Rektorin Anja Zwerger in ihrem Büro in der Karwendelschule in Mittenwald
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Hoffentlich bleibt’s bei diesen stabilen zehn. Rektorin Anja Zwerger

Politisch gewollt

Da waren’s nur noch zehn: Achte Klasse im Miniformat in Mittenwald

  • VonChristof Schnürer
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Gerade einmal zehn Achtklässler starten kommende Woche in Mittenwald ins neue Schuljahr. Ein Versuch, der vom Schulamt zunächst verhindert, aber politisch letztlich durchgeboxt wurde.

Mittenwald – Anja Zwerger studiert die Liste: Zehn Jugendliche – es werden einfach nicht mehr. Diese überschaubare Schar reicht wenigstens aus, um nächste Woche an der Mittenwalder Karwendelschule – so heißt sie seit 1. August offiziell – den Versuch achte Klasse zu starten. „Hoffentlich bleibt’s bei diesen stabilen zehn“, sagt Zwerger, die nach der Mutterschutz-Zeit wieder auf dem Chefsessel im Rektorat Platz genommen hat.

Doch diese zwei Hände voll sind verdammt wenig, um damit das Ziel Mittelschul-Abschluss in der neunten Klasse zu erreichen. Da gibt sich auch Zwerger keinen falschen Illusionen hin. „Wir müssen das genau beobachten und uns im Februar nochmals zusammensetzen.“ Sprich: zum Zwischenzeugnis 2022. Ähnlich sieht es Schulamtsdirektorin Gisela Ehrl. „Im Winter müssen wir das Ganze neu bewerten.“

Im Juni hatten sie und Stefanie Schmidt, die Koordinatorin des Schulverbunds Partenkirchen, Garmisch und Mittenwald, im Mittenwalder Marktgemeinderat für einen Sturm der Entrüstung gesorgt, als sie via Elternbrief mitteilten, dass es mangels Masse keine achte Klasse im Schuljahr 2021/2022 geben werde – und damit konsequenterweise auch keinen Abschluss-Jahrgang 2023, was es so noch nie unterm Karwendel gegeben hat (wir berichteten). „Der Elternbrief ist von vorne bis hinten eine Frechheit!“, ereiferte sich vor drei Monaten CSU-Gemeinderat Gerhard Schöner. Für seinen Parteifreund Michael Altmann wiederum ist der 2011 geschlossene Verbund durch solche Entscheidungen „nur eine Einbahnstraße“. Mit anderen Worten: Schüler verlassen scharenweise das Isartal in Richtung Garmisch-Partenkirchen, und nicht einer schlägt den anderen Weg ein.

Schulamtsdirektorin und Verbundkoordinatorin brüskiert

Ein Problem, das Anja Zwerger nur allzu vertraut ist. „Wir befinden uns in einem kleinen Landkreis, der ein breit gefächertes Bildungsangebot hat.“ Heutzutage könnten Sechstklässler bereits an die Wirtschaftsschule nach Garmisch-Partenkirchen wechseln. Dieser immer zeitiger einsetzende Abfluss ärgert natürlich die Volksvertreter, die einen Millionenbetrag in die Modernisierung der Einrichtung am Mauthweg gesteckt haben, um auf dem heiß umkämpften Schulsektor wettbewerbsfähig bleiben zu können. Was nach wie vor und mehr denn je fehlt, sind die Mittelschüler. 78 von ihnen drehen in fünf Klassen ab kommenden Dienstag die nächste Runde. Wie gesagt: Ganze zehn von ihnen darf Mona Weineisen in der achten Klasse im Miniformat unterrichten. Pädagogisch ist das sicherlich wertvoll, aber keineswegs praktikabel in Zeiten des Lehrermangels.

Schüler-Flaute geht weiter

Zu diesem brisanten Thema möchte sich Rektorin Zwerger wohlweislich nicht äußern. Zumal das Schicksal der achten Klasse eine rein politische Entscheidung war. Eingefädelt vom Landtagsabgeordneten Florian Streibl (Freie Wähler), der sozusagen auf dem kleinen Dienstweg seinen Parteifreund Michael Piazolo, seines Zeichens Bayerns Kultusminister, kontaktierte.

Schwuppdiwupp waren der Abmarsch der Mittenwalder nach Partenkirchen gestoppt und Schulamtsrätin und Verbundkoordinatorin brüskiert. Doch Gisela Ehrl wird die Entwicklung am Mauthweg ganz genau verfolgen. So oder so wird es aufgrund der Schüler-Flaute in Mittenwald auch künftig „keine leichten Lösungen“ geben. Zumal sich schon jetzt in der aktuellen siebten Klasse dunkle Wolken zusammenbrauen. Anders ausgedrückt: 16 Buben und Mädchen treten in sechs Tagen an. Viele von ihnen dürfen nicht wegziehen oder an eine andere Schule wechseln, damit nicht erneut das Totenglöckchen an der Karwendelschule läutet. Und politische Wunder geschehen auch nicht alle Tage.

Das Landkreiswetter

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