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Die Frau dahinter

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Von: Christof Schnürer

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Die zwei halten zusammen: Bürgermeister Enrico Corongiu findet in seiner Gattin Kerstin seit bald einem Vierteljahrhundert einen starken Rückhalt.
Die zwei halten zusammen: Bürgermeister Enrico Corongiu findet in seiner Gattin Kerstin seit bald einem Vierteljahrhundert einen starken Rückhalt. © Peter Kornatz

Helmut ohne Loki, Bill ohne Hillary oder Barack ohne Michelle? Undenkbar! Politiker von Format haben in der Regel eine starke Frau, ein Korrektiv, an ihrer Seite. Im Fall von Mittenwald heißen die zwei Protagonisten Kerstin und Enrico. Seit nunmehr zwei Jahren und 25 Tagen bilden die Corongius nicht nur eine private, sondern zudem eine politische Schicksalsgemeinschaft.

Mittenwald – Es kommt eher selten vor, dass der Bürgermeister bei der Vereidigung die Gemeinderätin küsst. Am 5. Mai 2020 geschieht das – in Mittenwald, in der Schulturnhalle. Rathauschef Enrico Corongiu gibt seiner Gattin Kerstin in der Konstituierenden Sitzung einen dicken Schmatz. Ab diesem Zeitpunkt tragen die beiden nicht nur als Ehepaar Verantwortung für ihre Kinder Viviana (22) und Davide (15), sondern auch als Lokalpolitiker für ganz Mittenwald. Eine extrem seltene Konstellation, die nach etwas über zwei Jahren ein erstes Zwischenfazit erfordert.

Sobald wir privat sind, sind wir gedanklich wenig im Rathaus.

Kerstin Corongiu

Für Enrico Corongiu (43), dessen Vollbart seit Mai 2020 deutlich grauer geworden ist, steht seine Gemahlin nicht hinter ihm. „Sie ist auch links oder rechts – oder vor mir. Auf alle Fälle befindet sie sich stets am richtigen Platz.“ Ein Kompliment der ganz besonderen Art. Das gestresste und gehetzte Gemeindeoberhaupt weiß einfach, was es an seiner Kerstin (40) hat: Die gelernte Friseurin ist für den gelernten Rettungssanitäter „die erste und persönliche Beraterin“ – eine die offen und ehrlich ausspricht, was sie bewegt. „Natürlich hat sich einiges verändert“, räumt die Bürgermeister-Gattin ein. Das sind im Leben der beiden aber nicht umwälzende Dinge, sondern eher unspektakuläre und alltägliche. Beispielsweise die gemeinsamen Mahlzeiten. Die nimmt man nun nicht mehr abends, sondern in der Regel mittags zu Hause ein.

„Sobald wir privat sind, sind wir gedanklich wenig im Rathaus“, berichtet Kerstin Corongiu. Amtsgeheimnisse sind auch für die SPD-Gemeinderätin zu Hause tabu. „Das nehme ich sehr ernst“, unterstreicht der Bürgermeister. „Und das versteht die Kerstin auch.“

Echten Streit bei ihnen gibt es im Grunde gar nicht. Dem widerspricht ihr bodenständiges und bescheidenes Naturell. Auch politisch funkt das bewährte Tandem auf der selben, der roten Wellenlinie.

Zum ersten Mal über den Weg gelaufen sind sich die zwei übrigens 1997 – im Altenheim Phönix: Sie als dortige Praktikantin, er als schneidiger Sani. Sofort fällt ihr der rassige Deutschitaliener ins Auge und geht ihr auch nicht mehr aus dem Kopf. Der gemeinsame Freund Martin Omasreiter, damals Zivi, stellt die beiden einander vor, gibt sozusagen Starthilfe.

Der Rest ist Geschichte. Die zwei werden kurze Zeit später ein Paar, Kerstin wird 1999 mit gerade einmal 17 Jahren zum ersten Mal Mama, 2004 wird geheiratet, 2006 erblickt Sohn Davide das Licht der Welt – und am 12. Mai 2021 werden die Corongius Großeltern. Samuel heißt der kleine Schatz. „Wir sind superhappy“, meint die blutjunge Oma. „Das gibt eine andere Sichtweise.“ Auffallend sei auch der „innige Draht zum Opa“.

Der in der Kommunalpolitik mit einigen Tretminen und Heckenschützen konfrontiert werden wird – spätestens dann wenn im Frühjahr 2026 die nächsten Wahlen anstehen. Kerstin Corongiu wird ihm gerade in dieser Phase wieder Halt geben – als konstruktive Gemeinderätin und Parteifreundin, vor allem aber als liebevolle Frau an seiner Seite.

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