen die beiden Gemeinderäte Georg Seitz (Freie Wähler) und Enrico Corongiu (SPD). Alle drei haben Stärken und Schwächen. Eine Analyse durch Tagblatt-Redakteur Christof Schnürer.

Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU).

Adolf Hornsteiner – 58 Jahre alt, Versorgungsingenieur (FH), dreifacher Familienvater, Bürgermeister – bewirbt sich um eine dritte Amtszeit. Die bald zu Ende gehende Legislaturperiode mit einigen Dämpfern hat ihn Kraft gekostet. Doch ihn abzuschreiben, wäre ein Fehler.

Stärken: Der Mous’n-Adi beherrscht nicht nur das Zitherspiel, sondern auch die Klaviatur der Kommunalpolitik. Hornsteiner kennt zumeist den Weg, der zum Ziel führt. Dafür geht der ehrgeizige oft an seine körperlichen Grenzen – Bürostunden bis 22 Uhr sind keine Seltenheit. Standvermögen beweist der Rathauschef beinahe täglich in der nervenaufreibenden Schlammschlacht mit den Verantwortlichen bei der Karwendelbahn. Dabei setzt Hornsteiner im Gegensatz zu seinem Widersacher auf Argumente und Beharrlichkeit. Ein weiteres Plus von Hornsteiner: Sein Verhandlungsgeschick: Gerade bei Gesprächen mit Regierungsstellen hat er dem Mittenwalder Steuerzahler schon so manche Summe erspart – siehe Naturerlebniszentrum.

Schwächen:Der kühle Denker hat bei so mancher Diskussion einen moralisierenden Unterton. Spötter werfen ihm dann Schulmeisterei vor. Am Monarchen-Image arbeitet er zum Teil selbst. Die Auswahl seiner Tochter zur Tiefbauamtschefin empfinden nicht wenige als politisch instinktlos. Zudem verzettelt sich Hornsteiner mitunter bei zu vielen Projekten. Weder die von ihm vehement betriebene Kranzberg-Offensive noch das Fünf-Sterne-Hotel am Rathaus wurden Realität.  

Georg Seitz: der Oppositionsführer

Bürgermeister-Kandidat Georg Seitz (Freie Wähler)

Georg Seitz – 51 Jahre alt, Bauhofmitarbeiter, Junggeselle – strebt im künftigen Mittenwalder Gemeinderat „eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe“ an. Aktuell führt er als Oppositionschef bisweilen eine scharfe Klinge, wenn es gegen die Politik der Regierungspartei geht. 

Stärken: Ein Pfund, mit dem der „Gratz’n-Schorsch“ wuchern kann, ist seine politische Erfahrung. Abgesehen von einer kleinen Unterbrechung sitzt Seitz seit Mai 2002 für die Freien Wähler in der Volksvertretung. Er ist im besten Sinne in Mittenwald sozialisiert. Soll heißen: Er hat wichtige Stationen wie Trachtenverein, Feuerwehr und Musikkapelle durchlaufen, ist also in der klassisch-konservativen Klientel bestens vernetzt. Das könnte für Amtsinhaber Adolf Hornsteiner (CSU) zum Problem werden, weil sein ehemals bester Freund im gleichen Revier um Wählerstimmen buhlt. Zudem haben sich Seitz und seine Gesinnungsfreunde in der Hallenbad-Debatte als Alternative präsentiert – und inzwischen auch eigene Konzepte (Haus des Gastes statt Bürgerhaus) vorgelegt. Was Seitz auf alle Fälle ist: ein Lokalpatriot – bodenständig und verlässlich. 

Schwächen: Als vor sechs Jahren beim Eklat mit Partei-Ikone Hans Klotz die politischen Fliehkräfte bei den Freien Wählern wirkten, ließ Ortsvorsitzender Seitz zwei Dinge missen: Durchsetzungsvermögen und Autorität. Gerade in puncto Überzeugungskraft und Profilschärfe sollte Herausforderer Seitz an sich arbeiten. Was Seitz besonders missen lässt: Visionen.

Enrico Corongiu: der Außenseiter

Bürgermeister-Kandidat Enrico Corongiu (SPD).

Enrico Corongiu – 41 Jahre alt, Rotkreuz-Rettungsassistent, zweifacher Familienvater – trägt einen italienischen Namen und Mittenwald im Herzen. Seit sechs Jahren bereichert er mit seiner erfrischend unaufgeregten Art die Diskussionskultur im Marktgemeinderat. 

Stärken: Entsprechend dem Credo seiner traditionsreichen Partei arbeitet sich der überzeugte Sozialdemokrat Corongiu Stück für Stück nach oben. Geschickt besetzt er die klassischen Felder des kleinen Mannes: bezahlbarer Wohnraum, Freizeitangebote, et cetera – eben alles, was im weitesten Sinne mit sozialer Gerechtigkeit zu tun. Der SPD-Vertreter ist zudem ein sehr reflektierter Mensch. Corongiu denkt nach und rückversichert sich, ehe er sich artikuliert und positioniert. Sein überdurchschnittlich gutes Wahlergebnis als Bundestagskandidat (über 20 Prozent) beweist zudem, dass Corongiu mit seiner Dialogbereitschaft und wenig Berührungsängsten auch politisch Andersdenkende überzeugen kann. Ein Außenseiter mit reellen Chancen. 

Schwächen: Bei der Hallenbad-Debatte legte Corongiu eine gewisse Sozialschwärmerei an den Tag, präsentierte schöngerechnete Zahlen, die im Realisierungsfall den Steuerzahler hätten teuer zu stehen kommen können. Des Weiteren sollte sich Corongiu noch stärker sehen lassen bei den klassischen Meinungsführern (Feuerwehr et cetera) im Ort. Hier überlässt er wie viele seiner Parteigenossen das Feld nur allzu oft den Christsozialen und Freien Wählern.

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