1. Startseite
  2. Lokales
  3. Garmisch-Partenkirchen
  4. Mittenwald

Bund-Naturschutzchef Weiger wettert: Golfplatz "Anschlag auf bayerische Heimat"

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null

Mittenwald - Der Streit um den geplanten Mittenwalder Golfplatz nahe der Buckelwiesen nimmt an Schärfe zu: Am Dienstag kritisierte der Bund Naturschutz das Projekt massiv.

Auf einem Höhenrücken, 200 Meter vom "Tonihof" entfernt, scharen sich rund 50 Sympathisanten um den BN-Landesvorsitzenden Professor Hubert Weiger, Kreisvorsitzenden Axel Doering und Ortschef Dr. Hasso von Zychlinski. Es regnet. Doch das deutet von Zychlinski als gutes Zeichen: "Ich glaube, der Herrgott will uns damit helfen." Der Gemeinderat der Freien Wähler zückt einen Plan aus seiner Tasche, der das ganze Außmaß einer 27-Loch-Anlage auf dem Plateau dokumentieren soll. Es sei ein "Riesenirrtum", so Zychlinski, hier nur lapidar von zweimahdigen Wiesen zu sprechen. "Das ist wertvolles Land."

Vor einem Golfplatz mit einem Flächenbedarf von 52 Hektar in einem klassischen Wander- und Naherholungsgebiet warnte selbstredend auch Kreisvorsitzender Doering. "Häufig bleibt nur der Gestank, und den Nutzen haben einige wenige."

Noch viel deutlicher wurde BN-Landeschef Weiger. Als er von den Plänen der Marktgemeinde Mittenwald und einiger Investoren erstmals hörte, habe er die Welt nicht mehr verstanden. "Das kann doch nicht wahr sein", erregte er sich damals. Weiger sprach von "einem Anschlag auf die bayerische Heimat", falls das umstrittene Projekt tatsächlich inmitten europaweit geschützter FFH-Gebiete durchgesetzt werde. Denn nur mittels flächendeckender Stickstoff-Düngung und Pestizit-Eintrag könnte ein Golfplatz überhaupt erhalten werden.

Deshalb droht er namens des Bund Naturschutz schon jetzt: "Wir werden diese Landschaft mit Zehen und Klauen verteidigen." Mit anderen Worten: Da seine Organisation als anerkannte Interessenvertretung von staatswegen anerkannt ist, erwägt man auch den Gang vors Verfassungsgericht. Dafür erntete Professor Weiger lautstarken Applaus und frenetische Bravo-Rufe.

Zugleich brach der wortgewandte Akademiker eine Lanze für den Bauernstand. Seine Existenz sei durch den Golfplatz und dem damit verbunden Verlust weiterer Flächen bedroht. Auch der Fremdenverkehr könnte seiner Einschätzung nach Verluste erleiden. ?Denn erst geht die Kuh und dann der Tourist."

Von den Golfplatz-Befürwortern war übrigens keiner gekommen. Peppi Wurmer, der seit Monaten über den Plänen der Anlage brütet, bestätigte gestern gegenüber dem Tagblatt, dass vorerst nur mehr an einen 18-Loch-Golfplatz gedacht sei ­ und zwar östlich und westlich der Sailerhöfe. Das Gebiet südlich des Tonihofs will man ­ vorerst ­ nicht nutzen. Es solle jedoch im Flächennutzungsplan weiter als Sondergebiet "Golf"erhalten bleiben. Nun müsse "Pro Mittenwald", wie sich die Golfplatz-Initiative nennt, nur mehr mit vier betroffenen Bauern ins Geschäft kommen.

"Alles nur Salami-Taktik", wettert Adolf Merk, der vor zwei Wochen einen zweiten Anlauf in Sachen Bürgerbegehren gegen den Golfplatz gestartet hatte. Die Unterschriften habe er praktisch schon zusammen.

Peppi Wurmer indes betont, dass bei einer Ortsbegehung mit der Unteren Naturschutzbehörde keinerlei Bedenken gegen das abgespeckte Vorhaben geäußert wurden. "Das ist schon mal sehr gut."Für kommende Woche haben sich Vertreter der Regierung von Oberbayern angekündigt.

Auch interessant

Kommentare