Gestern ging’s: Ansonsten ist auch auf der viel frequentierten Mittenwalder Bahnhofstraße viel Verkehr.
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Gestern ging’s: Ansonsten ist auch auf der viel frequentierten Mittenwalder Bahnhofstraße viel Verkehr.

Er ist aus der Hochstraßen-Debatte heraus gegründet worden

Verkehrsdruck in Mittenwald: Ein Arbeitskreis soll’s richten

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Der Verkehr in Mittenwald belastet Anwohner seit langem. Verschärft wurde die Situation durch den Ansturm an Tagestouristen im vergangenen Jahr. In Kürze tritt der neue Arbeitskreis zum zweiten Mal zusammen, um ein Konzept auszuarbeiten.

Mittenwald – Ein Hamburger steigt am Bahnhof Altona in den Zug ein und kommt in Mittenwald an. Dort nimmt der Isartal-Urlauber den Bus nach Krün oder mietet sich eines von fünf elektrischen Autos, die bereits parat stehen. Alles umweltfreundlich, ohne Stau oder lange Parkplatzsuche. Das wäre für Bürgermeister Enrico Corongiu (SPD) ein Traum. So soll für ihn der Verkehr der Zukunft aussehen: Die Autos raus aus den Ortskern bringen. Dem Gast einen Anreiz geben, erst gar nicht mit dem eigenen Fahrzeug anzureisen. Den Urlauber auf die Schiene oder in den Bus bringen.

Der Plan ist in Mittenwald nicht neu. Doch bekam dieses heikle Thema durch die Hochstraßen-Debatte im Vorjahr eine neue Dynamik. Bekanntlich hat der Gemeinderat die Strecke dort für den Verkehr tagsüber gesperrt. Gastronomen konnten dadurch ihre Schankfläche erweitern. Doch folgte darauf eine Kettenreaktion: Sperrt man den Verkehr an einem Ort aus, kommt er anderswo vermehrt vor. Plötzlich fuhren die Autos am Lauterseefeld oder an der Goethestraße entlang. Da der Ansturm an Tagestouristen corona-bedingt zusätzlich zugenommen hat, erhöhte sich der Verkehrsdruck noch mehr.

Er ist auch über die Herbst- und Wintermonate nicht geringer geworden. Die meisten Parkplätze in und um Mittenwald sind nicht nur am Wochenende, sondern auch an den Werktagen voll. Sei es am Kranzberg, Schmalensee oder innerorts.

Nun soll fraktionsübergreifend ein Arbeitskreis mit Mitgliedern aus dem Gemeinderat ein Vorab-Konzept für den gesamten Ort ausarbeiten. Einmal kam die Gruppe bereits zusammen. Ein zweites Treffen im Dezember war aus Corona-Gründen nicht möglich. Nun will das Gremium im neuen Jahr anpacken. Es überlegt, wie ein vernünftiges Verkehrskonzept aussehen könnte. Will eine rote Linie ausmachen. Die Ergebnisse gehen dann an ein externes Planungsbüro. Dieses eruiert, wer für den Verkehr verantwortlich ist. Die Experten analysieren nicht nur den Strom an Urlaubern und Tagestouristen, sondern auch den der Einheimischen. Warum und wann der Mittenwalder mit seinem Auto von A nach B fährt. Welche Straßen sind am meisten belastet, und gibt es Alternativen?

All diese Fragen seien die „Zukunftsaufgabe einer Kommune“, unterstreicht Corongiu. Doch weiß er auch, dass diese Aufgabe „ein enormes Ausmaß hat“. Denn das Ziel ist mannigfaltig. Mittenwald-Urlauber sollen künftig mit Zug oder Bus anreisen statt mit dem Auto. Doch ist das leichter gesagt, als getan. „Das geht nicht von heute auf morgen.“

Deshalb will die Marktgemeinde klein anfangen, bis ein großräumiges, intelligentes Parkraum-Management entsteht. Stellflächen könnten geschickt kostenpflichtig gemacht werden. „Das könnte eine gewisse Lenkwirkung haben, wenn Parkplätze beispielsweise im Außenbereich günstiger als im Ortskern sind.“

Auch ein Parkleitsystem mit Schildern – ähnlich wie in Garmisch-Partenkirchen –wäre denkbar. Damit könnten Parkplatzsucher rechtzeitig von neuralgisch überfüllten Plätzen umgeleitet werden. „Damit würden wir die Situation entzerren.“

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