Explosionen sind sein Leben: Arno Bade begutacht nach der Sprengung den pulverisierten Felsen am Latscheneck.
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Explosionen sind sein Leben: Arno Bade begutacht nach der Sprengung den pulverisierten Felsen am Latscheneck.

10.000 Kubikmeter Fels müssen weg

Explosive Arbeiten am Mittenwalder Latscheneck: Arno Bade hat echten Bombenjob

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Kein Fels ist vor ihm sicher: Am Montag hat Sprengmeister Arno Bade zum ersten Mal Dynamit am Latscheneck hochgehen lassen. In gut zwei Wochen soll der 10 000 Kubikmeter große Fels, der bislang die Bauarbeiten für das Berghotel Silva Mountain behindert, verschwunden sein. Das Tagblatt war bei der Testsprengung dabei.

Mittenwald – Es trötet einmal lang, dann zweimal kurz. Alle gehen in Deckung. Warten auf den großen Knall. Die Stille ist förmlich spürbar. Sie drückt auf die Ohren. Sekunden ziehen sich in die Länge. Alle Blicke sind auf die Sprengmatten gerichtet. Was wird gleich zu sehen sein? Eine hollywoodreife Explosion? Oder nur ein kleiner „Rums“? Für die anwesenden Laien ist das schwer zu sagen. Nur Sprengmeister Arno Bade und seine beiden Mitarbeiter wissen, was gleich passieren wird.

Bade hat am Montagnachmittag die erste Probesprengung am Mittenwalder Latscheneck vollzogen. Mit 150 Kilogramm Dynamit hat er die ersten 400 Kubikmeter Gestein pulverisiert. Bleiben noch 9600 Kubikmeter übrig, um genug Platz für den Rohbau des geplanten Vier-Sterne-Superior-Berghotels Silva Mountain schaffen zu können. Das Gestein im Boden ist im Weg (wir berichteten).

Wenn ich komme, ist kein Fels sicher vor mir.

Sprengmeister Arno Bade

Nun kniet der Geschäftsführer von „Sprengtechnik Allgäu“ neben Ulrich Franzky. Der Investor darf den „roten Knopf“ für die erste Sprengung auf seinem künftigen Hotelgelände drücken. Er dreht an einer Kurbel, lädt damit den Zünder.

Zufrieden mit dem Wumms sind Ulrich Franzky (l.) und Bernd Bortenlänger (Projektsteuerer).

Um 15.42 Uhr passiert es. Die Sprengstoffmatten heben sich. Kleine Steine fliegen durch die Luft. Wie eine Blase wölbt sich der Boden. Es donnert. Ein markerschütterndes Grollen folgt. Der Boden zittert. Die Container vibrieren. Dann folgt Totenstille, bis ein bestens gelaunter Arno Bade zur Sprengstelle läuft. Er lächelt, steigt auf den Haufen kieselsteingroßer Felspartikel, nimmt einen in die Hand, zerbröselt ihn fröhlich. „Mei is des schee, wenn’s so gut funktioniert“, sagt der Allgäuer. Die Probesprengung – ein voller Erfolg. 400 Kubikmeter Kalk sind zertrümmert. Sofort macht sich der Baggerfahrer – Wallgaus ehemaliger Bürgermeister Hansjörg Zahler – ans Werk und trägt den pulverisierten Fels ab. Währenddessen analysiert Bade sein Werk. „Perfekt. Dieser Kalk ist leicht zu sprengen.“

Das ganze Areal hier oben ist Sperrgebiet. Es herrscht akute Lebensgefahr.

Sprengmeister Arno Bade

Bis zu diesem explosiven Höhepunkt sind viele Stunden Arbeit nötig. Um 11 Uhr vormittags bohren Bades Mitarbeiter Löcher in den Fels. Vier Meter tief, ummantelt von zehn Zentimeter dicken Kunststoffrohren. Bade steht vor der Öffnung. 7,5 Kilogramm Sprengstoff hat er in der Hand. Mit Zünddrähten verbindet er das Dynamit. Die Kabel sind so dick wie Spaghetti. In 20 Löchern verteilt er insgesamt 150 Kilogramm im inneren des Felsens. 2,50 Meter Abstand reichen, um dem Gestein Herr zu werden. „Wenn ich komme, ist kein Fels sicher vor mir“, sagt er schmunzelnd.

Sicherheit geht vor: Arbeiter legen eineinhalb Tonnen schwere Sprengmatten über die Dynamitlöcher.

Das Dynamit ist im Boden, die Zündkabel verlegt, und die Sprengmatten – 1,5 tonnenschwere zerschnittene Lkw-Reifen – decken die Löcher ab. Bade überprüft den Stromkreislauf der Drähte. Erst wenn dieser geschlossen ist, funktioniert die Zündung. „Irgendwo hat sich das Kabel gelöst“, sagt der Sprengmeister. Die Suche beginnt. Bade geht mit seinen Mitarbeitern den neuralgischen Bereich ab. Der Fehler ist nach wenigen Minuten gefunden. Beim Auflegen der Matten hat sich die Zündschnur von einer anderen gelöst. Ein kleiner Handgriff, und die Ladung ist wieder scharf. Um 15.42 Uhr zerreißt die Explosion die Luft. Fast in ganz Mittenwald sind die Signaltröten und die Sprengung zu hören.

Testlauf bringt wichtige Erkenntnisse

Aus dem Testlauf zieht Bade wichtige Erkenntnisse. Wie geht’s dem Nachbarhaus zum Beispiel? „Alles gut“, bestätigt er. Es haben sich keine Fliesen von der Wand gelöst. Keine Mauer hat Sprünge bekommen. „So können wir weitermachen.“

Täglich ab sieben Uhr arbeiten er und seine Mitstreiter an den nächsten Explosionen. Zwei- bis dreimal täglich fliegt am Latscheneck der Berg in die Luft. Insgesamt verpulvert Bade an rund zehn Tagen rund vier Tonnen Sprengstoff. Schaulustige haben an der Baustelle im Kaffeefeld während dieser Zeit nichts zu suchen. „Das ganze Areal hier oben ist Sperrgebiet“, sagt Bade. „Es herrscht akute Lebensgefahr.“

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