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Klarer Standpunkt: Wolfgang Schwind, der ehemalige Skiclub-Vorsitzende, meldet sich auch zu Wort.

Diskussion über Modernisierungspläne

Kranzberg-Studie: Fragen über Fragen

Die Kranzberg-Studie beschäftigt die Mittenwalder mehr denn je. Bei einem Informationsabend des CSU-Ortsverbands äußerten Besucher sowohl Anregungen als auch Bedenken.

Mittenwald Das Thema brennt unter den Nägeln: Wie soll’s auf dem Kranzberg, Mittenwalds Wander- und Erholungsgebiet schlechthin, weitergehen? Eine gleichnamige, von der Gemeinde in Auftrag gegebene und im September präsentierte Studie gibt darauf Antworten. Doch die schmecken nicht jedem im Ort. Immerhin würde das Herzstück der 25-Millionen-Euro-Offensive – eine Seilbahn mit Acht- bis Zehn-Personen-Kabinen – einen massiven Eingriff in die Natur bedeuten.

Zeit zu reden, bevor irgendein Unsinn an den Stammtischen verzapft wird, dachte sich wohl CSU-Ortsvorsitzender Rudi Haller, der namens seiner Partei zu einem Info-Abend ins „Lokal“ im Bahnhof eingeladen hatte. „Uns war es wichtig, dass sich die Bürger persönlich ein Bild machen können“, verdeutlichte der 58-Jährige vor immerhin 60 Zuhörern. „Denn nur wer sein Ziel kennt, findet auch einen Weg.“

Für Hallers Parteifreund, Bürgermeister Adolf Hornsteiner, bedeutet die Kranzberg-Modernisierung neben Pflichtaufgaben wie Barrierefreiheit oder Hochwasser- und Lawinenschutz eine echte Herausforderung – in vielerlei Hinsicht. „Nicht schneller, höher weiter“, betonte der Rathauschef, „sondern weniger ist mehr“. Mit anderen Worten: ein moderater Ausbau in sensiblem Umfeld. Mindestens genauso diffizil sind die Verhandlungen mit den rund 60 betroffenen Grundstücksbesitzern. Einen ersten Vorgeschmack gab’s vor einigen Wochen. Dem Vernehmen nach soll Runde eins vergleichsweise ruhig, um nicht zu sagen, verheißungsvoll vonstatten gegangen sein.

Positive Signale will Hornsteiner auch bei den übergeordneten Stellen in München vernommen haben – und das trotz restriktiver Naturschutzvorgaben. „Der Entwicklungsspielraum ist durch FFH-Flächen eng gesteckt“, meinte Hornsteiner, „aber im Umweltministerium bin ich auf offene Ohren gestoßen“.

Unterstützung erhält der Bürgermeister von Gemeindewerkschef Matthias Pöll. Der bürgernahe Diskurs, der im September nach der Präsentation angestoßen wurde, hat für ihn nur Vorteile. „Denn wenn unsere Planungen abgelehnt werden, haben wir der Öffentlichkeit wenigstens die Fakten präsentiert.“

In der anschließenden Diskussion gab’s von den Zuhörern viele Fragen. Hans Neuner (Noderschuster) wollte beispielsweise wissen, wie die Skilift-Familie Wurmer in das Projekt eingebunden ist und wie der prognostizierte Jahresumsatz von 2,95 Millionen Euro errechnet wurde. „Die Familie Wurmer kann so lange bleiben, wie es Sinn macht“, antwortete Pöll. Zum Thema Geld sagte er: „Die Besucherzahlen wurden mit aktuellen Frequenzen bei der Rosshütte verglichen.“

Klaus Tappe wiederum hatte eine Frage zum kalkulierten Defizit der neuen Anlage in Höhe von 125 000 Euro. Hierzu entgegnete der Bürgermeister zum wiederholten Male: „Der Betrieb der in die Jahre gekommenen Sesselbahn kostet uns 100 000 Euro, deshalb fallen nur 25 000 Mehrausgaben an.“ Martina Nissen-Gaupp vom Skiclub hakte nach, ob die bestehenden Gastronomiebetriebe auf dem Kranzberg eingebunden werden. Hierbei hofft Hornsteiner bei entsprechender Gäste-Frequenz auf Eigeninitiative und Investitionsbereitschaft von Seiten der betroffenen Wirtsleute. Könnten sich nicht auch die Alpenwelt-Partnergemeinden Krün und Wallgau an dem Projekt beteiligen? Diese Frage von Günter Götz ließ der Rathauschef wohlweislich offen. Dies müsse jeder Ort für sich selbst entscheiden. Doch das Beispiel Hallenbad hat bereits gezeigt, dass sich ein finanzielles Engagement vermutlich in Grenzen halten wird. Ebenso illusorisch hält der Bürgermeister Peppi Fütterers Vorschlag, zur Sommerauslastung Mountainbike-Trials und an der Talstation einen Klettergarten anzubieten. „Im Naturschutzgebiet ist dies derzeit nicht machbar.“ Obendrein müssten die Grundstückseigentümer mit einer solchen Nutzung einverstanden sein.

Der ehemalige Weltklasse-Skirennläufer Max Rieger wiederum regte an, bei der Pistenplanung erfahrene, einheimische Fachleute mit einzubeziehen. Im selben Atemzug schlug er vor: „Wenn man die Mittelstation weiter nach oben versetzt, könnte ein Lift eingespart werden.“

Eine Lanze für den Ausbau brach Wolfgang Schwind. „Unser Kranzberg hat im Winter ein Alleinstellungsmerkmal als Familienski- und im Sommer als Wandergebiet“, unterstrich der ehemalige SCM-Vorsitzende. „Wenn geschickt erweitert wird und die Matadore vor Ort eingebunden werden, dann wäre vieles machbar.“ Dem nicht minder alpin versierten Heinz Mohr schwebt in diesem Zusammenhang, wie in Tirol praktiziert, vor, mehr an einer Gemeinschaft im Oberen Isartal zu arbeiten. „Dann wäre es möglich, durch marginale Veränderungen an Pisten und Liften ein attraktives Familien-Skigebiet mit Alleinstellungsmerkmal anzubieten.“

Soviel Diskussionsbereitschaft freute den Bürgermeister. Er versprach am Ende der Versammlung: „Der Markt ist bereit, Ihre Ideen anzunehmen.“

Wolfgang Kunz

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