Kundgebung im Flockenwirbel: Ein paar wenige hören sich Mannheims Rede im Mittenwalder Martina-Glagow-Park an.
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Kundgebung im Flockenwirbel: Ein paar wenige hören sich Mannheims Rede im Mittenwalder Martina-Glagow-Park an.

Beschränkungen werden kritisiert

Mittenwalder Corona-Demo: Dezente Töne statt Querdenker-Geschrei

  • vonChristof Schnürer
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„Beispiellos und änderungsbedürftig“: Demonstranten kritisieren im Mittenwalder Glagow-Park die Corona-Beschränkungen.

Mittenwald – Die Grablichter im Schnee und die ernsten Gesichter vermitteln das Bild einer Mahnwache. Und irgendwie möchte dieses versprengte Häufchen im Mittenwalder Glagow-Park mahnen. „Ich plädiere für mehr Transparenz und Verhältnismäßigkeit der getroffenen und noch zu treffenden Maßnahmen“, formuliert es der Initiator Michael Mannheim. Die Corona-Pandemie und das eingeschlagene Krisen-Management haben ihn sensibilisiert und politisiert. Und er will seine Zweifel nach außen tragen, paradoxerweise darüber aber nicht viel Aufsehen machen.

So scharte er diesen Monat bereits zum zweiten Mal Gleichgesinnte im verschneiten Park an der Bahnhofstraße um sich – skeptisch beäugt von Passanten und aus sicherer Entfernung beobachtet von der Polizei. Doch die 17 Kundgebungsteilnehmer, die sich diesmal mit Abstand und Maske um 18 Uhr versammelt haben, sind friedlich – kein verstörendes Querdenker-Geschrei hallt durch Mittenwald. Offenbar ganz im Sinne des Initiators. Mannheim, ein gebürtiger Andernacher, der seit 1989 in Mittenwald lebt. Der Elektrotechniker, der bis September 2020 bei einem Industrie-Dienstleister in der Automobil-Industrie in München beschäftigt war, hat sich wegen vielfach strittiger Corona-Richtlinien intensiv mit Verfassungsfragen beschäftigt. „Gemäß den ersten 20 Paragrafen unseres Grundgesetzes sollen die Bürger vor einem übergriffigem Staat geschützt werden.“ Die aktuell geltenden Regeln hinsichtlich Infektionsschutz sind für ihn „die weitreichendsten Einschränkungen in der Geschichte der Bundesrepublik“. Die er nicht gewillt ist, zur Gänze mitzutragen. Mannheims Credo: Es muss Perspektiven für Familien, Kinder und eine freie Impfentscheidung geben. Mit seiner Kampagne möchte er erreichen, dass diverse Maßnahmen zurückgenommen werden. „Keine Masken für Kinder, Familien unterstützen, Ältere schützen und menschenwürdig behandeln und schnelle finanzielle Hilfen für regionale Betriebe, um deren Überleben zu sichern.“

Mannheim und seine Mitstreiter geht es darum, Gesicht zu zeigen und aufzuklären

Eine Meinung, die ganz im Sinne von Thomas Bauer ist, der sich ebenfalls im Glagow-Park unter die überschaubare Schar mischt. Der Restaurant-Fachmann, 46 Jahre alt, beschäftigt sich nach eigener Aussage „schon seit Monaten“ mit den Corona-Konsequenzen. „Ich betrachte einige Regierungsmaßnahmen kritisch und als nicht gerechtfertigt.“ Als Beispiel nennt er das Schließen der Gastronomie und des Einzelhandels. „Dabei hatten diese schlüssige Konzepte vorgelegt und laut Robert-Koch-Institut nachweislich nicht zu den Verbreitern der Pandemie gehört.“ Wichtig für Bauer ist deshalb die Aufklärung der Bevölkerung. „Aber nicht mit Zahlen, die jeder Grundlage entbehren.“ So fragt sich Bauer, „warum bei den Toten nicht genau definiert wird, wer wirklich an Corona gestorben ist“.

Für Mannheim und seine Mitstreiter geht es darum, Gesicht zu zeigen und aufzuklären. „Deshalb sollen sich Bürger lokal austauschen, vernetzen und sich durch Hinterfragen eine eigene Meinung bilden.“ Mannheim zufolge solle die „pandemische Lage nationaler Tragweite“ überprüft und gegebenenfalls aufgehoben werden. „Für mich sind die bisherigen Regierungsmaßnahmen bemerkenswert, beispiellos und änderungsbedürftig.“ Seinen Mitstreitern ruft er zu: „Sucht den persönlichen Kontakt zu Menschen und zur Natur und kommt mit neuen Ideen zur nächsten Versammlung.“ Die soll am 9. Februar stattfinden.

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