Der Ansturm ist enorm: Selbst an Schlechtwettertagen sind die öffentlichen Parkplätze am Schwarzenfeld mit Wohnmobilen voll.
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Der Ansturm ist enorm: Selbst an Schlechtwettertagen sind die öffentlichen Parkplätze am Schwarzenfeld mit Wohnmobilen voll.

Bürger wehren sich gegen Vorwürfe

Anwohner verzweifeln an Betreiber von illegalem Campingplatz: „Karwendelbahn-Chef wirft uns Mediengeilheit vor“

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Anwohner leiden seit Wochen unter einem illegalen Campingplatz am Mittenwalder Schwarzenfeld: Der Karwendelbahn-Vorstand reagiert mit Vorwürfen. Nun wehren sie sich.

  • Der illegale Campingplatz in Mittenwald terrorisiert die Anwohner seit Wochen.
  • Der Karwendelbahn-Chef reagierte auf ihre wiederholte Anfragen mit Vorwürfen.
  • Doch so leicht wollen sich die Anwohner nicht einschüchtern lassen.

Mittenwald – Es klingelt. Der Blick von Thomas Bauer ist ernst. Zwölfmal hört er das Freizeichen aus dem Lautsprecher. Dann drückt er den roten Knopf auf seinem Smartphone. „Nicht zu erreichen“, sagt Bauer. Er ist sauer. Stinksauer. Thomas Bauer ist einer der vielen Anwohner des Schwarzenfeld-Parkplatzes. Seit Jahren wird dieser als illegaler Campingplatz missbraucht. Seit wenigen Monaten hat sich die Situation zugespitzt, ist untragbar geworden. Seine Mitstreiter und er wollen eigentlich nur eines: Ruhe, Ordnung und Sauberkeit. Genau das Gegenteil haben sie bekommen: Müll, Fäkalien und Lärm – direkt vor der Haustür.

Jetzt will Bauer endlich den Grundstücksbesitzer sprechen. Wolfgang Wilhelm Reich, den starke Mann der Karwendelbahn AG, ans Telefon holen. Noch lieber: ihn persönlich treffen. Doch Anrufe liefen bislang ins Leere. Eine Mitarbeiterin der Unternehmens kann er erreichen. Reich und Patrick Kenntner sind nicht da. Bauer probiert’s in Heidenheim. Eine freundliche Frau erklärt ihm, dass Reich bis zum 10. September nicht erreichbar sei.

Karwendelbahn-Führung kritisiert Anwohner

Letztere Telefonnummer hat Bauer dem Schreiben entnommen, dass die Anwohner des Schwarzenfelds kürzlich in ihrem Briefkasten gefunden haben. Ohne Briefmarke. Wieder einmal holt der Heidenheimer auf den zwei DIN-A4-Seiten zum Rundumschlag aus – gegen die Üblichen: Medien und Marktgemeinde. Doch eben auch – und das verwundert Bauer am meisten – gegen die Anwohner. „Er unterstellt uns Mediengeilheit“, sagt Bauer. Reich habe ihnen geschrieben, „dass der eine oder andere nur mal sein Gesicht im Fernsehen sehen wollte“. Anstatt mit ihm ein Gespräch zu führen, seien die Anwohner „mit aufreißerischen und verleumderischen Berichten in die Öffentlichkeit“ gegangen.

Bauer macht das fassungslos. Bereits am 17. September 2018 hat er sich mit einem offenen Brief wegen der illegalen Camper und des Mülls, den sie hinterlassen, an die Verantwortlichen der Karwendelbahn gewandt. Tatsächlich kam danach ein Treffen zustande – ohne Reich, dafür mit Kenntner. Das war’s. „Seither ist nie mehr ein Kontakt zustande gekommen.“ E-Mails und Chats verlaufen seit fast zwei Jahren ins Leere. „In keiner Weise waren die Verantwortlichen zu einem Gespräch für eine langfristige Lösung des Problems bereit.“

Es liegt in Ihrer Verantwortung, solchen Zuständen (...) Einhalt zu gebieten.

Thomas Bauer in einem Schreiben an die Karwendelbahn AG

Sie hörten von Reich erst wieder am 21. August, als dieser auf die bundesweiten Schlagzeilen, die seine Parkplätze bis dahin auslösten, reagierte. „Die Ignoranz der Bahnbetreiber ärgert mich maßlos“, sagt Bauer. „Es liegt ja in ihrer Verantwortung, solchen Zuständen durch regelmäßige Kontrollen und durch entsprechende Schilder Einhalt zu gebieten.“

Karwendelbahn-Führung stellt Antrag an Marktgemeinde

Stattdessen hat Reich an die Marktgemeinde einen Antrag zum Aufstellen von Müllcontainern und Bau einer öffentlichen Toilette gestellt. Doch genau das wollen Bauer und die restlichen Anwohner eben nicht: noch mehr Camper, die dadurch angelockt werden. „Wir erwarten eine Rückkehr zu gültigen Parkzeiten für Wohnwagen und Wohnmobile von 6 bis 22 Uhr und das Aufstellen von Camping-Verbotsschildern“, schreiben sie in einem Antwort-Brief an Reich.

Drei Tage sind seither vergangen. Eine Reaktion gab es noch nicht. Weder telefonisch, noch schriftlich. Selbst vor Ort an der Talstation haben sie kein Glück. „Von wegen er sucht das Gespräch“, resümiert Bauer. Erzürnt ist auch Anwohnerin Petra Schandl. „Die Karwendelbahn verstößt gegen die Nutzungsbedingungen der Marktgemeinde und das Landratsamt braucht schon über 19 Monate, um das zu überprüfen. Das kann doch nicht wahr sein.“ Deshalb wird ihr nächster Schritt ein Gespräch mit Landrat Anton Speer (Freie Wähler) sein. „Wir wissen uns sonst nicht mehr zu helfen.“

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