Die Pfarrkirche Maria Schutz im Münchner Stadtteil Pasing.
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Neue Wirkungsstätte für Alois Emslander: die Pfarrkirche Maria Schutz im Münchner Stadtteil Pasing.

Seelsorger wechselt von Nymphenburg nach Pasing

Alois Emslander: der Münchner Stadtteil-Pilger

  • vonChristof Schnürer
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Der Münchner Ballungsraum ist dem gebürtigen Mittenwalder Alois Emslander (36) inzwischen vertraut. Nun übernimmt der katholische Seelsorger den Pfarrverband Pasing.

Mittenwald/München – Der Großraum München lässt ihn nicht los: Erst Germering (2015 bis 2018), dann Nymphenburg (2018 bis 2021) und jetzt Pasing. Salopp könnte man sagen: Alois Emslander (36) entwickelt sich zum Stadtteil-Pilger. „Irgendwie komme ich nicht mehr aus München raus.“ Doch der gebürtige Mittenwalder, der Bursche aus der Provinz, meint das keineswegs abschätzig – ganz im Gegenteil: „München ist ein stückweit meine Heimat geworden.“ Für den jungen katholischen Geistlichen hat vor zwei Tagen ein neues Kapitel in der Isar-Metropole begonnen. Ihm hat die Erzdiözese die Leitung des Pfarrverbands Pasing übertragen, bestehend aus Maria Schutz und St. Hildegard – alles in allem knapp 10 000 Katholiken.

Am kommenden Sonntag führt Dekan Franz von Lüninck ihn im Rahmen einer Heiligen Messe (9.30 Uhr) in sein neues Amt ein. Zwar ist Emslanders neue Wirkungsstätte, die neuromanische Basilika Maria Schutz, im Grunde großzügig und geräumig – nicht aber in Corona-Zeiten. So ist das Platzangebot in dem Gotteshaus aufgrund diverser Hygieneregeln stark eingeschränkt. Was Emslander natürlich am meisten bedauert, gerade im Hinblick auf Besucher aus seiner alten Heimat. Immerhin können interessierte Mittenwalder ihren Alois im Internet verfolgen – und zwar via Livestream auf der Pfarrverbands-Webseite.

Glaubens- und Relevanzverlust

Emslander, der nach seiner Priesterweihe 2015 zunächst als Kaplan in Germering und anschließend als Pfarrvikar und Diözesan-Landjugendpfarrer in Nymphenburg wirkte, kümmert sich nun also seit 1. März als Seelsorger um sein klassisches Klientel: die Gläubigen einer Kirchengemeinde. Kurz vor Weihnachten (15. Dezember) hatte er die Versetzungsnachricht erhalten. Wenig Zeit also, um zum einen die Zelte an liebgewonnener Wirkungsstätte abzubrechen, zum anderen sich auf das künftige Abenteuer vorzubereiten. Auch ein Besuch zu Hause bei der Familie in Mittenwald Anfang des Jahres fiel – auch wegen Corona – eher knapp aus. „Es wird spärlicher“, räumt Emslander ein. Je mehr er in seiner Berufung aufgeht, desto weniger Freizeit bleibt in seinen geliebten Bergen. „Aber im Herzen bin ich immer Mittenwalder.“

Freut sich auf Pasing: Alois Emslander

Nun aber sind erst mal die Pasinger an der Reihe. „Ich möchte möglichst viele Menschen erreichen“, meint Emslander, der vor zwölf Jahren den folgenschweren Entschluss gefasst hatte, den weltlichen Beruf des Bankkaufmanns gegen den geistlichen eines Priesters einzutauschen. Von einem klassischen Spätberufenen kann bei dem Mittenwalder mit heute gerade einmal 36 Jahren allerdings nicht die Rede sein. Der Isartaler verkörpert wie kein anderer den Wunsch in der katholischen Kirche nach Transformation. Kritisch benennt Emslander die heißen Eisen: Skandale sowie Glaubens- und Relevanzverlust. „Ein Prozess, in dem wir drin stecken.“ Für den Seelsorger stellen sich daher zwei Alternativen: Sich entweder ergeben, oder die Herausforderung annehmen.

Die Kirche braucht‘s auch 2021

Pfarrer Alois Emslander

Alois Emslander steht für Variante zwei. „Die Kirche braucht’s auch 2021“ – in Corona-Zeiten vielleicht sogar mehr denn je. Doch der Klerus dürfe sich nicht über die Größe von Kirchen und Pfarrheimen definieren, sondern über die Nähe zu den Menschen. Das ist und bleibt das Credo eines Mittenwalders, der auszog wie einst Jesus und seine Jünger, um die frohe Botschaft zu verkünden.

Nun also ist Emslander in Pasing gelandet. Er geht davon aus, dass er dort mindestens eine Dekade arbeiten darf – es sei denn, dem Münchner Erzbischof fällt etwas anders ein. Doch egal, wo der Seiteneinsteiger aus dem Oberen Isartal auch strandet, er fühlt sich immer am rechten Fleck.

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