Nur ein kurzes Vergnügen bereitet die „Snowfarming“-Loipe in Leutasch am Wochenende. Nach nur drei Tagen musste der Betrieb wieder eingestellt werden.
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Nur ein kurzes Vergnügen bereitet die „Snowfarming“-Loipe in Leutasch am Wochenende. Nach nur drei Tagen musste der Betrieb wieder eingestellt werden.

Tourismusverband zeigt kein Verständnis

Corona in Tirol: Loipenbetrieb nach nur drei Tagen eingestellt - trotz vorbildlicher Maßnahmen

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Am Wochenende startete die Langlauf-Saison in Leutasch/Tirol. Nach nur drei Tagen wurde die Anlage nun coronabedingt wieder geschlossen - trotz vorbildlicher Maßnahmen.

Leutasch – Ganz Europa diskutiert momentan über den Start der Skisaison im ersten Corona-Winter. Langlaufen ist bislang auch in Österreich trotz strengem Lockdown erlaubt. Guter Dinge war deshalb der Tourismusverband Seefeld, als er am Freitag seine erste Langlauf-Loipe in Leutasch eröffnete. Die Temperaturen waren perfekt. Die Wälder präsentierten sich leicht angezuckert. Immer 100 Langläufer gleichzeitig nutzten die rund ein Kilometer lange Strecke, die aus dem Schnee des vergangenen Winters präpariert wurde. Unter den Gästen befanden sich auch viele Isartaler. Alles lief reibungslos, bis die Behörde auf den winterlichen Betrieb aufmerksam wurde – und der Loipen-Gaudi bereits am Montag nach nur drei Tagen ein abruptes Ende bereitete.

Corona in Tirol: Loipenbetrieb nach drei Tagen eingestellt - trotz vorbildlicher Maßnahmen

Der Loipenbetrieb in der benachbarten Olympiaregion war unzulässig, heißt es seitens der Regierung. Die Anlage sei eine Sportstätte. Eine solche darf nach aktuellen Corona-Auflagen in Österreich nicht betreten werden – zumindest von Hobbysportlern. Es dürfen laut der Covid-19 Schutzmaßnahmenverordnung des Bundes nur Spitzensportler die Strecke für Trainingszwecke nutzen. Doch der Tourismusverband (TVB) am Seefelder Plateau wollte nicht mehr bewerten, wer zu dieser Sparte zählt und wer nicht. Er ging auf Nummer sicher und machte die Strecke für alle dicht.

Für TVB-Geschäftsführer Elias Walser ist die Deklarierung als Sportstätte und die damit einhergehende Schließung nicht nachvollziehbar. Schon vor geraumer Zeit habe er dem Land Tirol eine Anfrage bezüglich der Eröffnung geschickt, aber keine Antwort erhalten. Langlaufen ist als Individualsport erlaubt. Allerdings befindet sich der Betrieb einer Anlage wie in Leutasch in einer rechtlichen Grauzone.

Corona-Maßnahmen machen Loipe zur Sportstätte: Tiroler Betrieb muss nach drei Tagen dicht machen

Das paradoxe: Gerade die Sicherheitsmaßnahmen, die Walser und Co. ausgearbeitet haben, werden dem Betrieb zum Verhängnis. Sein Tourismusverband hat nämlich sämtliche Vorkehrungen getroffen, um trotz Corona die größtmögliche Sicherheit zu bieten. Jeder Langläufer musste sich vorab ein Online-Ticket buchen. Das Zeitfenster für den Aufenthalt auf der Loipe betrug maximal zwei Stunden. Zudem ließ der Verband die Zugänge und die Parkplätze durch Security-Mitarbeiter kontrollieren, um Menschenansammlungen zu verhindern. Mehr als 100 Personen gleichzeitig sind nicht auf die Loipe gelassen worden, um die Abstände zu wahren. Die Bemühungen seien „vorbildlich“ gewesen, sagt die Bezirkshauptmannschaft Innsbruck-Land. Aber genau diese ganzen Maßnahmen würden die Loipe eben zu einer Sportstätte machen. „Die Exekutive überwacht nun, ob sich die Hobbysportler an die Sperre halten“, teilt das Land Tirol dem staatlichen Rundfunk ORF mit.

Walser hofft nun auf das Ende des Lockdowns, der in Tirol für den 7. Dezember angesetzt ist. Wie es dann weitergeht, kann er noch nicht sagen. „Wir bereiten uns nach wie vor auf den Winterbetrieb vor.“ Die Strecke in Leutasch wird als „Snowfarming-Loipe“ bezeichnet. Das bedeutet, dass sie ausschließlich mit dem Schnee vom vergangenen Winter präpariert wurde. Dieser lagert die heißen Sommermonate über in speziellen Depots am Plateau.

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