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Bald zehn Jahre im Amt: Bürgermeister Adolf Hornsteiner feiert in sechs Wochen Jubiläum.

Rathauschef berichtet auch über Hallenbad-Thematik

Bürgerversammlung: Hornsteiner spricht über den Streit mit der Karwendelbahn

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Die Herausforderungen gehen nicht aus: Mittenwalds Rathauschef Adolf Hornsteiner (CSU) hat viele Projekte auf dem Radar. Bei der Bürgerversammlung gab er einen Überblick – und scheute sich nicht davor, heikle Themen anzusprechen.

Mittenwald – Adolf Hornsteiners (CSU) Blick schweift durch den TSV-Veranstaltungssaal. Nach seinen ersten Antworten zu Fragen aus dem Publikum erkundigt er sich weiter, ob jemandem noch etwas unter den Nägeln brennt. Keine Hand schnellt nach oben. Das derzeit heißeste Eisen im Markt – das von der CSU-Fraktion anvisierte Ratsbegehren zum Hallenbad – bleibt bei der Bürgerversammlung von der Zuhörerschaft unkommentiert. Der Überraschungsmoment an diesem Abend. Vielmehr ging es in den gut zwei Stunden um einen anderen Dauerbrenner: die Causa Karwendelbahn.

CSU hat Antrag für Ratsbegehren eingereicht

Trotz Champions-League-Spiel des FC Bayern kommen rund 200 Interessierte zur Bürgerversammlung in den TSV-Saal.

Ganz außen vor blieb das Schwimmbad-Thema allerdings nicht. Der Rathauschef informierte über die Entwicklungen seit dem Bürgerentscheid Anfang 2017, bei dem eine hauchdünne Mehrheit für einen Neubau votiert hatte. Der Abriss des maroden Karwendelbads läuft bereits, auch über die Kosten von etwa zehn Millionen Euro für das neue Schwimm-Areal habe man sich – gemeinsam mit der Pro-Bad-Initiative – verständigt. Am späten Mittwochnachmittag reichte nun die CSU-Fraktion ihren Antrag auf das erneute Plebiszit bei der Gemeinde ein. Dieser „wird jetzt geprüft“, sagte Hornsteiner. Im gleichen Atemzug plädierte er für eine sachliche Diskussion darüber. Anders als damals vor der Abstimmung, als die Debatten von Emotionen überfrachtet waren.

Gefühle sind im Streit mit den Verantwortlichen der Karwendelbahn AG erst recht fehl am Platz. Schließlich liegt die Gemeinde seit Jahren mit den Oberen, Vorstand P. K. und Aufsichtsratsvorsitzenden W. W. R., der in der letzten Reihe des Saals Platz genommen hatte, im Clinch. „Das ist ein schwieriges Thema“, sagte der Rathauschef und präsentierte eine Übersicht der aktuellen Gerichtsverfahren. 14 an der Zahl. Zehn vom Markt ausgehend, vier von den Vertretern des Seilbahn-Unternehmens.

Selbst auf deren Veröffentlichungen im Internet ging Hornsteiner ein. Sie seien deren gutes Recht, die Inhalte „entsprechen aber allem anderen als der Wahrheit“. In der aktuellen Mitteilung vom 9. März heißt es auch, dass der Bürgermeister „Unsummen an Steuergeldern für den Krieg gegen die Karwendelbahn AG“ ausgebe. Unbekannter Verfasser schätzt den Betrag auf über eine halbe Million Euro. Hornsteiner legte die Kosten auf den Tisch: 422.000 Euro. Die Begründung, warum der Markt Recht einfordern müsse, folgte anhand von Beispielen: Über- und Schwarzbauten, Beratungsverträge, bei denen „180.000 Euro pro Jahr für einen unbekannten Zweck die Karwendelbahn verlassen hätten“, oder den Rechtsstreit über den gerichtlich bestellten Sonderprüfer, der bis dato nicht seines Amtes walten konnte. Hornsteiners Aussage zum letzten Punkt: „Ich verstehe nicht, warum sich die Verantwortlichen der Karwendelbahn nicht beugen und prüfen lassen“, sagte er. „Wenn alles wunderbar in Ordnung ist, dann gibt es kein Problem.“ Applaus von den Bürgern. R. blieb reaktionslos. Auch als Hornsteiner die Anwesenden rhetorisch fragte, ob sich die Gemeinde das alles gefallen lassen solle – keine Regung beim Aufsichtsratsvorsitzenden, obwohl der schon mehrfach bewiesen hat, dass er nicht auf den Mund gefallen ist.

StoV-Gelände wird derzeit auf Altlasten untersucht

Mittenwalds Welt dreht sich aber nicht nur um diesen Zwist. Die Kommune steht vor vielen Herausforderungen und Investitionen. An Baustellen, um den Markt für die Zukunft zu rüsten, mangelt es nicht. Neben den bereits angestoßenen Projekten nannte der Rathauschef auch künftig notwendige. Der Schulstandort konnte gesichert werden, es fehlt aber noch die IT-Ausstattung und Barrierefreiheit an der Einrichtung. Die Gemeindeverwaltung muss sich unter anderem mit dem TSV-Saal und mit einer Mehrfachturnhalle intensiv auseinandersetzen. Auch das Bürgerhaus, die eigenen finanzielle Situation – der Haushalt für 2018 wird ein Volumen von etwa 25 Millionen Euro haben, wobei laut Hornsteiner am Ende des Jahres die Rücklagen voraussichtlich aufgebraucht sein werden (Hallenbad noch nicht enthalten) – und das Kranzberg-Vorhaben werden die Politik prägen. Ebenso geht’s beim Lainbach in die Schlussphase. Der Auftrag für den Abschnitt Im Gries bis Am Anger ist vergeben, kommende Woche sollen die Vorarbeiten beginnen.

Nicht zuletzt steht das StoV-Gelände auf der Agenda. Inzwischen hat man sich mit der Regierung von Oberbayern geeinigt, dass auf dem insgesamt 4,7 Hektar großen Areal keine Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber entsteht, sondern es anderweitig genutzt werden kann. Geplant ist, auf einem kleinem Teil im Süden kommunalen Wohnungsbau mit Raum für 150 Personen, zwei Drittel davon für Menschen mit Migrationshintergrund, zu realisieren, im nördlichen Bereich nicht-störendes Gewerbe anzusiedeln und einen Abschnitt für Behördenverlagerungen zu verwenden. Derzeit ist die Gemeinde aber zum Warten verdonnert. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) untersucht das Gelände auf Altlasten. Erst wenn die Ergebnisse vorliegen, kann der Markt die Verkaufsverhandlungen intensivieren.

2017 bezeichnete Hornsteiner als „forderndes Jahr“. Viel ruhiger dürfte es vorerst nicht werden. Eines aber wiederholte er am Ende noch einmal: „Wir sollten versuchen, uns auf sachlicher Basis zu unterhalten.“

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