Bekennen Farbe: (v.l.) Ilona Benz, Josef Knilling, Christian Küffler, Sabine Döring und Angelika Edlhuber wollen das aja-Hotel unter allen Umständen verhindern.
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Bekennen Farbe: (v.l.) Ilona Benz, Josef Knilling, Christian Küffler, Sabine Döring und Angelika Edlhuber wollen das aja-Hotel unter allen Umständen verhindern.

Bürgerentscheid unterm Karwendel

Die Ja-Sager: Warum sie gegen das aja-Hotel in Mittenwald sind

  • VonChristof Schnürer
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Lange Zeit haben sie sich eher im Verborgenen gehalten. Jetzt treten die Gegner des aja-Hotels in Mittenwald an die Öffentlichkeit.

Mittenwald – Sie sind gegen das aja-Hotel, deshalb stimmen sie am 24. Oktober beim Bürgerentscheid mit Ja. Klingt paradox, ist es aber nicht. Die Fragestellung auf dem Stimmzettel (siehe Bürgerentscheid/Die Fragestellung) macht’s möglich. Deshalb sind Ilona Benz, Josef Knilling, Christian Küffler, Angelika Edlhuber und Sabine Döring überzeugte Ja-Sager – zumindest bei diesem Politikum, das dieser Tage den Fremdenverkehrsort wieder einmal in zwei Lager spaltet.

Vor einigen Wochen haben Küffler und Co. durch ihre erfolgreiche Unterschriftenaktion einen weiteren Bürgerentscheid erzwungen. Dabei sehen sich die Initiatoren nicht grundsätzlich als Hotelgegner. „Wie wünschen uns eine ,Werdenfelserei‘“, sagt Döring. „Oder ein schönes Boutique-Hotel“, ergänzt Mitstreiterin Edlhuber. Aber nicht auf der gemeindeeigenen Filetfläche zwischen Rathaus und Bahnhof. „Dieses Grundstück gehört allen Mittenwaldern!“, heißt es auf dem Flugblatt der Gegner des aja-Hotels, das diese Woche in Mittenwald per Postwurfsendung verteilt wurde.

Lange Zeit sah es so aus, als würden die Initiatoren des Bürgerbegehrens das Feld den Hotel-Befürwortern überlassen. Man hatte fast den Eindruck, sie scheuten das Licht der Öffentlichkeit. Niemand von ihnen tauchte auf bei der Bürgerversammlung, als Rathauschef Enrico Corongiu (SPD) nochmals explizit zu den Hotelplänen Stellung genommen hatte, noch bei Gemeinderatssitzungen.

Wir wollen nicht dieses tolle Grundstück verscherbeln!“

Josef Knilling

Doch Küffler und seine Mitstreiter waren keineswegs zu Hause auf der Couch gelegen. Sie machten Häuserkampf und Mund-zu-Mund-Propaganda. Ein probates Mittel, wie die Bürgermeister-Stichwahl im März 2020 gezeigt hatte. Doch in der heißen Phase wollen die selbsternannten Ortsbild-Erhalter noch einmal Gas geben. Zuviel steht ihrer Meinung nach auf dem Spiel. „Wir wollen Qualität haben und nicht Masse – aja ist Masse“, stellt Gästehaus-Betreiber Sepp Knilling (Sonnenbichl) klar. Stattdessen ist Qualität wie das künftige „Silva Mountain“ am Latscheneck laut dem ehemaligen Gemeinderat der aufgelösten Bürgerunion gefragt. „Etwas für die Mittenwalder und nicht für Investoren.“ Würde das Gemeindegrundstück an der Bahnhofstraße an ortsfremde Investoren veräußert werden, dann glaubt Christian Küffler die Profiteure zu kennen. „Jeder macht Gewinn mit dem Bunker, nur Mittenwald nicht.“ Knilling formuliert es noch drastischer: „Schnell, schnell, billig, billig: Wir verkaufen Mittenwald an Investoren.“ Für den Sonnenbichl-Chef steht außer Frage: „Wir wollen nicht dieses tolle Grundstück verscherbeln!“

Nicht gut zu sprechen sind die aja-Hotelgegner natürlich auf den Gemeinderat, der bis auf SPD-Frau Ursula Seydel geschlossen für das Millionen-Projekt wirbt. Und der ihrer Meinung nach das kommunale Grundstück für einen Spottpreis hergeben möchte. „Die Gemeinde selbst weiß, dass 200 Euro viel zu wenig sind“, sagt Küffler, dessen Familie neben dem Haus Franziska auch das Sonnenheim besitzt, das pikanterweise in unmittelbarer Nachbarschaft des künftigen aja-Hotels liegt. Eines von dem Strand heute niemand weiß, wie es einmal ausschaut. „Es gibt keine konkrete Planung“, untermauert Ilona Benz. Das nicht, aber eine ungefähre Vorstellung des Flächenverbrauchs. Rund ein Hektar müsste dem Vernehmen nach für das Hotelareal wohl geopfert werden – zirka 1600 Quadratmeter öffentliche Grünfläche voraussichtlich in der Nordwestecke würden übrig bleiben. Doch nicht nur deshalb wettert Küffler gegen dieses Vorhaben. „Es beschweren sich doch jetzt schon Gäste, dass der Ort zu voll ist.“ Wenn künftig noch weitere knapp 400 Betten dazu kämen, müssten einheimische Vermieter noch mehr ums wirtschaftliche Überleben kämpfen. „Wir haben so viele Baustellen, dieses aja-Hotel wird den Ort nicht retten“, findet Küffler. Ganz im Gegenteil: „Das wäre ein Blindverkauf.“

Bürgerentscheid: Die Fragestellung:

„Sind Sie dafür, dass der Grundsatzbeschluss des Gemeinderates vom 18. Mai 2021 zum Verkauf des Grundstücks an der Bahnhofstraße (an einen Investor), um ein Hotelprojekt zu ermöglichen, aufgehoben wird und das Grundstück nicht verkauft wird?

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