Publikum begeistert von der Dokumentation

„Fahr ma obi am Wasser“: Isartal spielt zentrale Rolle 

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Er schwimmt auf einer Erfolgswelle: Der Dokumentarfilm „Fahr ma obi am Wasser“ von Walter Steffens stößt auf überaus positive Resonanz. Auch im Isartal. Dort, wo die Flößerei früher eine zentrale Rolle spielte.

Wolfratshausen/Arzbach/Isartal – Vor wenigen Tagen fiel in Großweil der letzte Vorhang. Walter Steffens Film über das uralte Handwerk der Flößerei wird öffentlich nicht mehr zu bewundern sein. Sieht man vom Filmfestival „Mensch! Natur!“ in Neustrelitz (Mecklenburg-Vorpommern) ab. Wie oft der 90-Minüter seit seiner Premiere im Oberland über diverse Leinwände flimmerte? Der 62-jährige Seeshaupter weiß es nicht. Nur so viel: „Bei rund 50 Aufführungen war ich persönlich dabei.“

Unter den Zuschauern saßen auch einige Isartaler und Menschen aus der Umgebung. Neugierige, die beim Film nicht beteiligt waren, und Mitwirkende wie Regine Ronge, Landwirt Josef Draxl aus dem Tiroler Scharnitz und der ehemalige Kommandeur des Mittenwalder Gebirgsjägerbataillons 233 Jost Gudelius aus der Jachenau. Sie alle wollten das Werk nicht verpassen, das so viel Geschichte der Region auf die Leinwand bringt – und sie selbst.

Während Gästeführerin Ronge derzeit im Urlaub weilt und für ihre persönliche Kritik nicht zu erreichen war, gerät Gudelius ins Schwärmen – und das obwohl er dem Projekt anfangs skeptisch gegenüberstand. „Ich habe befürchtet, dass es ein kitschiger Heimatfilm wird“, erzählt er. Aber von wegen. Die Macher seien konsequent beim Thema geblieben. Begeistert haben den Oberst a.D. vor allem die „irrsinnig faszinierenden“ Quadrocopter-Aufnahmen vom Karwendel sowie der Wechsel zwischen den alten und neuen Zeiten. „Es wurde nie ermüdend.“

Gerade die Marktgemeinde spielt eine bedeutende Rolle. Damals in der realen Welt, heute in der medialen. „Mittenwald ist ein ganz wichtiger Ort für unseren Streifen“, betont Regisseur Steffens. Dem kann Gudelius, der ursprünglich aus dem Siegerland in Südwestfalen stammt, nur zustimmen. Die Flößerei besaß im Oberen Isartal einen hohen Stellenwert. „Von da aus ging’s los.“ Damit meint er nicht nur den Transport von Holz, sondern auch von anderen Gütern wie Wein oder Stoffen. „Die Mittenwalder Frauen haben sich mit den Seidenstoffen ausgestattet“, sagt der Jachenauer Chronist. Außerdem wurden die Waren dort gelagert, daher stamme auch der Name der immer noch existierenden Ballenhausgasse. Gleichzeitig starteten ab Mittenwald, Krün und Wallgau die Personentransporte Richtung München – „das Omnibus-Unternehmen auf Wasser“. Steffen und seinem Team ist es gelungen, die intensive Wechselbeziehung zwischen der aufstrebenden Stadt München und dem Reichtum der Isarwinkler bis nach Mittenwald dem Publikum auf informative Weise zu vermitteln. Doch mit dem Bau des Walchenseekraftwerks war das Ende der Flößerei besiegelt. 1922 fuhr schließlich das letzte Floß nach München. Damit brach einer der bedeutendsten Erwerbszweige des Isartals weg – und die Zeit der Austrocknung des Flusses hielt Einzug.

Zwei Aufführungen im Isartal 

Um dieses kulturhistorische Porträt der Region umzusetzen, musste der Freiberufler Steffen, der etwa 50 Drehbücher für TV-Produktionen geschrieben hat, einen steinigen Weg bewältigen. Der Bayerische Rundfunk zeigte kein Interesse an dem Vorhaben. Summa summarum kostete der Film rund 140 000 Euro, 70 000 Euro gaben Sponsoren. Der Regisseur und sein Team verzichteten für das Projekt auf einen Teil ihres Honorars.

Im Februar 2016 allerdings stand das Ganze auf Messers Schneide. Das Budget reichte hinten und vorne nicht. Steffen wollte fast aufgeben. Die rührige Vorsitzende des Vereins Flößerstraße Gabriele Rüth und ihre Mitstreiter ließen sich jedoch nicht ins Bockshorn jagen – zwei Monate später hatten sie die benötigte Summe eingesammelt. Trotzdem wurde es Steffen zufolge noch einmal eng: „Wir hatten 23 Drehtage geplant. Doch 2016 hat’s ja leider nur geregnet. Am Ende waren’s 39.“

Doku bald auf DVD

Weltpremiere von „Fahr ma obi am Wasser“ wurde Anfang Mai in Bozen gefeiert. Ob er mit einem flauen Magen nach Südtirol gefahren ist? „Nein, für Aufregung war keine Zeit“, sagt Steffen. Er gibt zu, dass es für einen Regisseur „einer der schlimmsten Momente ist“, seinen Film dem Publikum vorzustellen.

Zweimal lief die Doku im Isartal – in Mittenwald und Wallgau – und begeisterte die Menschen, weiß Sabrina Blandau. Die Geschäftsführerin der Alpenwelt Karwendel GmbH hat den Film ebenfalls angeschaut und kann kein schlechtes Wort über ihn verlieren. „Er dokumentiert eindrücklich die Flößerei-Geschichte der Region und beeindruckt dabei mit herrlichen Landschaftsbildern.“ Beste Werbung, die bald in Form einer DVD auf den Markt kommt. Offiziell vorgestellt wird diese Anfang Oktober.

Zu den treuesten Fans gehört Gudelius, der den Jachenauer Teil im Streifen vertritt. Dreimal saß er vor der Leinwand. „Das war erschreckend“, sagt er und lacht. Zumindest bei der Premiere. Weil er sich sehen und hören musste. Gudelius hat mit seiner eigenen Person gefremdelt. Bei dritten Mal ging’s dann. Der ehemalige Kommandeur scherzt: „Ich hab’ mich an mich gewöhnt.“

Rubriklistenbild: © fkn

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