Drei Mittenwalder Schandis in besonderer EM-Mission

Mittenwald/Innsbruck - Normalerweise verrichten die drei ihren Dienst in der Mittenwalder Polizei-Inspektion. Jetzt durften Dieter Schermak, Christoph Stiller und Rainer Biebel als Betreuungsbeamte zur EM.

In der Mittenwalder Polizei-Dienststelle gelten die drei als echte Fußball-Fans - Christoph Stiller (53 Jahre), Dieter Schermak (50) und Rainer Biebel (45). Nun erhielt die "Franken-Connection" einen Auftrag so ganz nach ihrem Geschmack. Das Schandi-Trio hatte sich nämlich im Namen der Bayerischen Polizei-Gewerkschaft freiwillig für eine unbezahlte Sonderschicht in Innsbruck gemeldet. Dort fanden bis Mittwoch bekanntlich einige Vorrundenspiele der Fußball-Europameisterschaft statt. Und wo Fans sind, da sind auch Sicherheitskräfte. Vor und während der Partie Schweden gegen Russland standen vorgestern 1800 Polizisten, 240 Feuerwehrmänner, 900 Sanitäter, 200 Soldaten des österreichischen Bundesheeres und 60 Notärzte für den Fall der Fälle parat.

Mitten unter ihnen auch die drei Mittenwalder Ordnungshüter. Sie betreuten dort rund 60 Kollegen von der Bereitschaftspolizei Dachau. "Egal wo sie waren, wir kümmerten uns um sie", erzählt Dieter Schermak.

Der erfahrene Beamte konnte in seinen jungen Jahren von so einem Service nur Träumen. Als in den 1970ern der sowjetische Staats- und Parteichef Leonid I. Breschnew mit seinem Tross in Bonn anrückte, musste der Mann vom Bundesgrenzschutz in einer belgischen Kaserne hausen. "Überall war Schimmel, und es wimmelte nur so von Ratten."

Nicht zuletzt solche Erlebnisse ließen Schermak zu einem glühenden Gewerkschafter werden. Die nachkommenden Polizei-Generationen sollten nicht mit derlei indiskutablen Zuständen konfrontiert werden.

Deshalb war er mit dem Kriminaler Stiller und bei den vorherigen EM-Partien (Spanien gegen Russland, Spanien gegen Schweden) mit seinem Mittenwalder Kollegen Biebel als Betreuer für die bayerischen Einheiten in sozialer Mission vor Ort. "Kompliment an die Österreicher, alles hat reibungslos geklappt, die Jungs wurden hervorragend versorgt", so Schermak.

Sensationell sei auch die Stimmung unter den Anhängern gewesen - ob auf der Fanmeile in der Innenstadt, beim Public Viewing im Berg-Isel-Stadion oder im weiten Rund der Tivoli-Arena. Dort hatten vorgestern Schermak und Stiller in der Einsatzzentrale hoch über den Rängen eine fantastische Sicht aufs Spielfeld. "Das war schon gigantisch", schwärmt Schermak, "und Randale hat es auch keine gegeben". Alles war ausnehmend friedlich - von den obligatorischen Alkoholleichen mal abgesehen.

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