Wohnwagen an Wohnwagen reihten sich auf dem Schwarzenfeld-Parkplatz im vergangenen Sommer. Einige Besitzer hinterlassen Müll und kampieren illegal.
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Wohnwagen an Wohnwagen reihten sich auf dem Schwarzenfeld-Parkplatz im vergangenen Sommer. Einige Besitzer hinterlassen Müll und kampieren illegal.

Wegen Corona noch mehr Wohnmobile

Illegaler Campingplatz: Anwohner in Angst vor dem nächsten Ansturm - Hilferuf verhallt ungehört

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Der illegale Campingplatz am Mittenwalder Schwarzenfeld sorgt auch in diesem Jahr für Ärger bei den Anwohnern. Doch die Behörden schreiten nicht ein.

Mittenwald – Noch schaut Petra Schandl von ihrem Balkon aus auf einen fast leeren Parkplatz. Die Betonung legt sie aber deutlich auf „noch“. Ihr und ihren Nachbarn schwant Übles. Sie sehen sie bereits wieder vor sich, die Müllberge, den Unrat, die Fäkalien direkt vor der Haustür und im Garten. Dieses Jahr könnte die Situation noch schlimmer, die Camper mehr werden, um den öffentlichen Parkplatz am Mittenwalder Schwarzenfeld als illegalen Campingplatz zu missbrauchen.

Die Anwohner fühlen sich an die Zeit vor ziemlich genau einem Jahr zurückversetzt. Im April 2020, nach den ersten Lockdown-Maßnahmen, füllte sich die Privatfläche im Besitz der Karwendelbahn peu à peu mit Wohnmobilen. Ein herkömmlicher Parkplatz ist zu einem illegalen Campingplatz verkommen. An Spitzentagen waren bis zu 86 Wohnmobile vor Ort.

Mittenwald: illegaler Campingplatz versetzt Anwohner in Schrecken - Behörden schreiten nicht ein

Nun nimmt die neue Saison Fahrt auf. Zahlreiche Camper haben sich in den vergangenen Wochen wieder aufgemacht ins Isartal. Da sich die regulären Campingplätze ebenfalls im Lockdown befinden – touristische Übernachtungen sind aktuell verboten –, suchen die Urlauber auf vier Rädern nach alternativen Flächen, um zu kampieren. Sogar wild, wie am Osterwochenende am Seinsbach. Gegen 24 Camper an zwei Tagen hat die Polizei Anzeige wegen Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz stellen müssen. Auch das Ordnungsamt beobachtet schon jetzt einen enormen Andrang, teilt Leiter Josef Stieglmeier mit.

Der Ansturm ist enorm: Selbst an Schlechtwettertagen sind die öffentlichen Parkplätze am Schwarzenfeld mit Wohnmobilen voll.

Der Gemeinderat hat deshalb kürzlich eingelenkt und die Parkflächen im Außenbereich ab Mai mit einem nächtlichen Parkverbot von 22 bis 6 Uhr verhängt. Das gilt für die Plätze am Luttensee, an der Seins- und Aschaueralm sowie am Waudl, in der Nähe des Schwarzenfelds. Wer dagegen verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Polizei und Ordnungsamt kontrollieren heuer noch strenger.

Parkplatz seit drei Jahren als Campingplatz missbraucht: Hilferuf der Anwohner verhallt ungehört

Doch hilft das den müll- und lärmgeplagten Anwohnern des Schwarzenfelds denkbar wenig. Seit mittlerweile drei Jahren – die Anwohner setzten bereits 2018 einen offenen Brief in den sozialen Netzwerken auf – kämpfen sie gegen die Zweckentfremdung des Parkplatzes, zudem auch der aufgelassene Spielplatz gehört. Verzweifelt wandten sich die Mittenwalder vergangenes Jahr an die Behörden und letztlich an die Presse. Sogar der Bayerische Gemeindetag hat sich in der Causa illegaler Campingplatz eingeschaltet. „Die Bauaufsichtsbehörde muss einschreiten, da die Stellplatzanforderung aus dem Bebauungsplan nicht mehr erfüllt wird und die Stellplätze nicht als solche genutzt werden“, zitiert Pressesprecher Wilfried Schober aus einem Schreiben an die Kommune.

Alle warten auf Rückmeldung der Regierung - Landrat will nachhaken

Das letzte Mal hörten die Anwohner im Oktober 2020 vom Landratsamt – man warte auf die Rückmeldung der Regierung von Oberbayern. Und diese Beurteilung zieht sich nach wie vor zäh wie Gummi. Im November teilte die Regierung mit, sie wolle dem Landratsamt in den nächsten Wochen ihre Beurteilung übermitteln. Doch ist aus Wochen mittlerweile ein halbes Jahr geworden. „Der Landrat Anton Speer fasst jedoch nach“, teilt das Landratsamt am Mittwoch dem Tagblatt mit.

Schandl und ihre Mitstreiter hoffen auf dringende Bearbeitung. Denn die neue Campingsaison steht kurz bevor – und die Anlieger wieder am Anfang. „Derweil wollen wir doch einfach nur ein paar Schilder, die auf das Camping-Verbot hinweisen“, bedauert Schandl. Und dass geltendes Recht umgesetzt wird. „Mehr nicht.“ Die Anwohner haben nun selbst Vorbereitungen getroffen. Schilder an ihren Grundstücken angebracht, Bewegungsmelder installiert, neue Schlösser an Schuppen und Kellertüren angebracht.

Aus Angst vor Pandemie-Regeln: Mehr Wohnmobile unterwegs

Natürlich versteht sie die Ausflügler in gewisser Weise. Es darf zurzeit ja keiner verreisen und Urlaub genießen. Zumal die Erfahrung aus dem Jahr 2020 zeigt, dass die Corona-Pandemie und ihre Folgen nicht in wenigen Wochen vorbei sind. Im Gegenteil. Viele befürchten, dass sich das Jahr 2020 heuer wiederholt, vielleicht sogar mit noch mehr oder längeren Einschränkungen überzogen sein könnte. Viele Sommerfrischler haben sich demnach Wohnmobile zugelegt, um zumindest innerhalb von Deutschland Urlaub machen zu können. Doch ertragen die Schwarzenfeld-Anwohner einen zweiten Corona-Sommer voller Schmutz, Lärm und Fäkalien auf ihren Grundstücken nicht mehr.

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