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Beim Votum bei der Minderheit: Enrico Corongiu.

Ein Mittenwalder beim Parteitag 

SPD-Delegierter Corongiu bleibt beim Nein – und verliert

Die Bundesrepublik steuert nach dem knappen Votum der SPD auf eine weitere GroKo zu. Ein Delegierter aus Mittenwald wollte das am Sonntag auf dem Parteitag in Bonn verhindern.

Bonn/Mittenwald – Prominente Sozialdemokraten wie Parteichef Martin Schulz oder Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles konnten Enrico Corongiu (39) nicht überzeugen: Der Delegierte aus Mittenwald blieb am Sonntag beim Parteitag in Bonn bei seinem Nein zur GroKo. Er war einer von 279 – zu wenig, um Koalitionsverhandlungen mit der Union zu verhindern. 362 (56,4 Prozent) votierten für eine Neuauflage der ungeliebten Großen Koalition.

„Eine demokratische Entscheidung, die ich akzeptieren werde“, sagte Corongiu, nachdem er das World-Conference-Center mit gemischten Gefühlen verlassen hatte. Ein spannender Ausflug in die große Politik ging für den Mittenwalder SPD-Ortsvorsitzenden und Gemeinderat kurz vor 17 Uhr mit einem aus seiner Sicht enttäuschenden Resultat zu Ende.

Ein stressiges Wochenende liegt hinter dem Vertreter des Landkreises Garmisch-Partenkirchen. Nach einer mehrstündigen Autofahrt erreichen er und die Weilheimer SPD-Geschäftsstellenleiterin Hannelore Baur am Samstagabend gegen 20 Uhr die ehemalige Bundeshauptstadt am Rhein. Neben einer Reihe von oberbayerischen und fränkischen Delegierten beziehen sie das Derag Livinghotel Kanzler an der Adenauer-Allee. Es folgen ein Abendessen und angeregte Gespräche unter Genossen – natürlich zum Thema GroKo ja oder nein?

„Man konnte die ganze Zeit über nicht deuten, ob es eine Zustimmung oder eine Ablehnung gibt“, berichtet Corongiu von lebhaften Diskussion zur allesentscheidenden Frage. Diese gab’s selbstverständlich auch tags darauf beim Parteitag. Dieser beginnt für den Mittenwalder um 9.30 Uhr mit einer Tagung der bayerischen Landesdelegation. Von einer Weisung von oben, wie oftmals kolportiert, kann nicht die Rede sein. „Auf uns wurde kein Druck ausgeübt“, versichert Corongiu, der im Plenum dann in den hinteren Reihen Platz nehmen muss. „Ich habe zu lange im Foyer mit Parteifreunden geratscht“, gesteht der Mittenwalder. Als er die Halle betritt, sind die Stühle im vorderen Drittel längst besetzt. Doch auch etwas weiter vom Rednerpult entfernt kann Corongiu sehr gut hören, welche Argumente vorgebracht werden. Viele der GroKo-Befürworter überzeugen ihn nicht. Den Worten von Juso-Vorsitzendem Kevin Kühnert, einem erbitterten Gegner der schwarz-roten Polit-Hochzeit, indes kann der Mittenwalder vorbehaltlos zustimmen.

Doch am Ende setzt sich die Parteispitze durch. Zu hart möchte Corongiu mit Chefstrategen Schulz nicht ins Gericht gehen: „Er hat das Land im Kopf.“

Christof Schnürer

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