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Geschichten und Gesichter

Ein Spaziergang über den Bozner Markt 

Der Bozner Markt verbindet – ob in der Weinschänke oder am Würstlstand. Friedliche Geselligkeit und ausgelassene Stimmung prägen die achte Auflage des publikumsträchtigen Historienspektakels.

Mittenwald – Wer am Mittenwalder Bahnhof kurz nach 13 Uhr einen Parkplatz ergattern möchte, muss ein klein wenig Dusel haben. Ein Auto reiht sich dort ans andere. An den wenigsten prangen GAP-Kennzeichen. Wenn Bozner Markt ist, strömen die Massen von überall her. „Der Ort ist voll“, meint Sabrina Blandau. Und die Geschäftsführerin der Alpenwelt-Karwendel-GmbH spielt damit nicht auf den Alkoholpegel an. Wobei es am Auftaktwochenende schon einige Weinleichen gegeben haben soll.

Auf jeden Fall pulsiert bei der achten Auflage des Historienspektakels das Leben in Mittenwald. Die meisten Häuser sind ausgebucht. „Zumindest können wir über unser System nichts mehr anbieten“, verdeutlicht Blandau, die zudem „wahnsinnig viele Tagesausflüger“ registriert haben will. Die Tourismuschefin und ihre Stellvertreterin Judith Fidler waren am Montag bei Kaiserwetter wieder gefragte Personen. Ein Kamerateam des Bayerischen Rundfunks bat zwecks Vorgespräch für eine Live-Schaltung zum Vorgespräch. Mittenwald in aller Munde. Und da braucht’s gute Verkäuferinnen. Wobei der Bozner Markt nach 30 Jahren Erfolgsgeschichte in Sachen Werbung schon ein Selbstläufer ist. Und passt das Wetter, dann ist schon am Nachmittag mächtig was los im Obermarkt und in der Hochstraße.

Zufriedene Mitwirkende

Ein lauschiges Platzerl ist beispielsweise die Schützenschänke im Schreyögg-Haus. Dort hat Josef Schandl (40) die Rolle des Wirts übernommen. „Am Sonntag war’s schlecht“, meint der Stuckn-Seppi, „heute passt’s“. Dabei plaudert der ehemalige Fingerhakel-Champion auch ein bisserl aus dem Nähkästchen. Am Auftakttag soll’s einem Schützenkameraden gar nicht gut gegangen sein. Der Schandl Sepp drückt es mit einem verschmitzten Lächeln so aus: „Also wenn alle so einen Durst hätten wie unser Hauptmann, dann machen wir ein Bombengeschäft.“

Über mangelnden Zuspruch können sich Katharina Fischer und Helmut Hornsteiner (Ziägl) nicht beklagen. In ihrem kleinen, dampfigen Stand beim Fasl-Beck bruzzeln sie Nürnberger Rostbratwürste – im Akkord. „An die 4500 werden wir schon verkauft haben“, glaubt Fischer und legt einer Kundin schon das nächste Exemplar auf die Semmel. Derweil huscht Josef Zunterer junior vorbei. Der Mittenwalder ist auf dem Sprung in die elterliche Alpenrose zum Kochen. Dann geht’s wieder in die Rottschänke zum Arbeiten. Der „Oimroasa“ nimmt’s sportlich. „Der Weg zur ersten Million ist hart.“

Beim Bozner Markt gegen die Uhren anders

Ein spaßiger Bursche ist auch Max Trommsdorff. Mit Dreadlocks, Rauschebart und freiem Oberkörper wartet er mit seinen zwei Buben in der Postschänke auf seine Schwammerlsuppe. Einige Stunden später steht der Jack-Sparrow-Verschnitt wieder mit Banduroszka auf der Bühne und unterhält mit „akustischem Mittelalter-Pop“, so nennt der 35-Jährige Paradiesvogel den Stil der Gruppe, die sich aus drei Hamburgern, vier Freiburgern und zwei Mittenwaldern zusammensetzt. Vor fünf Jahren reiste Trommsdorff mit seiner Familie zum Bozner Markt im Pferdewagen an. „Diesmal sind wir mit der Deutschen Bahn gefahren.“ Als er das sagt, findet es der Mittelalter-Rocker irgendwie wohl selbst langweilig. Mit Stirnband und Nasenring sieht er echt verwegen aus. Kaum zu glauben, dass er im wahren Leben Volkswirt am Fraunhofer-Institut in Freiburg ist. Doch ist Marktwoche, gehen die Uhren anders – gerade in Sachen Optik.

Das gilt auch für Christopher Leyrer, der mit seinen 15 Stammtischfreunden die ehemalige Disco Blacky in ein mittelalterliches Kellergewölbe verwandelt hat. Bei sommerlicher Bullenhitze sind schon die Stufen dort hinunter angenehm kühl. 100 Sitz- und 80 Stehplätze locken vor allem abends in die Wolfshöhle – Ausschankschluss ist erst um Mitternacht. „3000 Arbeitsstunden stecken hier drin“, meint Leyrer. „Wir sind nur mit Privatgeld in Vorleistung gegangen.“ Das Ziel von Leyrer: „Mit Null rauskommen, und vielleicht ist ja noch ein bisserl Geld für einen Ausflug übrig.“

Und raus geht es wieder in die Schwüle der Marktstraße. Auf der gegenüberliegenden Seite wartet etwas ganz Feines. Die fesche Cristina Ostler und Nikolaus Veit bieten an ihrem Stand Marzipan-Leckereien an. Süßes bei Sonne? „Na klar“, sagt Ostler und strahlt übers ganze Gesicht. „Das schreckt die Leut’ nicht ab – Gott sei Dank.“ Das Marcusbrot, das sie einem Kunden reicht, ist in der Tat sündhaft gut. Es macht allerdings auch durstig. Aber beim Bozner Markt mit seinen 14 Schänken kann da ja schnell Abhilfe geschaffen werden.

Christof Schnürer

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