Finstere Wolken hängen über dem Kranzberg-Skigebiet. Nur zweieinhalb Tage liefen die Kanonen.
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Finstere Wolken hängen über dem Kranzberg-Skigebiet. Nur zweieinhalb Tage liefen die Kanonen.

„So etwas hat es noch nie gegeben“

Nach Horror-Winter am Kranzberg-Skigebiet: Corona-Saison in Mittenwald beendet - „Eine Katastrophe“

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Klaus Wurmer, Betreiber des Skigebiets Kranzberg in Mittenwald, beendet eine Saison, die eigentlich gar keine war. Er schaut dennoch optimistisch in die Zukunft - auch wenn die ein oder andere Sorge wegen der Wintersaison 2021/2022 aufkommt.

Mittenwald – Es gibt Momente, die möchte man einfach für immer aus seinem Gedächtnis streichen. Ausradieren, als wären sie nie passiert. Im Fall von Klaus Wurmer sind das nicht nur Augenblicke, sondern am liebsten wäre ihm, eine ganze Jahreszeit zu löschen. Diese Wintersaison wird der Betreiber des Mittenwalder Kranzberg-Skigebiets nie mehr vergessen können.

Skifahren in Corona-Zeiten: Hinter kommender Wintersaison 2021/2022 steht ein dickes Fragezeichen

Mit Trauer und einem dicken Minus hat er sie nun beendet und für sich abgeschlossen. Hinter der kommenden Wintersaison 2021/22 steht ein dickes Fragezeichen. Nur eines weiß er sicher: So etwas, wie die vergangenen fünf Monate, will er nie mehr wieder erleben müssen. Wenn ein zweiter Corona-Winter kommt, „sind wir weg“. Das sei so sicher wie das Amen in der Kirche.

Doch von vorne: Zurück in den Oktober 2020, als Wurmer Mitte des Monats die Tore der Halle öffnete, in der er den Sommer über seine Schneekanonen, Raupen und das sonstige Equipment lagert. Das braucht er, um aus Wasser Schnee und aus Schnee eine Piste zu zaubern. Er war sorglos. Nach einem Solala-Sommer, in dem zumindest Familienfeiern, kleine Hochzeiten und romantische Dinner erlaubt waren, keimte Hoffnung in ihm auf. „Das mit der Eröffnung am 19. Dezember klappt schon“, sagte er sich damals. Wurmer würde aufsperren, wie seine Familie und er es über 50 Jahren schon getan haben. Auf und Ab hat es immer mal gegeben. Doch eröffnet hat das Skigebiet immer.

Corona-Skisaison: Langes Warten zermürbend für Betreiber des Skigebiets

Dieses Mal: Pustekuchen. Anfang Dezember kam der Lockdown, die immer weiter verlängert wurde. Bis Mitte Januar, dann 31. Januar. So ging es im zwei Wochen Rhythmus weiter. Die Faschingsferien fielen ins Wasser. Ausländischen Touristen war die Einreise untersagt. Um das Minus, also den Totalausfall, zu dämpfen, machte Wurmer seinen Parkplatz am Luttenseelift kostenpflichtig. Verlangte acht Euro pro Auto. Viele Tourenskigeher, Rodler und Schneeschuhwanderer nutzten ihn. Und zahlten auch. Die Gebührenpflicht will er in der kommenden Saison beibehalten. „Nur wer eine Skikarte kauft, erhält das Geld zurück.“ Sofern er wieder aufmacht. Oder eher, aufmachen darf.

Die Summe liegt nun seinem Steuerberater vor. Mit ihm pflegt er seit der Krise einen intensiven Kontakt. Das To-Go-Geschäft am Skiglu „war letztlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Wurmer resigniert. Das Minus war nicht mehr wettzumachen. „Eine Katastrophe.“ Zumal er trotz Stillstand sämtliche laufenden Kosten, die ein Skigebiet so mit sich bringt, zahlen musste.

Skigebiete im Corona-Lockdown: Selbst kleine Hoffnungsfunken im Keim erstickt

Doch blieb ihm noch ein kleines bisschen Hoffnung auf eine verspätete Eröffnung im März. Vielleicht würde Ostern funktionieren. Doch dieses letzte Fünkchen ist zur Faschingszeit im Keim erstickt worden. Da war für Wurmer klar: Diese Saison wird er nicht mehr aufsperren. Zum allerersten Mal in der Geschichte des Familienbetriebs sind Seile, Bügel und Raupen unverrichteter Dinge wieder eingepackt worden. „Naja, zumindest sind die Schneekanonen zweieinhalb Tage lang gelaufen“, meint Wurmer mit einer gehörigen Prise Galgenhumor. Er schüttelt den Kopf. „So etwas hat es noch nie gegeben.“

Jetzt ist Schluss. Die Schneekanonen baut er gerade ab. Die Raupen richtet er für den Sommerschlaf her. Das kämpfen hat ein Ende. Vorerst. Denn einen weiteren Coronawinter packt er nicht mehr. In gut fünf Monaten weiß er mehr. Dann will Wurmer wieder angreifen für die neue Wintersaison. Doch kommt zuerst der Sommer. Am Lautersee vermietet er bekanntlich Boote und Stand-Up-Paddles. Ein Geschäft, das ihm zumindest im vergangenen Jahr gut geglückt ist. Das gibt Hoffnung. Doch, dass ein guter Sommer den ausgefallenen Winterbetrieb 2020/21 auch nur ansatzweise gutmacht, daran glaubt er nicht.

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