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Aja-Hotel in Mittenwald: SPD-Gemeinderätinnen fordern Bürgervotum

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Von: Christof Schnürer

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Im Februar 2020 bezog die heutige Gemeinderätin Ursula Seydel bei der Bürgerinformation in Mittenwald in der TSV-Halle klar Position.
Deutliche Worte: Im Februar 2020 bezog die heutige Gemeinderätin Ursula Seydel bei der Bürgerinformation in der TSV-Halle klar Position. © Hubert Hornsteiner Fotografie

Der Bürger soll entscheiden. Das wünschen sich die beiden SPD-Gemeinderätinnen Ursula Seydel und Bärbel Rauch beim geplanten aja-Hotel in Mittenwald.

Mittenwald – In Mittenwald steht ein weiterer Bürgerentscheid im Raum. Geht es nach dem Willen der beiden SPD-Gemeinderätinnen Bärbel Rauch und Ursula Seydel, soll die Basis darüber befinden, ob das kommunale Grundstück an der Bahnhof-/Dammkarstraße tatsächlich den Investoren der Deutschen Seereederei (DSR) zum Kauf überlassen wird oder nicht. Die roten Volksvertreterinnen streben deshalb in der morgigen Sitzung ein Ratsbegehren an.

„Das ist kein Hotel-Verhinderungsantrag“, versichert Rauch gegenüber dem Tagblatt. „Doch sind wir weiterhin wie schon im vergangenen Jahr der Meinung, dass wir die Mittenwalderinnen und Mittenwalder bei dieser weitreichenden Entscheidung, die die Nutzung des Grundstücks auf Jahrzehnte festlegen wird, beteiligen müssen“, heißt es in einer gemeinsam verfassten Presse-Mitteilung von Seydel und Rauch. „Schließlich handelt es sich um das wertvollste Grundstück, das die Gemeinde im Zentrum besitzt und das nun in private Hände gegeben werden soll.“ Damit zielen die zwei Sozialdemokratinnen auf die DSR ab, die auf der 1,1 Hektar großen Freifläche vis à vis vom Rathaus ein aja-Wellnesshotel errichten will.

Ein 55-Millionen-Euro-Projekt, das im Frühjahr 2020 in der heißen Wahlkampfphase mächtig hochkochte. Erinnert sei dabei an die emotionsgeladene Bürgerversammlung Ende Februar 2020 in der rappelvollen TSV-Halle, bei der sich die DSR-Vertreter Lutz Weller und Torsten Vey mitunter harsche Kritik anhören mussten.

55-Millionen-Euro-Projekt

Was den damaligen Brückenbauer und Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) ein wenig die Sprache verschlagen hatte. „Mir fehlt die Aufbruchstimmung“, konstatierte er vor knapp 15 Monaten. „Wir sollten auch mal die Chancen sehen.“

Im Laufe dieser kontroversen Bürger-Information ergriff auch Gemeinderatskandidatin Seydel das Wort und exponierte sich als große Skeptikerin der aja-Pläne. Bei dieser Gelegenheit zog die Architektin eine Expertise von 2019 heraus, inder von einem Bodenrichtwert von 420 Euro die Rede ist. „Ich verstehe nicht, wie der gleiche Gutachterausschuss auf 230 Euro kommen kann, dieser Punkt gibt mir zu Denken“, kritisierte Seydel seinerzeit als einfache Bürgerin.

Inzwischen sitzt sie seit über einem Jahr im Gemeinderat. Ihre Sichtweise scheint Seydel, die für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, seitdem etwas relativiert zu haben, wie aus der mit Parteifreundin Rauch gemeinsam verfassten Stellungnahme unzweifelhaft hervorgeht. „Wir sind nicht grundsätzlich gegen einen Hotelbau auf diesem Grundstück“, heißt es eingangs. Das hat auch mit dem neuen Bürgermeister Enrico Corongiu (SPD) zu tun.

Keine Ferienappartements

Dieser habe „sehr erfolgreich mit dem potenziellen und bereits bekannten Investor verhandelt und einige grundlegende Verbesserungen des ursprünglich geplanten Konzepts von 2019/20 erreicht“. So wird den beiden SPD-Frauen zufolge auf das strittige Parkdeck am Bahnhofsplatz verzichtet. „Es werden keine Ferienappartements entstehen und, was für uns das Wichtigste ist, ein wenn auch kleiner Teil des Parks bleibt erhalten.“

Darauf angesprochen, meint Corongiu: „Ich denke, wir haben sehr gut verhandelt.“ Das letzte Mal hat es am 30. April in Mittenwald Gespräche mit den DSR-Repräsentanten gegeben. Einen Durchbruch scheint auch beim Grundstückspreis erzielt worden zu sein. Corongiu möchte aus Gründen der Geheimhaltung nicht ins Detail gehen. Er verweist in diesem Zusammenhang auf ein zwischenzeitlich in Auftrag gegebenes öffentlich-rechtliches und seiner Meinung nach „neutrales“ Verkehrswert-Gutachten des Landkreises als Grundlage. „Ohne das wäre ich ich nicht in die Verhandlungen gegangen.“

Das Vorpreschen seiner Parteifreundinnen Rauch und Seydel überrascht Corongiu keineswegs. „Sie hatten schon in der Vergangenheit diesen Wunsch geäußert.“

„Dieser Bürgerentscheid sollte möglichst rasch nach einer umfassenden Information seitens der Gemeinde per Briefwahl durchgeführt werden, um Zeit zu sparen und die Verwaltung zu entlasten“, steht in deren Schreiben. Die Wahrscheinlichkeit, dass die zwei Antragstellerinnen mit ihrem Ansinnen eine Mehrheit erhalten, ist unwahrscheinlich. Denn selbst in der eigenen vierköpfigen Fraktion soll es dazu Widerspruch geben.

Das Thema Ratsbegehren ist am morgigen Dienstag sozusagen nur der Aufgalopp in puncto aja-Hotel. Denn als Punkt zwei möchte der Gemeinderat einen Grundsatzbeschluss zur Realisierung des Projekts durch die DSR-Hotelholding-GmbH fassen.

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