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Im Seniorenzentrum Kemmelpark in Murnau verschärft sich die Lage weiter.

Zahl der mit Corona Infizierten liegt weiterhin bei 19

Corona in Murnauer Seniorenzentrum: Zwei weitere Tote - Insgesamt zehn Bewohner gestorben

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  • Silke Reinbold-Jandretzki
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  • Peter Reinbold
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Es gibt wieder traurige Nachrichten: Zwei weitere Bewohner aus dem Seniorenzentrum Kemmelpark sind gestorben. Aktuell ist die Einrichtung geschlossen, die ersten Mieter sollen aber wohl in den nächsten Tagen wieder zurückkehren.

Update, 20. April, 19.11 Uhr: 

Die Zahl der Covid-19-Opfer steigt unerbittlich: Zwei weitere Bewohner des Seniorenzentrums Kemmelpark sind an den Folgen des Coronavirus im Klinikum Garmisch-Partenkirchen gestorben. Insgesamt waren bis zum Montag zehn Tote zu beklagen, die in der Murnauer Einrichtung gelebt hatten. Das Seniorenzentrum bleibt damit der Covid-19-Hotspot in der Region. Im ganzen Landkreis verloren bisher zwölf Menschen nach einer Corona-Infektion ihr Leben.

„Natürlich ist es bedauerlich, wenn jemand stirbt“, sagt Seniorenzentrum-Geschäftsführer Dr. Albert Wentlandt. Man werde aber „selbstverständlich weitermachen“. Er habe mit Bewohnern gesprochen: „Diese Leute freuen sich, wenn sie zurückkommen können, sie sind hier zu Hause.“ 48 Senioren waren zuletzt in den verschiedenen Wohnformen untergebracht. „Ich denke, dass Mieter in den nächsten Tagen nach und nach zurückkehren können“, sagt Wentlandt mit Blick auf die ambulanten Wohngemeinschaften im Seniorenzentrum. 

Stufenplan, um Betrieb nach und nach wieder zu ermöglichen

Wegen des Corona-Ausbruchs kam es am 8. April zu einer Schließung. 8 Pflegekräfte und 19 Bewohner hat man nach Angaben von Landratsamtssprecher Stephan Scharf positiv auf das Virus getestet. Er legt sich nicht auf einen Termin für eine Wiedereröffnung fest: „Wann die Einrichtung wieder den Betrieb aufnehmen kann, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.“ Unter anderem befänden sich „zahlreiche Pflegekräfte aufgrund eines positiven Coronavirus-Tests noch in Quarantäne“. Mit der Einrichtungsleitung werde ein Stufenplan entwickelt, „um den Betrieb nach und nach wieder zu ermöglichen“. Grundlegend sei dabei, dass zunächst genügend Pflegekräfte zur Verfügung stehen und erst danach die Bewohner wieder in Schritten einziehen können.

Wie es genau zur Infektion mit dem Coronavirus im Seniorenzentrum gekommen ist, lässt sich Scharf zufolge nicht mehr nachvollziehen. Als der Fall bekannt wurde, habe das Landratsamt „alle notwendigen Maßnahmen unternommen“. Scharf nennt die Testungen von Pflegekräften und Bewohnern, die Räumung und vorübergehende Schließung der Einrichtung, die Verlegung der Senioren und die Desinfektion.

Hat der Corona-Ausbruch mit bislang zehn Toten im Seniorenzentrum auch juristische Konsequenzen? Scharf vermag das nicht zu sagen: „Ob die Staatsanwaltschaft eine Ermittlung einleitet, entzieht sich unserer Kenntnis.

Update, 8. April, 19.00 Uhr:

Murnau/Landkreis – Die Nachricht ist bedrückend: Nach dem Todesfall eines 82-Jährigen am Dienstag sind am Mittwoch in einer Klinik zwei ältere Damen gestorben, die sich ebenfalls mit dem Corona-Virus infiziert hatten. Der Zusammenhang: Die Frauen im Alter von 75 und 84 Jahren waren ebenfalls Bewohnerinnen des Seniorenzentrums Kemmelpark in Murnau, wo Mitte vergangener Woche der Erreger Covid-19 erstmals bei Angestellten und Bewohnern festgestellt worden war. Die Zahl der Todesopfer im Landkreis steigt damit auf vier.

Die Lage hat sich in der Pflegeeinrichtung nicht beruhigt. Mittlerweile ist das Wohnheim durch das Gesundheitsamt in Absprache mit der Heimleitung sogar geschlossen worden, alle restlichen Bewohner wurden in der Nacht sowie am Mittwochvormittag verlegt. „30 Bewohner in die Kliniken nach Garmisch-Partenkirchen und Murnau sowie elf Bewohner in die Rheumaklinik Oberammergau und nach Lenggries“, konkretisiert Dr. Martin Dotzer, der Ärztliche Leiter der Führungsgruppe Katastrophenschutz. „Acht ambulant betreute Bewohner sind in einem separaten Gebäudeteil verblieben.“ Die Schließung war notwendig geworden, „da auch ein Teil des Pflegepersonals positiv getestet wurde und somit die Versorgung der Patienten nicht mehr gewährleistet war“. Bei acht Angestellten war der Corona-Test positiv ausgefallen.

Gesundheitsamt ermittelt, wie es zu der Entwicklung im Seniorenheim kommen konnte

Das Gesundheitsamt hat derweil die Ermittlungen aufgenommen, wie es zu der Situation kommen konnte. „Dass es gerade in Seniorenheimen problematisch werden kann, ist bekannt“, betont Stephan Scharf, Pressesprecher im Landratsamt. Warum die Einwicklung in Murnau derart dramatisch ist, kann derzeit niemand sagen. „Und es wird sicher auch schwierig sein, das festzustellen“, meint Scharf. Allein die Suche nach den Kontaktpersonen gestaltete sich zum Teil nicht einfach, da einige Bewohner an Demenz leiden. „Da sind wir auch auf die Heimleitung angewiesen.“

Klar ist, dass die Einrichtung – bis auf die Unterkünfte der ambulant betreuten Bewohner – vorerst geschlossen bleibt. „Im gesamten Haus müssen nun erst einmal Desinfektionsmaßnahmen stattfinden“, betont Scharf. Wann diese über die Bühne gehen, war am Mittwoch noch nicht bekannt. „Nach erfolgter Freigabe durch die Gesundheitsbehörde kann die Einrichtung wieder in Betrieb genommen werden – natürlich nur mit negativ getesteten Bewohnern und Personal“, ergänzt Dotzer.

Nicht alle Bewohner aus dem Seniorenzentrum sind Positiv-Patienten. Das steht fest. Die Zahl der Infizierten liegt nach wie vor bei 19, die bereits so schnell es geht aus dem Wohnheim verlegt worden waren. Ob sich weitere Personen in Lebensgefahr befinden, dazu konnte Dotzer keine Angaben machen.


Update, 7. April, 18.41 Uhr: 

Ein 82-jähriger Mann ist der zweite Todesfall in der Corona-Krise im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Bei dem Gestorbenen handelt es sich um einen ehemaligen Bewohner des Seniorenzentrums Kemmelpark in Murnau, der nach einem Positiv-Test am Montag in eine Oberammergauer Klinik verlegt worden war. 

In besagter Senioren-Einrichtung gibt es mittlerweile neue Zahlen zu den Erkrankten. Demnach hat sich die Lage nochmals verschärft: Neben den bisher bekannten acht Angestellten sind nun insgesamt 19 Bewohner positiv auf den Erreger Covid-19 getestet worden. Weitere elf Senioren sind am Montag noch zur Behandlung in die Klinik nach Oberammergau verlegt worden.

Update, 6. April, 13.45 Uhr: 

Die Lage im Murnauer Seniorendomizil Kemmelpark hat sich weiter verschärft. 20 Bewohner mussten nach Auskunft von Jörg Jovy, Pressesprecher des BRK-Kreisverbands Garmisch-Partenkirchen, in eine Hilfsklinik nach Oberammergau verlegt werden. In der Murnauer Einrichtung seien laut Jovy immer mehr Mitarbeiter vom Coronavirus betroffen oder Verdachtsfälle, so dass der Betrieb nurmehr sehr eingeschränkt laufen könne.

Im Mittenwalder Seniorenheim Haus Alma scheint sich die Lage dagegen zu entspannen. Derzeit hat sich der Verdacht nicht bestätigt, dass Bewohner des Hauses oder Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert sind. Am Samstag ließ Sonja Nowak von der Geschäftsleitung dem Tagblatt per E-Mail wissen, dass sie über eine Mitteilung des Gesundheitsamts verfüge, „wonach über die bereits vorliegenden negativen Testergebnisse hinaus weitere neun genommene Proben ebenfalls negativ ausgefallen sind“. Einige Testergebnisse stünden noch aus.

Völlig unverständlich ist Nowak zufolge die Aussage des Leiters der Führungsgruppe Katastrophenschutz, der in öffentlicher Sitzung des Kreistags die Alma-Einrichtung als besonderen Verdachtsfall im Landkreis herausgestellt hat. „Dies ist nicht nur bis zum heutigen Tage nachweislich falsch, sondern in höchstem Maße unverantwortlich und stellt eine völlig unbegründete Stigmatisierung der Einrichtung und der Gemeinde Mittenwald als Hotspot dar“, heißt es weiter in der E-Mail.

Erstmeldung:

Murnau/Mittenwald – Zwei Altenheime im Landkreis sind offenbar vom Corona-Virus betroffen. Neben Murnau gibt es nun auch Verdachtsfälle im Mittenwalder Alma-Seniorendomizil An den Isarauen. Dort wurde bei Bewohnern und Mitarbeitern laut Landratsamtssprecher Stephan Scharf und BRK-Sprecher Jörg Jovy „mehr als zehn Abstriche genommen“. Auf der gemeinsamen Internetseite von Landratsamt und BRK heißt es, alle Bewohner und Mitarbeiter wurden getestet. Wie viele Angestellte und Senioren in dem Haus arbeiten oder leben, ist unbekannt. „Zum Schutz der Bewohner und unserer Mitarbeiter werden diese vorsichtshalber/vorsorglich durchgetestet“, teilt Sonja Nowak von der Geschäftsleitung per E-Mail mit. Wie die Einrichtung weitergeführt werden kann, hängt laut Scharf von der Zahl der Personen ab, die infiziert sind und isoliert werden müssen. Mit einem Ergebnis sei in den nächsten Tagen zu rechnen.

Einen weiteren Großkampftag hatte das BRK am Freitag an der Grenze zu Österreich. Dort kommen immer noch Busse mit deutschen Saisonarbeitern aus den Skigebieten an, die auf das Coronavirus überprüft werden mussten.

Wie kann das Seniorenzentrum weitergeführt werden?

Die Lage im Murnauer Seniorenzentrum Kemmelpark spitzt sich zu: Eine groß angelegte Untersuchung hat nun ergeben, dass in der Einrichtung, die eine Tagespflegestätte für Senioren und zwei ambulant betreute Wohngemeinschaften für pflegebedürftige Menschen beheimatet, mittlerweile acht Pflegekräfte an Corona erkrankt sind. Bislang war nur ein Mitarbeiter bekannt, der sich mit dem neuartigen Virus infiziert hatte. Die Betroffenen befinden sich in häuslicher Quarantäne, um das Ansteckungsrisiko zu reduzieren, wie Stephan Scharf, Pressesprecher des Landratsamts, am Freitag erklärte. Auch werden mögliche Kontaktpersonen ermittelt. Unter den Bewohnern – insgesamt sind es nach Tagblatt-Informationen 48 – haben sich glücklicherweise keine neuen Fälle ergeben. Es bleibt bei drei Erkrankten. Zwei der Senioren werden weiterhin in einer Klinik behandelt. Die dritte Person ist in dem Haus, in dem jetzt verschärfte Sicherheitsvorkehrungen herrschen, isoliert.

Lesen Sie mehr dazu: Corona-Ausbruch in Seniorenzentrum in Murnau: Großeinsatz für BRK - Zwei Patienten in Klinik

Ältere Menschen gelten bekanntlich als besonders gefährdete Risikogruppe. Eine Spezialeinheit des Bayerischen Roten Kreuzes hatte am vergangenen Mittwoch die betagten Mieter und die Beschäftigten getestet. Im Zuge dieses Großeinsatzes wurden 140 Abstriche vorgenommen. Die Auswertung fand in einem Labor der Uni-Klinik Innsbruck statt. Unklar ist, in welcher Form das Murnauer Seniorenzentrum angesichts des Personalschwunds weitergeführt werden kann. „Wir versuchen, eine Lösung zu finden“, sagt Scharf. Denkbar wäre eine Teilverlegung in ein anderes Heim.  as/prei

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