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Volles Rathaus: Das Thema Fernbus bewegt.

Mittenwalder Gemeinderat stellt Weichen 

Fernbus-Haltestelle: Verflixte Angelegenheit

Mittenwald bekommt eine Fernbus-Haltestelle: In einer Kampfabstimmung (13:8) fiel die Wahl auf die Alpenkorpsstraße Süd. Ein Votum, das vielen Anwohnern nicht behagt. Sie hatten im Vorfeld gegen das Vorhaben vor ihrer Haustüre protestiert.

Mittenwald – Bei der Gemeinderatsitzung am Dienstagabend waren die Zuschauerplätze voll besetzt. Das mochte auch an Punkt eins der Tagesordnung liegen: Errichtung einer Fernbus-Haltestelle. Ein solcher wird nun in Mittenwald Realität – an der Bundesstraßen-Abzweigung im Bereich Alpenkorpsstraße Süd (in der Nähe der Karwendelbahn). Mit 13:8 Stimmen votierte das Gremium nach intensiver Diskussion für diesen Standort. Eine Entscheidung, die den dortigen Anwohnern nicht gefällt. Im Vorfeld hatten sie eine Denkschrift mit 76 Unterschriften eingereicht. Tenor des Schreibens: Zusätzliche Verkehrs- und Lärmbelastung für ein Wohngebiet, das ohnehin unter der nahegelegenen B 2 zu leiden hat. Trotz ihrer Bedenken und einer Ortsbesichtigung unmittelbar vor der Sitzung blieb der Gemeinderat bei seiner favorisierten Variante.

„Unter Abwägung aller Argumente“, betonte Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) sei die Alpenkorpsstraße die beste Lösung. Im selben Atemzug unterstrich der Rathauschef, dass die Option Ladestraße Ost nach wie vor das Fernziel sei. Dazu muss aber erst eine barrierefreie Anbindung an den Bahnhof (Fußgänger-Unterführung) geschaffen werden. Und das kann nicht zuletzt aus finanziellen Gründen dauern.

Zuvor hatte Marktbaumeister Ralf Bues vier mögliche Haltepunkte präsentiert: Neben besagter Alpenkorpsstraße Süd (Variante 3) noch Mittenwald Süd/Innsbrucker Straße (1), den Dammkar-Wanderparkplatz (2) und die Alpenkorpsstraße Nord (4). Die beiden letztgenannten schieden im Gemeinderat vollends aus. Bleiben die Varianten 1 und 3. Wobei die Verwaltung nach Rücksprache mit dem Staatlichen Bauamt Weilheim beim Verteiler Mittenwald Süd zu dem Urteil kommt: „Aufgrund der fehlenden Parkplätze, der Unfallstatistik und der generell längeren Wegstrecken erscheint diese Variante jedoch nur die zweitbeste Lösung zu sein.“ Klares Signal an die Gemeinderäte: Variante 3 (Alpenkorpsstraße Süd) soll’s sein.

Was folgte, war ein Für und Wider und emotionale Plädoyers – kurz gesagt: eine unterhaltsame Debatte. Stefan Schmitz (Bürgervereinigung) meinte beispielsweise: „Ich bin mit gar keiner Haltestelle zufrieden!“ Er hält das Einschleifen mit dem Bus auf die B 2 grundsätzlich für „gefährlich“. Schmitz fragt sich, warum man nicht wie in Garmisch-Partenkirchen den Bahnhof ansteuern könne. „Weil ein beschrankter Übergang im Weg steht“, antwortete ihm der Bürgermeister.

Dieter Schermak (CSU) bekannte sich „aus freien Stücken und ohne Zwang“ für Variante 3. „Ich hoffe aber, dass wir irgendwann die Anbindung an die Ladestraße Ost haben.“ Jenes Gelände, das die Gemeinde erworben hat und demnächst entwickeln möchte.

Schermaks Polizei- und Fraktionskollege Hannes Ostler pries die Innsbrucker Straße als „die ideale Variante“. Applaus von den Zuschauern brandete auf. Wohl deshalb fügte Ostler schnell hinzu: „Und nicht bloß deshalb, weil heute Leute hinten drin sitzen.“ Zur B 2-Anbindung an der Alpenkorpsstraße hat der CSU-Mann ebenso eine klare Meinung: „Für mich ist die Einschleifung da oben Wahnsinn.“ Ob Tempo 80 in diesem Bereich der Bundesstraße möglich sei, wollte Michael Altmann (CSU) daraufhin wissen. Keine Chance, erläuterte ihm Ordnungsamtschef Josef Stieglmeier. „Das Landratsamt sieht es dort nicht als erforderlich an.“

Rudi Rauch (SPD) favorisiert den Haltepunkt Innsbrucker Straße – aus zweierlei Gründen. „Zum einen wegen der Sicherheit, zum anderen kommen wir damit dem Bürgeranliegen entgegen.“ Der Argumentation konnte sich auch Josef Zunterer (Freie Wähler) anschließen. „Wir sollten den Halt dort machen, wo es keinen stört.“ Doch das sieht die Verwaltung nach Rücksprache mit der Fachbehörde kritisch: „Aus unserer Sicht erscheint jedoch der entstehende Hol-/Bringverkehr problematisch, da keine Park- und Wendemöglichkeiten bestehen.“

Am Ende also fiel die Wahl auf die Alpenkorpsstraße Süd. Hierzu müssen am künftigen Haltepunkt zirka fünf Bäume gefällt werden. „Durch die Maßnahme erhöht sich die Lärmbelastung durch die B 2 nicht wesentlich, da die eigentliche Bepflanzung an der Böschung der B 2 nicht betroffen ist“, heißt es hierzu in der Beschlussvorlage. Die Verwaltung geht von einem „geringfügig höherem“ Verkehrsaufkommen durch die Busse und den Hol- und Bringverkehr aus. „Dieser beschränkt sich jedoch auf die Tageszeiten 6 bis 22 Uhr und übersteigt nicht den gesetzlichen Rahmen.“

Gespräche mit Fernbus-Anbietern, die die Linie München-Innsbruck-Stubai bedienen, laufen übrigens schon seit 2015 in Mittenwald. Ein entsprechender Antrag wurde unabhängig davon vom Touristikverein an das Unternehmen Flixbus gestellt.

Christof Schnürer

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