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Mit geschultem Blick: (v. l.) Gerard Bultema, Roelf Kuik, Bernhardt Edskes und Andreas Frey bei der Arbeit. 

Mittenwalder Pfarrei in niederländischer Hand 

Orgel-Revision: Der Herr über 2000 Pfeifen

Die Mittenwalder Pfarrkirche ist fest in niederländischer Hand – zumindest vorübergehend. Dort steht gerade die diffizile Revision der Orgel auf dem Programm. Kein Geringerer als deren Schöpfer Bernhardt Edskes leitet das Team.

Mittenwald – Vor 18 Jahren bekam Mittenwald seine neue Kirchenorgel. Das Prachtexemplar mit seinen knapp 2000 Pfeifen beschallt seither sämtliche Messen in St. Peter und Paul. Doch auch ein solches Musikinstrument „braucht ähnlich wie ein Auto eine Generalüberholung“, verdeutlicht deren Erbauer Bernhardt Edskes. Seine Werkstatt ist in diesen Tagen wieder die sogenannte Junggesellenempore. Dort absolviert er mit sechs fachkundigen Kollegen die anspruchsvolle Revision.

„Es ist wieder mein Arbeitsplatz.“ Richtig glücklich scheint Edskes zu sein, als er nach 18 Jahren auf der schmalen Empore steht und Orgelpfeifen trägt. „Wie viele Wochen habe ich hier verbracht“, sinniert er – als sei es gestern gewesen. Diesmal jedoch baut er die langen, silbernen Pfeifen aus Metall aus statt ein. Denn „seine Orgel“ in der St.-Peter-und-Pauls-Kirche braucht nach 18 Jahren eine kräftige Auffrischung – genauer gesagt: eine Grundreinigung und Generalstimmung.

Obwohl Edskes mit seinen 76 Jahren schon mehr als 400 Orgeln weltweit errichtet hat, ist ihm die heikle Baustelle in Mittenwald noch mehr als gut im Gedächtnis. „Es war so ein Schneetreiben draußen, als wir das Material 1999 in die Kirche brachten“, erinnert sich der Meister aus den Niederlanden und gestikuliert dabei mit seinen Händen, als wolle er den Schneesturm nachstellen.

Seinerzeit waren er und seine Mitarbeiter nicht nur die Besten bei der Ausschreibung, sondern auch die Mutigsten, wie Chorleiter Andreas Frey versichert. „Die meisten Firmen haben sich hier in diesen beengten Verhältnissen nicht ran gewagt.“ Platz ist schließlich auf den Emporen Mangelware, und die Pfarrei wollte keine Abstriche in der Qualität machen. Doch Edskes nahm die Herausforderung an – zum Glück. Denn entstanden ist ein klangvolles Meisterwerk, auf das Edskes noch heute unheimlich stolz ist.

Nun ist er zurückgekehrt, überprüft detailversessen die Arbeiten seiner Assistenten. Auf Niederländisch dirigiert er das Putz-Team und ist voller Energie dabei. Trotz seines stattlichen Alters denkt er gar nicht daran, in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen. Erst kürzlich fertigte sein Team eine Orgel in einer Kirche in der japanischen Hauptstadt Tokio. Doch ein so schönes Gotteshaus wie in Mittenwald hat der weitgereiste Experte trotzdem selten gesehen.

Die Arbeiten werden noch Wochen andauern. Deshalb sind die Emporen bis dahin gesperrt. An fast jeder Ecke stehen Pfeifen in verschiedenen Größen und Formen. Bei genauem Betrachten wird klar, wie nötig eine Revision nach 18 Jahren war. „Die Staubschicht in und zwischen den Pfeifen war teilweise einen Zentimeter dick.“ Das sorgt natürlich beim Spielen für Verstimmungen. Staubsauger mit speziellen Filtern und purer Alkohol werden diesem Problem nun Herr.

Bei den viereinhalb Registern Holzpfeifen verwenden Edskes und Co. zudem ein Spezialmittel, da sich dort Schimmel gebildet hat. „Das kommt von den Ausdünstungen der Kirchengäste“, glaubt der Profi. Zumal St. Peter und Paul „sehr gut ausgelastet“ sei. Zudem tun die zahlreichen Kerzen ihr übriges, die Ablagerungen in der Orgel sind bei dem Ausbau gut sichtbar. „Auch eine regelmäßige Lüftung der Kirche ist sehr wichtig, um die Eichenhölzer für die nächsten Generationen zu erhalten.“

Fast 2000 Pfeifen müssen nun einzeln in die Hand genommen und gereinigt werden. Manche sind so dick wie ein Fußball, andere wiederum haben nicht einmal den Umfang eines kleinen Fingers. Die beiden Orgelbauer-Assistenten Roelof Kuik und Gerard Bultema, ebenfalls aus den Niederlanden, müssen in jeder Sekunde Feingefühl beweisen. Für Bultema ist es ebenfalls ein besonderer Auftrag: Schließlich war auch er 1999 mit dabei, als die Orgel eingebaut wurde. Die Revision nutzen die Experten gleich, um „das größte Instrument der Welt“ wieder klanglich zu stimmen.

Die meisten Mannen vom Revisionsteam können sich noch gut an die Feierlichkeit im Sommer 1999 erinnern. Denn gleichzeitig zur Orgelweihe wurde auch das 250-jährige Weihejubiläum der Pfarrkirche begangen. Das barocke Gotteshaus war damals so voll, dass es sogar eine Live-Übertragung auf Bildschirmen im Festzelt gab. Der erste, der auf der neuen Kirchenorgel spielte, war kein Geringerer als der bekannte Kirchenmusiker Karl Maureen – wie Bernhardt Edskes ein absoluter Profi.

Josef Hornsteiner

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