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Offiziere beim Fachsimpeln: (v. l.) Brigadegeneral Michael Matz aus Hammelburg, Oberst a. D. Hans Sahm (Kameradenkreis der Gebirgstruppe) und Brigadegeneral Jared Sembritzki aus Bad Reichenhall.

Soldaten müssen in die Mongolei

Bundeswehr Mittenwald: 40 Millionen Euro werden in Standort investiert

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Es wird weiter groß in den Bundeswehr-Standort Mittenwald investiert: Gleich 40 Millionen Euro sollen ins Isartal fließen. Beim Neujahrsempfang des Standortältesten sowie des Bürgermeisters herrschte aber nicht nur Freude.

Mittenwald – Das schwedische Möbelhaus mit seiner gelb-blauen Farbe kennt jeder. Das Konzept ist denkbar einfach. „Aussuchen, bezahlen und mitnehmen“. Was Möbel von der Stange zum selber basteln mit der Bundeswehr zu tun haben? Leider viel, wie beim gemeinsamen Neujahrsempfang des Standortältesten Mittenwald und des Bürgermeisters der Marktgemeinde im Offiziers-Kasino deutlich wurde. 

Das Jahr ist erst wenige Wochen alt, da scheint das Unwort 2020 schon gefunden. Vom „Ikea-Prinzip“ sprach vor wenigen Tagen SPD-Politiker Hans-Peter Bartels, Wehrbeauftragter des Bundestags. In seinem aktuellen Wehrbericht für das Jahr 2019 klagt er erneut über das mangelnde Personal und das Fehlen von einsatzfähigem Material der Bundeswehr. Um Abhilfe zu schaffen, fordert der Wehrbeauftragte einen Paradigmenwechsel hin zum Kauf von der Stange. Ein Thema, das selbstverständlich auch den Standort Mittenwald beschäftigt. „Für die Materiallage braucht es noch einiger Anstrengungen“, beschreibt es Standortältester Oberstleutnant Andreas Bockmann vorsichtig.

Es fehlt an Personal in der Mittenwalder Kaserne

Auch beim Personal sei der Stützpunkt Mittenwald zwar weitestgehend gut aufgestellt. Allerdings sei es „keine leichte Aufgabe“, die im Ausbildungsstützpunkt Gebirgs- und Winterkampf „zahlreich gewonnenen Soldaten zu guten Führern, Ausbildern und Erziehern im Gebirge und im Gefechtsdienst auszubilden“. Für die zusätzlichen Soldaten stehen nämlich „keine weiteren Ausbilder zur Verfügung“.

Schlange am kalten Buffet: Bei einer schmackhaften Brotzeit lässt sich Landrat Anton Speer nicht lumpen. Im Hintergrund warten (v. l.) Jürgen Wild und Manuel Huber von der Isartaler Tourismus-GmbH Alpenwelt Karwendel. fotos (3): kornatz

Bockmann lobte die Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr, Verwaltung und Bürger, die „wie ein gut geölter Motor“ funktioniert hat. Auch die heimische Wirtschaft profitiert von den Kasernen. Im operativen Geschäft wurde ein Finanzvolumen von knapp 6,5 Millionen Euro bewirtschaftet. „Wann immer möglich, wurden örtliche Betriebe und Gewerbetreibende – vor allem Baufirmen, Handwerker, Werkstätten, Instandsetzungsbetriebe, Gaststätten, Hotels, Bergbahn und Skiliftbetreiber unterstützt.“

Der Rubel rollt auch bei den Liegenschaften. Die in die Jahre gekommenen Gebäude – Bockmann spricht von insgesamt 16 Baumaßnahmen – werden heuer und in den Folgejahren mit einem satten Gesamtvolumen in Höhe von 40 Millionen Euro renoviert oder neu gebaut werden. Darunter fallen die Sanierung des Stabsgebäudes des Gebirgsbataillons 233 für sechs Millionen Euro sowie die Sanierung des Mannschaftsheimes in der Edelweißkaserne für 3,2 Millionen Euro.

Im vergangenen Jahr wurden 3,5 Millionen Euro für den Liegenschaftsbetrieb eingesetzt. Dazu zählen Gebäudereinigung, die Entsorgung, der Winterdienst und die Wartung der technischen und baulichen Anlagen. Zudem wurden am Standort elf laufende Baumaßnahmen mit einem Volumen von fünf Millionen Euro durch das Objektmanagement und das technische Gebäudemanagement bewältigt.

Gebirgsjäger müssen in die Mongolei und nach Zypern

Neben zahlreichen Aus- und Weiterbildungen müssen auch heuer wieder viele Soldaten ihren Dienst im Ausland leisten. Neben der laufenden Mission MINUSMA und EUTM im afrikanischen Mali werden heuer Teile des Gebirgsjägerbataillon 233 den Aufbau einer systematischen Gebirgsausbildung der mongolischen Streitkräfte in der Mongolei unterstützen. Ebenfalls unterstützt wird bei der fast schon in Vergessenheit geratenen Mission UNIFIL auf Zypern. Dort geht es hauptsächlich um die Seesicherheit vor dem Libanon.

Besonders freute sich Bockmann, dass sich seine Soldaten bei dem enormen Schneetreiben Anfang des Jahres 2019 tatkräftige Hilfe in Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Institutionen leisten konnten.

Im Hinblick auf die aufopferungsvolle Arbeit der Ehrenamtlichen wurde Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) nachdenklich. „Sie erleben während ihres Einsatzes oft Anfeindungen und Beschimpfungen in einem Ausmaß, dass sich ein normaler Mensch gar nicht vorstellen kann.“ Öffentliche Institutionen wären mittlerweile gezwungen, Schutzmaßnahmen zu ergreifen, um die ehrenamtliche Arbeit überhaupt noch zu ermöglichen. Deshalb wünscht sich Hornsteiner, sich „auf ein stückweit Demuth zurück zu besinnen“.

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