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Gefangen im Schnee: Junges Paar unterschätzt winterliche Verhältnisse im Karwendel - Nächtliche Rettungsaktion

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Von: Josef Hornsteiner

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Im Karwendel hat ein junges Paar die winterlichen Verhältnisse unterschätzt und musste von der Bergwacht gerettet werden.
Im Karwendel hat ein junges Paar die winterlichen Verhältnisse unterschätzt und musste von der Bergwacht gerettet werden. © Bergwacht Mittenwald

Ein junges Paar aus München unterschätzt winterliche Verhältnisse auf dem Karwendel. Die Kameraden der Bergwacht Mittenwald müssen die Bergsteiger in der Nacht retten.

Mittenwald – Sie kommen weder vor noch zurück. Zwei Bergsteiger aus München stehen auf einem Felsvorsprung und können nicht mehr weiter. Die Dunkelheit bricht herein. Es hat ein paar Grad über Null. Es liegt teilweise brusthoher Schnee. Die Kristalle sind abgerundet. Jeder Schritt auf der weißen Decke wirkt wie auf einem Kugellager. Geht das Paar weiter, wird’s gefährlich. So greift der Mann zum Telefon. Um 17.37 Uhr geht der Piepser der Mittenwalder Bergretter.

Karwendel: Bergsteiger aus München kommen in Dunkelheit nicht mehr weiter

Es ist zurzeit wenig los im Gebirge. Der November gilt erfahrungsgemäß als ruhiger Monat für die Ehrenamtlichen. Doch versuchen momentan dennoch einige, Routen zu steigen, die bei den teils schon winterlichen Verhältnissen und dem frühen Einbruch der Dunkelheit gefährlich werden können. Bereitschaftsleiter Heinz Pfeffer bittet deshalb eindringlich, die Bedingungen und die Zeitplanung vor einer Tour sehr gut zu planen und realistisch einzuschätzen. Denn nicht jeder kann so viel Glück haben wie die beiden Verstiegenen am Freitagabend.

Paar verschanzt sich im Karwendelgebirge - Letzter Ausweg ist die Bergwacht

Gut 600 Meter Luftlinie von der Linderspitze (2372 Höhenmeter) im Karwendelgebirge hat sich das Paar verschanzt. Es ist gut ausgerüstet. Die zwei sind erfahrene Bergsteiger und hatten ihre Tour auch früh begonnen. Ihren Angaben zufolge sind sie bereits um 5 Uhr morgens aufgestiegen, um über den Gerber-Südwestgrat auf den Mittenwalder Klettersteig zur Bergstation zu gehen, um von dort aus übers Dammkar ins Tal zu gelangen. Doch kamen sie wegen des Schnees schlechter voran als gedacht. Als es gegen 17 Uhr dunkel wird, trauen sie sich nicht mehr weiter. Ihr letzter Ausweg ist die Bergwacht.

Ein Hubschrauber für einen Nachteinsatz ist auf die Schnelle nicht greifbar, stellt Einsatzleiter Alois Ostler fest. Zum Glück reagiert die Karwendelbahn schnell. Drei Mitarbeiter – darunter Betriebsleiter und Schaffner – nehmen die wegen Revision geschlossene Seilbahn sofort in Betrieb. Gegen 18.30 Uhr ist die erste Einsatzgruppe mit acht Helfern an der Bergstation. Eine zweite Mannschaft folgt umgehend.

Münchner versteigen sich: Karwendelbahn-Mitarbeiter ermöglichen flotte Rettung

Gut eine Stunde lang kämpfen sich die Einsatzkräfte über den Klettersteig bis zu den Verstiegenen durch. Diese machen mit einem roten Signallicht auf sich aufmerksam. Die Alpinisten bauen eine lückenlose Seilversicherung über 400 Meter Länge auf, um sich zu schützen und das Paar sicher zur Bergstation zu begleiten. Beide Kletterer sind in einem guten gesundheitlichen Zustand. Sie sind weder unterkühlt noch verletzt. Zum Glück: So müssen sie lediglich zur Kabine begleitet werden.

Die Karwendelbahn-Mitarbeiter warten währenddessen geduldig und müssen im Anschluss mehrmals fahren, um Bergsteiger, Bergwachtmänner und die schwere Ausrüstung zurück ins Tal zu befördern. Um 23.30 Uhr ist Feierabend, das Paar gerettet, ein weiterer Einsatz in diesem Jahr erfolgreich abgeschlossen. Die intensive Ausbildung der Bereitschaftsmitglieder hat sich erneut bezahlt gemacht. „Wir üben solche Einsätze mit überschlagendem Gehen regelmäßig“, sagt Ostler in dem Wissen, wieder eine Topleistung abgeliefert zu haben.

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