Wirtin Karin Bellini steht in ihrem Lokal „Bellini - il ristorantino“  in Mittenwald.
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Ein Lokal, keine Gäste: Karin Bellini sehnt den Tag herbei, an dem sie und ihr Mann Fabrizio ihr „Ristorantino“ endlich wieder öffnen können.

Wirtsleute setzen weiter auf Prinzip Hoffnung

Gastronomie in Mittenwald: Durchhalten, was sonst

  • vonChristof Schnürer
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Es eint sie alle: Die Hoffnung auf Signale aus der Politik und auf ein rasches Ende der staatlich verordneten Zwangspause. Noch müssen sich die Wirtsleute aber in Geduld üben.

Mittenwald – Es ist klein, aber fein: Im Grunde fehlt im „Bellini – il Ristorantino“ nur eines: Kundschaft. Keiner bedauert das mehr als Karin Bellini. „Mir fehlen unsere Gäste.“ 27 Jahre führten sie und ihr Mann Fabrizio das „Da Mamma Lucia“ im Untermarkt. Dann verkauften die beiden die gut gehende Gaststätte, um ihre italienischen Spezialitäten im kleineren Rahmen schmackhaft zu machen.

Im ehemaligen Lokal „Zum Nachtwächter“ fanden die zwei genau das, wonach sie suchten. Im November 2019 eröffneten sie ihr „Bellini“. „Drei Monate später kam Corona“ – und der erste Lockdown. Seit Anfang November ist ihre Gaststätte schon wieder geschlossen. „Erneut ging’s von 1000 auf null runter“, beschreibt die Wirtin ihre Gefühlslage. Einen mittleren fünfstelligen Betrag haben die Bellinis in die Sanierung ihres Lokals gesteckt. Jetzt überleben sie dank der staatlichen Sondermittel (75 Prozent des monatlichen Netto-Umsatzes) und eines Abholservices – so geht es eben geht. „Wir dürfen uns nicht beklagen“, betont die Unternehmerin. Im Gegenteil: „Wir freuen uns, wie toll die Mittenwalder zu uns stehen.“ Sprich: Solidarität zeigen und Essen „to go“ bestellen.

Ich brauche Ziele und Struktur.

Sterne-Koch Andreas Hillejan

Kreativität ist in Lockdown-Zeiten gefragt – bei allen Gastronomie-Betrieben in Mittenwald, die alle von Existenzängsten geplagt werden und die die Hoffnung auf ein baldiges Ende ihrer Leidenszeit eint. Doch Andreas Hillejan sieht trotz allen Zweckoptimismus’ die Sache nüchtern. „Gedanklich habe ich mich davon verabschiedet, dass wir an Ostern wieder Tourismus haben.“ Momentan hält sich der Sternekoch mit seinem „Take-away“-Angebot (Freitag und Samstag) über Wasser. Die warmen Gerichte zaubert er mit seinen zwei Azubis. Das restliche Personal ist in Kurzarbeit. Spitzenkraft Hillejan vermisst seinen gewohnten Alltag. „Ich brauche Ziele und Struktur.“

Wie er sehnt auch Matthias Witting das Ende der staatlich verordneten Zwangspause herbei. „Ich hoffe sehr, dass es bald weitergeht“, meint der „Zode“, der 2010 den Gasthof Römerschanz für viel Geld gekauft und in ein Schmuckkästchen verwandelt hat. „Ich habe sehr, sehr viel investiert.“ Umso wichtiger also, dass bald wieder Bares zurückfließt.

Im Hotel Post – mit Lehrlingen 39 Angestellte – halten Chefin Gudrun Rademacher, zwei Mitarbeiter (Rezeption/Buchhaltung) sowie der Hausmeister die Stellung. „Wir kämpfen uns da durch“, meint Rademacher entschlossen. Was sie sich wünscht? „Einfach nur Klarheit, aber solange die Politik einfach nur rum eiert, macht das jeden unsicher und unzufrieden.“ Die Postchefin fordert daher „eindeutige und vorausschauende bundesweite Maßnahmen“. Dann fällt in der Gastro-Branche das Durchhalten etwas leichter.

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