Wir trauen uns nicht einzukaufen. Aber uns bleibt ja nix anders übrig. Andrea Reindl Wirtin der Dammkarhütte
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Wir trauen uns nicht einzukaufen. Aber uns bleibt ja nix anders übrig. Andrea Reindl Wirtin der Dammkarhütte

Offizieller Start wäre am 19. Mai 2021

Isartaler Berghüttensaison: Das lange Warten im zweiten Coronajahr

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Hüttenpächter fiebern Saisonstart am 15. Mai entgegen – Sorge und Hoffnung Hand in Hand

Mittenwald – „Wir trauen uns noch nicht einzukaufen.“ Andrea Reindl hat das Abwarten satt. „Aber uns bleibt ja nix anders übrig.“ Allerdings weiß die Wirtin, die gemeinsam mit Leo Reindl die Dammkarhütte betreibt, „dass es gerade allen so geht“. Jeder Isartaler Almpächter und Hüttenwirt weiß momentan noch nicht, wann die Bergsaison los geht. Wann der Startschuss für den zweiten Corona-Sommer fällt. Geplant war der 15. Mai. Ob das realistisch ist? Reindl bezweifelt es mittlerweile. „In der Politik wird ja davon gesprochen, dass sogar bis in den Juni hinein noch Stillstand herrschen soll. Vielleicht sogar noch länger.“ Ob es sich dann überhaupt rentiert zum aufsperren? Auch dahinter steht ein dickes Fragezeichen. Die Reindls werden es von der Öffnung der Innengastronomie abhängig machen. „Nur wenn wir innen bedienen dürfen, macht es Sinn.“ Denn wenn das Wetter umschlägt und schlechter wird, müssten die Leute von außen in die Hütte. „Das geht gar nicht anders.“ Da die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt, beginnen sie in den nächsten Wochen damit, die Dammkarhütte von den Schneemassen zu befreien. Noch wäre das zu gefährlich, meint Reindl. „Und an den Wochenenden erdrücken sie dich dort oben vor lauter Menschen.“

„Wir wären startklar“, sagt Hans-Peter Gallenberger. Die Renovierungsarbeiten sind abgeschlossen, die Brunnsteinhütte wäre nun fit für die anstehende Wander- und Klettersaison. Auch Gallenberger hat in den über drei Jahrzehnten, in denen er die Alpenvereinshütte betreibt, noch nichts vergleichbares wie Corona erlebt. Jetzt nutzt der Mittenwalder die Erfahrung aus dem Vorjahr – bekanntlich ist es Mitte Mai 2020 nach dem ersten Lockdown wieder langsam bergauf gegangen. Gallenberger durfte die Außengastronomie öffnen, die Bergsteiger über ein Fenster bedienen. Er glaubt, dass das auch heuer wieder so möglich sein wird. Sofern die große Politik mitspielt, versteht sich. Den Winter hat die Hütte ansonsten gut überstanden. „Da hat sich nix gefehlt.“

Sollte es Mitte Mai endlich los gehen, könnte auch Jeannette Lorenz, bekannt als „Schanni“, die neue große Terrasse vor ihrer Mittenwalder Hütte den Bergsteigern zur Verfügung stellen. Vergangenes Jahr im Herbst ist diese angefertigt worden. Den Weg hinauf zu ihrem Refugium wird sie herrichten, sobald es das Wetter zulässt. Dann erneuert sie die Treppe, räumt Steine aus dem Weg und schneidet den Steig frei. Sie sieht der kommenden zweiten Corona-Saison sportlich entgegen. Ihr ist wichtig, dass zumindest die Außengastronomie bald wieder öffnen darf. Draußen würde sich bei ihr das meiste Geschäft abspielen. Bei schlechtem Wetter begeben sich sowieso weniger Leute in die Berge.

Alle Wirtsleute haben eines gemein: Sie müssen warten. Der Lockdown ist bis zum 9. Mai verlängert worden. Ob wirklich ein Saisonstart am 15. Mai realistisch ist, Max Schmidt, Chef des Mittenwalder Alpenvereins, bleibt skeptisch. Auch er nimmt das erste Coronajahr 2020 als Maßstab für heuer. Da waren besonders die Übernachtungen in den Mehrbett-Räumen recht kompliziert. „Wir haben halt keine Zwei-Bett-Zimmer“, bedauert Schmidt.

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