Alles gut verstaut: Nach einem kurzen Ratsch mit Wirtin Petra Musch macht sich Ingo Windscheif wieder auf den Weg.
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Alles gut verstaut: Nach einem kurzen Ratsch mit Wirtin Petra Musch macht sich Ingo Windscheif wieder auf den Weg.

Stammgast aus NRW holt bayerische Schmankerl ab

1300 Kilometer nur für Schweinshaxn - Mittenwalder Wirtin ist begeistert: „Da geht mir das Herz auf“

  • Katharina Bromberger
    vonKatharina Bromberger
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Coole Aktion: Ein Stammgast aus Nordrhein-Westfalen holte mitten in der Corona-Krise in Mittenwald bayerische Schmankerl für Familie und Freunde ab.

  • Ein Stammgast aus Nordrhein-Westfalen holte in Mittenwald bayerische Schmankerl für Familie und Freunde ab.
  • Pünktlich zum Abendessen waren Käsespatzen, Hirschragout, Ente und Co daheim in NRW verteilt.
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Mittenwald/Eitdorf – 650 Kilometer hin. Schweinshaxn, Knödel und Speckkrautsalat eingeladen. 650 Kilometer zurück. Einfach, damit die Spezl in Eitorf zum Abendessen endlich mal wieder ein Stück Mittenwald erleben beziehungsweise schmecken. Und damit man sich endlich einmal wieder sieht, ganz kurz persönlich redet, auch wenn keine Übernachtungen und nur Essen to go erlaubt sind. Diese Aktion – Petra Musch fehlen fast die Worte, dann überschlägt sie sich. Verrückt sei das. Unglaublich. Großartig. Vor allem berührend. „Da geht mir das Herz auf“, sagt die Wirtin im Gasthof Stern. „Das sind besondere Menschen.“

1300 Kilometer Fahrt wegen Schweinshaxn: Ideengeber macht seit 15 Jahren Urlaub in MIttenwald

Seit etwa 15 Jahren machen Ingo Windscheif und Guido Siebigteroth, die Ideengeber der bayerisch-rheinländischen Abendessenslieferung, in Mittenwald Urlaub. „Ob es regnet, stürmt oder die Sonne scheint: Sie lieben es hier“, sagt Musch. Drei- bis viermal im Jahr schauen sie bei ihr im Gasthof Stern vorbei, in unterschiedlichen Konstellationen. Mal nur mit den eigenen Familien, mal sind noch befreundete Familien dabei, mal in einem Männertrupp mit zehn bis zwölf Leuten. Jetzt kam Ingo Windscheif alleine.

Mittenwald: Lieblingswirtin vermisst - 30 Gerichte bestellt

Am Anfang machten die Rheinländer ja nur Witze. Zumindest Musch empfand die Nachrichten als Gaudi, die ihr die Männer schickten, wenn sie Fotos von Gerichten in den sozialen Medien veröffentlichte. Wie sie Mittenwald und Muschs Schmankerl vermissen, haben sie ihr geschrieben, da müssten sie sich ja fast mal eine Mahlzeit holen. Bald kam die Bestellung per Mail für 30 Gerichte. Darunter: 16 Schweinshaxn mit Kartoffel- und Semmelknödeln sowie Speckkrautsalat, drei Portionen Käsespatzen, dreimal Hirschragout mit Semmelknödeln, knusprige Ente mit Knödeln und Blaukraut, Cordon Bleu mit Bratkartoffeln. Zudem legte Musch frische Brezen und Obatzda dazu – „das mögen sie doch so gern“. Ein Tragerl Mittenwalder Bier und eine süße Marzipano-Brotzeit gab die 40-Jährige Windscheif auch noch mit.

Mann fährt 1300 Kilometer nur für Schweinshaxn: Nach kurzem Ratsch wieder heimwärts

Am späten Sonntagvormittag kam der Stammgast im Isartal an, eine gute halbe Stunde hat es gedauert, bis das Essen in allen Schüsseln und Tupperwaren verteilt war. Ein kurzer Ratsch, und Windscheif fuhr wieder Richtung Nordrhein-Westfalen.

Die schwer vermissten Mittenwalder Schweinshaxn waren es, die Windscheif nicht von der langen Fahrt abhielten.

Pünktlich zum Abendessen zurück: „Wie warten auf das Christkind“

Beruflich war er immer viel auf den Straßen unterwegs, hunderte Kilometer in einem Stück – kein Problem. Er genießt das Autofahren, sagt er. Diesen Ausflug besonders. Zuletzt pendelte er nur zwischen Eitorf und dem etwa 60 Kilometer entfernten Köln hin und her. „Ich war froh, nach Monaten mal etwas anderes zu sehen“, vor allem sein geliebtes Mittenwald. Um 17 Uhr rollte er mit seiner Lieferung zu Hause ein, pünktlich zum Abendessen waren alle Bestellungen verteilt. Sein Freund Siebigteroth hatte Musch in der Zwischenzeit schon geschrieben, ein Foto von sich und seiner hungrigen Familie geschickt mit den Worten: „Das ist wie Warten auf das Christkind.“

Trotz trauriger Corona-Zeit für Gasthäuser: Wirtin gerührt von „tollen Stammgästen“

Musch ist immer noch überwältigt von der Aktion, „etwas so Positives in dieser Zeit, etwas zum Lachen“. Natürlich plagen die Gasthof-Pächterin wie ihre Kollegen Sorgen angesichts der ungewissen Zukunft. Doch auch das Emotionale macht ihr zu schaffen. „Ich vermisse die Menschen so sehr“, die Mitarbeiter ebenso wie die Gäste – darunter solche „tollen Stammgäste, die wir Freunde nennen dürfen“.

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