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Willkommen beim G20-Gipfel: (v. l.) Peter Reindl und Fabian Rössler grüßen aus Hamburg. 

Live-Reportage vom G20-Treffen 

Zwei Mittenwalder Gipfelstürmer in Hamburg

Wasserwerfer, Räumkommandos, Krawall – die Mittenwalder Fabian Rössler und Peter Reindl erleben derzeit den G20-Gipfel in Hamburg hautnah. Ein Stimmungsbericht aus einer Stadt, in der gerade zwei Welten aufeinander prallen.

Hamburg/Mittenwald – Wenn die Mächtigen sich treffen, sind zwei Mittenwalder zur Stelle: Peter Reindl und Fabian Rössler. Die beiden wurden wieder einmal von ihrer Abenteuerlust getrieben. Nachdem sie bereits beim G7-Gipfel 2015 in Schloss Elmau Blut geleckt hatten, das Geschehen dokumentierten und nach dem Treffen einen detaillierten Bildband publizierten, zieht es sie nun zum G20-Gipfel nach Hamburg. Der Unterschied zum Treffen im beschaulichen Elmauer Tal vor zwei Jahren ist gravierend. Das spüren die Männer aus der oberbayerischen Provinz gerade am eigenen Leib.

Samstagabend in Mittenwald. Das Auto ist bis oben hin voll gepackt. Vergessen werden darf nichts. Zwei Fotoausrüstungen, eine ganze Büro-Einrichtung samt Computer und Laptops sowie eine gehörige Portion Motivation brauchen Rössler und Reindl nun in diesen Tagen. Sie richten sich ihr kleines Pressezentrum in ihrem Hamburger Hotel zur Dokumentation des G20-Gipfels ein.

Begonnen hat das Gipfeltreffen der 20 mächtigsten Industrienationen der Welt vorerst friedlich. In Ruhe erkundeten die Mittenwalder die Stadt, sämtliche Protestcamps wurden abgeklappert und eventuell heikle Brennpunkte ausgeforscht. Doch mit der Ruhe war es schnell vorbei. Gegen Abend „erreichte uns die Nachricht, dass ein Protest-Camp gestürmt wird“.

Boten sich Reindl und Rössler zuerst ruhige Straßen, befanden sie sich nur Momente später mitten im Häuserkampf. „Sechs Wasserwerfer waren nur zehn Meter von uns weg“, beschreibt Reindl das Geschehen. „Einige gepanzerte Räumfahrzeuge und mehrere Hundertschaften unterschiedlichster Polizeieinheiten marschierten auf“, ergänzt Rössler. Sein erster Gedanke: „Heilige Scheiße.“ Sicherheitshalber schützen sich die beiden mit Helm und Protektoren. Zum Glück, wie sich herausstellen sollte. „Dann wurde es nämlich bizarr.“ Mehrmals rief die Polizei, „die Straße zu verlassen und auf den Bürgersteig zu wechseln“. Trotz Presseausweis wurden ihre Kollegen körperlich angegangen, „obwohl keine Rückweichmöglichkeit bestand“, beschreiben sie die Nacht vor der Ankunft der Spitzenpolitiker. Die Straße wurde mit Wasserwerfern geräumt, gerade noch rechtzeitig brachten sich die Isartaler in Sicherheit. Der Ton und die Stimmung zwischen Polizei und Demonstranten sei eben „eine ganz andere, als wir es von 2015 gewohnt sind“. Zwar sind den Mittenwaldern zufolge die meisten Demonstranten „alle nett im Gespräch“. Allerdings sind diesmal wesentlich mehr unter ihnen, die auf Radau aus sind. „Teils kommunistische und anarchistische Gruppierungen“ erlebten sie. Diese „streben auf Internetplattformen eine – auch gewalttätige – Revolution an“. Reindl weiß, dass „sie große Ereignisse wie Gipfelproteste auch als Werbung sehen, um ihre Schlagkraft zu zeigen“. Hier hilft auch keine Deeskalation seitens der Polizei: „Es gibt eigentlich keine gute Verhandlungsbasis mit ihnen.“

Gestern waren die zwei am Flughafen. Die begehrten „Pool-Cards“, eine Presse-Akkreditierung für begrenzte Fototermine, haben sie dank ihrer Kontakte vom Gipfel 2015 in Elmau bereits erhalten. Sehnsüchtig warteten sie mit Fotografen aus 61 Nationen auf US-Präsident Donald Trump und Co. Das nächste Ziel haben die Gipfelstürmer schon vor Augen: Über die „Welcome-to-hell“-Demo am Fischmarkt werden sie auf ihrer Homepage g20-hamburg. de im Live-Ticker berichten.

Josef Hornsteiner

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