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„Fall Resi“: Landratsamt lässt sich Zeit

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Von: Christof Schnürer

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Maschkera führen eine maskierte Kuh durch Mittenwald
Fasching 2021: Am Unsinnigen Donnerstag wird Kuh Resi samt Begleiter von der Polizei bei Schneetreiben gestoppt. © Dirk Eckert

Bisher blieb der Faschingszeit beim Corona-Lockdown 2021 folgenlos. Das zuständige Landratsamt ist aus Sicht der maskierten Provokateure glücklicherweise mit anderem beschäftigt.

Mittenwald – Der Mittenwalder liebt die Fosnocht. Doch auch in diesem Corona-Jahr verdichten sich die Anzeichen, dass der heiß geliebte „Unsinnige“ – wenn überhaupt – neuerdings sehr spartanisch ablaufen wird. Gleichwohl sind pünktlich nach Heiligdreikönig vereinzelt Maschkera unterwegs. Doch Gungl-Abende mit schneidiger Musik in den einschlägigen Wirtshäusern scheinen angesichts der aktuellen Hygiene-Richtlinien und vor allem wegen der Sperrstunde um 22 Uhr ebenfalls illusorisch.

Dass der Fasching unterm Karwendel selbst unter erschwerten Bedingungen nicht kleinzukriegen ist, bewies der Auftritt einiger Maskierter beim Unsinnigen Donnerstag 2021. Zur Erinnerung: Im Februar vor knapp einem Jahr befand sich die Republik im zweiten Corona-Lockdown. Faschingstreiben wurde zum Verdruss vieler Werdenfelser unter Androhung von Strafen von staatswegen vollends untersagt.

Trotzdem rührte sich etwas in Mittenwald. Zwar sprangen um Schlag 12 Uhr nicht die Schellenrührer im Zentrum umher, dafür öffneten sich an einigen Häusern die Fenster. Herausschauten einige Maskierte, die brüllten, brummten oder musizierten.

Den Vogel schossen allerdings drei Maschkera ab, die verkleidet als Gendarmen beziehungsweise Landwirt samt Schaber, Joppe und kräftigem Überbiss die Kuh Resi durch den Ort führten – das Rindvieh trug Wadenstrümpfe und einen Trachtenhut. Auf dem mitgeführten Schild stand in großen Lettern „Resi beim Schellenrühren erwischt!“ Für die einen war’s ein Faschingsscherz, für die anderen, die Ordnungshüter, eine blanke Provokation bei Schneetreiben. Und die Polizei, die damals angehalten worden war, jeglichen Unsinn am Unsinnigen zu unterbinden, schritt vor laufender Fernsehkamera zur Tat und unterband den Coup mit der Kuh.

Lange ist’s her – genauer gesagt: elf Monate. Welche Konsequenzen hatte nun der bizarre Auftritt mit Schellenrührerin Resi? Mittenwalds Polizeichef Hubert Hohenleitner gibt sich spürbar zurückhaltend. „Die Ereignisse wurden der zuständigen Verfolgungsbehörde zur Prüfung vorgelegt. Wie der aktuelle Stand ist, gilt es daher im Landratsamt zu erfragen.“ Das war’s, mehr möchte der Inspektionsleiter in der Causa Kuh nicht sagen.

In der Kreisbehörde in Garmisch-Partenkirchen weiß man natürlich von der Angelegenheit, spielt aber offenbar auf Zeit. Der Vorgang konnte unter anderem aufgrund der „Masse an Anzeigen“, die seit Beginn der Corona-Pandemie beim Landratsamt eingegangen sind, noch nicht abschließend bearbeitet werden, lässt Behördensprecher Stephan Scharf wissen. Ihm zufolge besteht kein dringender Handlungsbedarf. „Die Verjährungsfrist in dieser Sache beträgt drei Jahre, so dass noch ausreichend Zeit für die abschließende Bearbeitung besteht.“

Einer der drei betroffenen Maschkera, Christof Kriner („Guff“), bestätigt: „Ich hab’ noch nix bekommen.“ Ob er auch heuer wieder am „Unsinnigen“ aktiv wird? „Da habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, ich bin ja noch im Weihnachtsmodus.“

Mit Interesse werden jedenfalls die Mittenwalder Trachtler die Ahndung des Falls Resi durch das Landratsamt verfolgen. Denn eben jene Verfolgungsbehörde hatte bei ihnen während des ersten Lockdowns im Mai 2020 ein Exempel statuiert. Weil einige Ausschussmitglieder sich damals verbotenerweise zu einer kurzen Besprechung im Vereinsheim im Schwarzenfeld getroffen hatten, wurden sie kurze Zeit später vom Landratsamt mit einer empfindlichen Geldbuße im vierstelligen Bereich belegt. Damals ging die Bearbeitung merklich schneller.

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