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Dr. Marcel Huber (am Mikro) spricht Klartext.

Umweltminister zu Gast beim CSU-Biergarten in Mittenwald 

Marcel Huber - der Dauer-Wahlkämpfer

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Der Mann redet nicht um den heißen Brei. Kraftvoll und auf „guad Boarisch“ nennt Dr. Marcel Huber die Dinge beim Namen. Das kommt an beim Wahlvolk. An eine Pleite seiner Partei am 14. Oktober verschwendet der leutselige Umweltminister – noch – keinen Gedanken. 

Mittenwald – Die schlechten Umfragewerte seiner Partei nimmt er gelassen. „Ich habe mich noch nicht aufgeben“, versichert Bayerns Umweltminister Dr. Marcel Huber beim CSU-Biergarten im Mittenwalder Gasthof Stern einem Sympathisanten seiner Partei – Otto Geisenberger. Der hat den Schwarzen am Mittwochabend in lauschiger Runde die Leviten gelesen. „Ich vermisse bei der CSU den Kampfgeist, kein Widerstand bei Euch“, poltert der Rentner am Mikrofon. Sein dringender Appell: „Seid’s hellwach!“

In der Tat deutet gut fünf Wochen vor der Landtagswahl am 14. Oktober vieles darauf hin, dass die übermächtigen Christsozialen im Freistaat die absolute Mehrheit deutlich verfehlen werden. Das ficht das oberbayerische Aushängeschild Huber nicht an. Der 60-Jährige aus Ampfing setzt auf „gute Arbeit“ während eines Regierungszyklus’. Deshalb leitet er ab: „Ich mache fünf Jahre Wahlkampf.“

Der Akademiker redet dabei, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Einige Sommergäste, die sich am Mittwochabend in den gut gefüllten Stern-Biergarten verirrt haben, stoßen ob des Dialekts das eine oder andere Mal an ihre Sprachgrenzen. Sie mögen sich gedacht haben: „Das ist eben Bayern.“ Bier, Brotzeit, Lederhose, Dirndl und almerische Klänge von der Karwendelhütt’n-Musi. Dazu ein gut aufgelegter Gastgeber Rudi Haller, der mit Trachtenhut und weißblauem Charme den zweistündigen Wahlkampfabend moderiert.

Am zentralen, festlich gedeckten Tisch sitzen neben Huber einige seiner CSU-Parteifreunde: Landtagsabgeordneter Martin Bachhuber, Bezirksrat Thomas Schwarzenberger, Bezirkstagskandidatin Sabine Lorenz sowie die Bürgermeister Adolf Hornsteiner (Mittenwald) und Stephan Märkl (Grainau). Damit die politische Plauderrunde nicht ganz so bierernst daher kommt, dürfen auch Trainer Bernhard Kröll und die Aktive Hanna Kebinger aus der Welt des Biathlons berichten.

Doch der Spagat zwischen Politik und Sport will nicht so recht gelingen. Vieles wirkt konstruiert und gezwungen. Oftmals kommt die Botschaft beim Wahlvolk schlichtweg nicht an, was keinesfalls an den Protagonisten liegt, sondern an der Qualität der Mikrofone. Hans Schanderl vom Kreisfischereiverein verschafft sich auch so Gehör. Der leidenschaftliche Funktionär aus Kochel kommt nicht zum Kritisieren, sondern zum Loben. Huber und Bachhuber hätten vor einigen Jahren Vorzügliches beim Errichten der Fischleiter am Krüner Wehr geleistet. „Da habt’s a Massl g’habt, dass Ihr so gut weggekommen seid’s“, scherzt Moderator Haller. „Der war bestellt“, flachst Bachhuber zurück.

Einigen im Biergarten ist es aber bitterernst. Sie sitzen hinten an der Hauswand, direkt neben der Karwendelhütt’n-Musi, und verfolgen die Gesprächsrunde. Gemeint sind die beiden Almbauern Josef Braun (Glasle) und Peter Reindl (Huss), die in gewohnter Weise über Brüsseler Bürokraten herziehen. Braun meint: „Irgendwann sterben die kleinen Bauern deswegen bei uns aus“ – und nicht der bei den heimischen Landwirten verhasste Wolf. „Tut doch ein Rudel in den Englischen Garten“, schlägt der Glasle vor. „Dann sagen die Städter bestimmt, dass der Wolf weg muss.“ Der Huss’n-Peter flankiert Braun. „Der ganze Alpenraum muss wolfsfrei werden, anders geht’s nicht!“

Ein nahezu illusorischer Wunsch, steht das Raubtier doch unter strengem Schutz. Keiner weiß das besser als der promovierte Veterinär Huber. „Wenn ein Wolf Menschen gefährdet, ist er des Todes“, versucht der Minister Braun und Reindl zu beschwichtigen. Auch auf Almen, wo Prävention nicht möglich ist, sei „eine Entnahme“ – sprich: der Abschuss – möglich. Daneben gibt es aber auch einen elektrisch geladenen Schutzzaun. „Den kriegt’s kostenlos von mir.“ Nicht nur bei diesem Schlagabtausch beweist der lange Schlacks aus dem Umweltministerium Kompetenz und Schlichterqualitäten. Den besorgten Almbauern, die ein Schaf-Massaker durch den bösen Wolf heraufbeschwören, gibt er zum Schluss auf den Weg: „Wir reden über einen Sachverhalt, der bislang noch nicht eingetreten ist.“

Bittere Wahrheit könnte aber am 14. Oktober ein Wahldebakel der CSU sein. Ein Horrorgedanke für Martin Bachhuber, der an diesem Tag 63. Geburtstag feiert. Der Heilbrunner wünscht sich daher nur eines: die zwei Kreuzerl an der richtigen Stelle.

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