Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (l.) und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger.
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Gemeinsam durch die Krise: Markus Söder (l.) und Hubert Aiwanger.

„Seit einem Jahr im Albtraum gefangen“

Lockdown-Stimmung bei Gastgebern kippt: Brandbrief an Söder und Kollegen - mit drei zentralen Forderungen

  • vonChristof Schnürer
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Den Isartaler Vermietern reicht‘s: Jetzt haben sie ein Schreiben in die Regierungszentrale zu Söder nach München geschickt - mit drei zentralen Forderungen.

München/Oberes Isartal – Seit Monaten stehen die Gästehauser im Oberen Isartal leer. Das schlägt langsam aufs Gemüt. „Die Stimmung kippt“, verdeutlicht Sabrina Blandau. Die Geschäftsführerin der Alpenwelt-Karwendel-GmbH und dessen Aufsichtsratsvorsitzender, der Krüner Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU), haben nun einen Brandbrief an die Regierungszentrale verfasst.

Nach Monaten im Lockdown: Stimmung bei Gastgebern kippt - Brandbrief an Söder

Ich habe die Sorge, dass wir Gastgeber verlieren.

Sabrina Blandau

Ihre Adressaten: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Regierungsvize und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler). In dem dreiseitigen Schreiben an die beiden Spitzenpolitiker stehen drei konkrete Forderungen – erstens: Aufhebung des Beherbergungsverbots zu den Osterferien; zweitens: finanzielle Unterstützung für Privatvermieter sowie drittens: schnelle und vollständige Auszahlung der angekündigten Hilfen.

Oberes Isartal: Alpenwelt Karwendel schreibt Brandbrief an Söder - mit drei konkreten Forderungen

Die sind bitter nötig laut Blandau. „Ich habe die Sorge, dass wir Gastgeber verlieren.“ Und damit wird die Struktur der Tourismus-Destination mit den vielen Kleinvermietern „dauerhaft geschädigt“. So droht die Umwandlung von Ferien- in Zweit- oder dauerhafte Wohnungen. Arbeitsplätze und Wertschöpfung gingen ebenfalls flöten. Das muss unter allen Umständen verhindert werden. Da sind sich die Verantwortlichen in der Alpenwelt Karwendel alle einig.

Knapp 900 Vermieter gibt es aktuell in Mittenwald, Krün und Wallgau. Diese beherbergen rund 250 000 Gäste pro Jahr. Das beschert rund 1,2 Millionen Übernachtungen. „Allein aus diesen Zahlen lässt sich der wirtschaftliche Schwerpunkt unserer Region ableiten“, heißt es unter anderem in dem von Blandau und Schwarzenberger unterzeichneten Brief.

Um die Stimmungslage im Isartal zu ergründen, veranlasste man nicht zuletzt auf Anregung der Touristikvereine im Dezember 2020 und heuer im Februar Gastgeber-Befragungen. Auffallend dabei: Stuften vor drei Monaten 15 Prozent der insgesamt 210 Teilnehmer ihre Lage als „schlecht“ oder sogar „existenzbedrohend“ ein, so sind’s im Februar bereits 32 Prozent. Aufschlussreich zudem das Echo auf eine weitere Frage.

Corona in bayerischen Tourismusregionen: Brandbrief an Söder und Kollegen soll Druck auf Politik erhöhen

Dabei wollten Blandau und Co. von den nicht-gewerblichen Gastgebern wissen, ob sie staatliche Unterstützung benötigen, um die Auswirkungen des Beherbergungsverbots zu bewältigen. 43 Prozent sagten dazu „Ja“. Zum Vergleich: Im Dezember 2020, nur wenige Wochen zuvor, waren es 15 Prozent. „Hieraus wird deutlich, wie schnell und gravierend sich die Lage verschlechtert“, schlussfolgern die Verfasser des Schreibens.

Die Umsatzverluste, die bisher durch die Folgen von Corona verursacht wurden, belaufen sich laut Erhebung auf sieben Millionen Euro. „Bedenkt man, dass fast 70 Prozent der teilnehmenden Betriebe über weniger als zehn Betten verfügt, ist diese Zahl sehr hoch einzustufen.“

Wir sind seit einem Jahr in einem Albtraum gefangen. Da hat man nicht nur eine schlaflose Nacht.

Florian Streibl

Für Blandau war bei der Analyse des Stimmungsbildes zuletzt auch der digitale Vermieter-Stammtisch sehr erkenntnisreich: 50 Teilnehmer – das gab’s noch nie. „Da sieht man, wie sehr das Thema unter den Nägeln brennt.“ Der Isartaler Tourismuschefin ist bewusst, dass man dem bayerischen Staatskabinett keine Neuigkeiten berichtet. Doch auf Söder und Co. soll wenigstens der Druck erhöht werden.

Im Falle Aiwanger ist das nicht nötig, bestätigt dessen Parteifreund Florian Streibl aus Oberammergau. „Diese Sorgen treiben ihn sehr um.“ Weiter versichert der Fraktionschef der Freien Wähler im Landtag: „Wir brauchen jetzt Öffnungsperspektiven – und die werden auch kommen.“ Die Probleme der Tourismusanbieter sind laut Streibl im Kabinett hinlänglich bekannt.

Corona in Bayern: Probleme der Tourismusanbieter im Kabinett wohl bekannt

„Aber es hängt ja nicht nur an dieser Koalition, sondern an 16 Ministerpräsidenten und der Kanzlerin.“ Doch in einer nie da gewesenen Krisenzeit immer die richtigen Entscheidungen zu treffen, fällt auch Polit-Profis nicht leicht. „Wir sind seit einem Jahr in einem Albtraum gefangen“, plaudert Streibl aus dem Nähkästchen. „Da hat man nicht nur eine schlaflose Nacht.“

Ein Comeback gibt es bald im bekannten Ausflugslokal Café Waldschlucht.: Münchner Gastro-Brüder wollen die verwaiste Wirtschaft wiederbeleben. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen GAP-Newsletter.

(Von Christof Schnürer)

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