Polizeibeamte, Gemeindemitarbeiter und Skiliftbetreiber besichtigen im Luttensee-Skigebiet die Beschilderung
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Vorort-Termin: Polizeibeamte, Gemeindemitarbeiter und Skiliftbetreiber besichtigen im Luttensee-Skigebiet die Beschilderung. Dank neuer Zeichen können Parksünder nun mit Strafzettel geahndet werden.

Chaotische Parkverhältnisse

Kampf gegen Falschparker im Skigebiet: Jetzt müssen sie löhnen - „Ein Wahnsinn“

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Der Skibetrieb steht still, trotzdem sind auf dem Mittenwalder Kranzberg jede Menge Wintersportler unterwegs. Nicht selten herrschen entlang der Talstation chaotische Parkverhältnisse.

Mittenwald – Täglich liest Klaus Wurmer die Zeitung. Danach schaltet er den Fernseher ein. Zum Schluss geht er an sein Handy. Er analysiert, prognostiziert, wartet. Hofft, dass irgendwann die eine entscheidende Nachricht kommt. Dass er seine Lifte im Mittenwalder Kranzberg-Skigebiet endlich in Betrieb nehmen darf. Oder zumindest ein realistisches Datum erfährt, wann es soweit ist. Doch ein Gedanke bereitet dem Betreiber schlaflose Nächte: Was, wenn er das Skigebiet diese Saison überhaupt nicht öffnen kann?

Mittenwald: Ausflügler stürmen Skipisten - Parkplatzgebühr eingeführt

Den Ausflüglern scheint das jedenfalls egal zu sein. Trotz geschlossener Lifte erstürmen täglich unzählige Besucher die unpräparierten Pisten. Auf allem, was der Wintersport so hergibt: Mit Tourenskiern, Bobs oder Schneeschuhen. Nur eines haben fast alle gemeinsam: Angereist wird mit dem eigenen Fahrzeug. Zahlreiche Autos säumen die zwei Parkplätze im Luttensee-Gebiet. Den Kennzeichen zufolge kommen die Besucher aus der gesamten Bundesrepublik. Dresdener Kfz stehen neben Hamburgern. Düsseldorfern neben Berlinern.

Deshalb hat Wurmer, ähnlich wie in Garmisch-Partenkirchen, seit Ende Dezember zum ersten Mal eine Parkplatzgebühr eingeführt. Acht Euro pro Tag verlangt er pauschal. Denn das Warten auf den unbekannten Tag X der Eröffnung kostet nicht nur Zeit und Nerven, sondern auch Geld. Die laufenden Kosten sind nicht verschwunden, auch wenn die Lifte still stehen.

Skigebiete in Mittenwald: Wildparker blockieren Rettungswege - „ein Wahnsinn“

Er muss Pacht an die zahlreichen Grundstücksbesitzer am Kranzberg zahlen. Die Skiwacht ist seit Kurzem im Einsatz. Zwei Angestellte arbeiten für Wurmer. Unter anderem betreibt er im Partyschirm am Luttensee eine kleine „to-go-Station“. Es gibt warme und kalte Getränke sowie kleine Brotzeiten auf die Hand. Zudem sperrte Wurmer die öffentliche Toilette auf, um der Notdurft im Freien zumindest etwas Einhalt zu gebieten.

„Etwa 97 Prozent haben absolutes Verständnis für die Parkgebühren“, bestätigt Wurmer. Doch gibt es eben auch jene drei Prozent, die maulen – und ihr Fahrzeug einfach an den Rand der Straße zum Luttensee hinauf oder am Waldgebiet abstellen, um sich die paar Euro zu sparen. „Hier geht’s zu, ein Wahnsinn“, resümiert Wurmer verärgert. Da Autos teilweise sogar Rettungswege blockieren, schaltete sich die Gemeinde ein. „Wir wollen Herrn Wurmer unterstützen, wo es nur geht“, sagt Bürgermeister Enrico Corongiu (SPD).

Trotz geschlossener Lifte: Ansturm auf Skigebiete - Besucherströme nicht zu steuern

Die Kommune verständigte sich mit der Polizei. Die war aber vorerst machtlos. Die Beschilderung am Straßenrad sei veraltet und nicht mehr ausreichend, um abstrafen zu können. Bei einem Vorort-Termin mit Polizei und Gemeindemitarbeitern ist jetzt nachgebessert worden. Neue Verkehrszeichen sollen für Ruhe sorgen, hofft Wurmer: „Jetzt kann die Polizei auch Strafzettel an die Wildparker verteilen.“

Die Parkgebühren behält er bei, auch wenn das Skigebiet wieder in Betrieb geht. „Nur Kartenbesitzer bekommen dann die acht Euro zurückerstattet.“ Wanderer, Rodler oder Tourengeher nicht.

Mittenwald: Pistenpräparierung eingestellt - Strafzettel an Wildparker verteilt

Zumindest dieses Problem ist gelöst. Doch ist der Sturm auf den Kranzberg für den Skilift-Betreiber eine paradoxe Situation: Schon im Herbst hat er gemeinsam mit der Skiwacht in mühsamster Kleinarbeit ein penibles Hygienekonzept für das Skigebiet ausgearbeitet. Die Skifahrer und Snowboarder hätte er beim laufenden Betrieb perfekt lenken können.

Zumal es nur Schlepplifte und einen Einser-Sessellift gibt. „Da kommt es zu keinerlei Berührungspunkten.“ Doch war alles vergebene Liebesmüh. Die Regierung bleibt hart. Lässt trotzdem bis mindestens 31. Januar die Skigebiete geschlossen. Die Folge: Wurmer kann die Besucherströme am Kranzberg nicht steuern. Deshalb hat er Absperrungen am Pistenrand errichten lassen, um für Sicherheit zu sorgen.

Die Beschneiung und Pistenpräparierung hat er nach langem Zögern eingestellt. Zu teuer kommt sie ihn in Anbetracht einer völlig ungewissen Zukunft. Als Stichtag hat er sich den 25. Januar aufgeschrieben. Dann wird die Merkel-Regierung das weitere Vorgehen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie erläutern. Wurmer wird dann wieder akribisch die Nachrichten verfolgen. Vielleicht kommt endlich grünes Licht. „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

Auch im Kolben-Skigebiet in Oberammergau stehen die Lifte wegen Corona still. Doch die Verantwortlichen haben schon vor dem Betriebsstart eine Änderung veranlasst: Wintersportler müssen mehr für den Parkplatz zahlen. Und der Markt Garmisch-Partenkirchen hat eine Pistensperre für die obere Kandahar verhängt.

(Von Josef Hornsteiner)

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