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Mitten drin in der großen Politik: Der Mittenwalder Enrico Corongiu (l.) kam im Dezember auf dem Parteitag in Berlin auch mit Martin Schulz zusammen. Mit auf dem Foto: Die Weilheimer SPD-Geschäftsstellenleiterin Hannelore Baur.

Mittenwalder mit klarer Haltung

Corongiu beim SPD-Bundesparteitag: So steht der Mittenwalder zur „GroKo“

Er ist einer von 600: Enrico Corongiu gibt am Sonntag auf dem SPD-Bundesparteitag seine Stimme ab.  Er sagt: „Diesen Tod müssen wir sterben.“

Mittenwald/Bonn – Alle Augen richten sich am Sonntag auf den Bundesparteitag der SPD in Bonn. Dort entscheiden die Genossen, ob sie in Koalitionsverhandlungen mit der Union eintreten wollen oder nicht. Einer der Delegierten im World-Conference-Center ist Enrico Corongiu aus Mittenwald. Der 39-jährige Gemeinderat schreibt gewissermaßen an der deutschen Nachkriegsgeschichte mit. Und für den frischgebackenen Ortsvorsitzenden steht nach Lektüre des strittigen Sondierungspapiers fest: „Ich werde gegen die ,GroKo‘ stimmen!“ Der gescheiterte Kanzlerkandidat Martin Schulz, der den Deal mit Angela Merkel (CDU) und Horst Seehofer (CSU) ausgehandelt hat, müsste schon sehr gute Argumente vorbringen, um Corongiu von seinem Entschluss abbringen zu können.

Stand heute gilt also für den Mittenwalder in der Frage aller Fragen: Die Partei geht über das Land. Der Delegierte aus dem Oberen Isartal drückt es folgendermaßen aus: „Es gibt Zeiten, in denen die Partei an ihren Prinzipien festhalten muss.“ Weiter so – das würde für Corongiu die Fortschreibung der ungeliebten Großen Koalition bedeuten. „Wollen das die Leute?“, fragt sich der Familienvater und gibt auch gleich die Antwort: „Nein, das wollen die Leute nicht!“ Für den Mittenwalder ist „die Grenze erreicht“. Er formuliert’s sogar noch drastischer: „Diesen Tod müssen wir sterben.“ Mit seiner Meinung steht er nicht alleine – zumindest in seinem Heimatort.

Die Mission „No GroKo“ beginnt für Corongiu am Samstag. Unmittelbar nach der Partei-Konferenz in Schlehdorf setzt er sich ins Auto und braust ab in die ehemalige Bundeshauptstadt am Rhein. Der Deutsch-Italiener, der erst 2012 in die SPD eintrat, ist einer von 78 bayerischen Vertretern auf dem Konvent in Bonn. Insgesamt sind es 600 Delegierte, die über die GroKo und damit über das Schicksal ihres Vorsitzenden Schulz abstimmen.

Der Duft der großen Politik umweht Corongiu übrigens nicht zum ersten Mal: Binnen eines halben Jahres tourte er im Juni 2017 zum SPD-Parteitag nach Dortmund und im Dezember vergangenen Jahres zum Bundestreffen in Berlin. „Bislang hatte ich so etwas ja nur aus dem Fernsehen gekannt.“ Plötzlich aber mit Prominenten wie Bundesjustizminister Heiko Maas oder Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz zwanglos zu plauschen – das hat schon was. Nun also ist der Bundestagskandidat von 2017 zum dritten Mal Mitwirkender auf der Polit-Bühne – wenn auch nur als Statist.

Doch am Sonntag gegen 16 Uhr beim alles entscheidenden Votum zählt auch die Stimme des Sozialdemokraten aus Mittenwald. Sein geplantes Nein zur GroKo könnte in der Historie der Bundesrepublik erstmals zur Bildung einer Minderheitsregierung führen, die in anderen Ländern längst gängige Praxis ist. Einen Vorteil hat für Corongiu dieses unbekannte Konstrukt: „Dann müsste sich Frau Merkel endlich aus ihrer Komfortzone bewegen.“

Christof Schnürer

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