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Rein mit der Alten! Auf dass sie jung und hübsch werde, stecken die Mühlbuam Georg Jungkunz (l.) und Andreas Reiser (r.) die Ehefrauen in die Weibermühle.

Nicht nur Frauen wurden gemahlen

Bei Merkel streikt die Weibermühle

Faschingshochburg Mittenwald: Über 4000 Zuschauer wurden am Fasnachtssonntag Zeuge, wie sich verzweifelte Ehemänner ihrer Gattinnen in der berühmt-berüchtigten Weibermühle entledigten. Doch nicht nur sie wurden gemahlen.

Mittenwald - „Mi kinnas ja moi probieren, mit dem Grischbale wird da Mühl nicht viel passieren.“ Noch etwas skeptisch begutachtet der Müller (Matthias Wurmer vulgo Schmitzer) sein braungebranntes Gegenüber. Es ist der erste Mann, der am Sonntag vor Publikum durch die Mühle getrieben werden soll. Des Müllers Frau (Josef Schandl vulgo Stuck) hat viel zu schimpfen: Vor 18 Jahren sei sie selbst durch die Weibermühle in Mittenwald getrieben worden. „I muss di scho loben“, huldigt sie den Müller. „Wer mi hot kennt, deine Mühle des is ein teuflisches Instrument.“ Denn seither sei sie die Madame vom Mütterverein. Diesmal sorgt sie selbst für Maschinen Futter – aber vom anderen Geschlecht.

Auch ein Mann ist fällig: Das „Grischbal“ Wolfgang W. Reich (M./Hannes Hessler) ereilt das Mühlen-Schicksal.

Das „Grischbal“ (Hannes Hessler vulgo Schliefer) hat dabei verblüffende Ähnlichkeit mit  einem bekannten AG-Funktionär. Dieser ist dem Müller bereits unrühmlich bekannt: „Recht schneidig gegen die Gemeinde prozessieren, reihenweise seine Leute sekkieren und am Ende doch alles verlieren“, resümiert der Erfinder der Weibermühle.

Seine vollbusige Frau weiß noch weitaus Schlimmeres: „Zehn Bauplätze oben am Roa (Am Rain, nahe der Karwendelbahn-Talstation; Anm. der Red.) mag er verklopfen und mit dem ganzen Geld seine Hosensäcke vollstopfen.“ Auch die nicht genehmigte Beleuchtung an der Bergstation ist ihr ein Dorn im Auge: „An Karwendel leuchtet er in allen Farben aus, dass es ausschaut wie im Freudenhaus.“ Verstehen, warum „man Vorbestraften überhaupt einstellen konnte“, tut sie dabei sowieso nicht.

Die „Mühlbuam“ müssen kräftig anpacken, um das Grischbal in den Trichter zu hieven. Reichlich Mehl staubt aus der Öffnung, die Maschine rattert länger als sonst. Doch statt einem anständigen Mannsbild erschrickt das Müller-Paar vor dem Ergebnis: Denn heraus kommt eine Art Zwitter, halb Mann, halb Frau. „Ja greislig“, schimpft die Ehegattin. „I hab dir ja gleich gesagt, dass es it geat“, sagt der Müller wütend. Doch die Madame hat schon eine Idee, das Beste aus dem Malheure zu machen: „Den nehmen wir jetzt als Maskottchen her.“ Es soll künftig auf Reisen geschickt werden, um Karwendelbahn-Aktien zu verkaufen – „bei den Preißn“.

Ob sie weiß, was ihr blüht? Angela Merkel (Georg Brennauer) schaut sich das Treiben an – noch ahnungslos.

Über 4000 Zuschauer pilgern an diesem Tag in die Kuranlage Puit, um diesen Faschingsbrauch mitzuverfolgen. 18 Jahre lang mussten sie das Gaudi-Spektakel missen. Das Warten hat sich gelohnt. Kaum ein Auge bleibt bei der Aufführung trocken. Vor allem, als die Madame mit dem missglückten Versuch von dannen zieht.

Bei den Ehegattinnen funktioniert’s schon besser: Seien sie aus Bayern, Tirol oder sogar aus dem fernen Berlin – die Mühle rattert und verwandelt sie erbarmungslos. Doch ausgerechnet bei Angela Merkel (Georg Brennauer) macht die Maschine schlapp. Diese kam auf Einladung von Horst Seehofer (Stefan Weineisen). „Er sagte, heut geht’s hier rund“ in den „knuddeligen Ort“. Seehofer hingegen passt die Weibermühle in Mittenwald gerade gut in den Kram: „Jetzt genug mit dem Geschwätze, nehmt sie Euch vor, diese Schnepf“. Mit ihrem Slogan „wir schaffen das“ lassen die Mühlbuam ihre Maschine rattern, Merkel will jedoch partout nicht gemahlen werden. „I sag’s ja mit der alten Kruck, geht nichts vorwärts, sondern z’ruck“, sagt der Müller.

Mehr als 130 aktive Mittenwalder wirkten bei dem seltenen Faschingsspiel mit. Über Monate hinweg wurde geprobt, bayernweit war das Stück dank des regen Medieninteresses in aller Munde. Sogar die Sonne blieb den Isartalern am Sonntag hold. „Wir sind sehr zufrieden“, resümiert ein erleichterter Matthias Wurmer. Beleidigt dürfte am Ende des Sonntages eigentlich keiner gewesen sein. Dafür sorgte der Müller: „Über unser Gemeindeoberhaupt, des wiss ma g’wies, haben mir uns nix sagen trauen, weil es sonst ein halbes Jahr wieder eingeschnappt is.“

Weibermühle in Mittenwald: Die besten Bilder des Faschingsbrauchs

Josef Hornsteiner

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