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Waigels Erinnerungen an Franz Josef Strauß

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Von: Christof Schnürer

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Zwei, die gut miteinander konnten: Theo Waigel (l.) und Franz Josef Strauß. © imago

Er polarisierte wie kein anderer: Franz Josef Strauß (1915 bis 1988)  war „ein Titan, der politische Prozesse bewegt hat“. Das sagt der langjährige Weggefährte Dr. Theo Waigel, der am Mittwoch den CSU-Patriarchen bei einem Festabend in Mittenwald beleuchtet.

Mittenwald – Für Theo Waigel und Max Streibl beginnt an diesem 3. Oktober 1988 ein scheinbar normaler Arbeitstag. Das Jour fixe der beiden CSU-Spitzenpolitiker in München ist in vollem Gange, als Streibl kurz vor 12 Uhr nach draußen gebeten wird. „Mit Tränen in den Augen kehrte er zurück“, verrät Waigel (79) in einem Exklusiv-Interview dem Garmisch-Partenkirchner/Murnauer Tagblatt. Auch der damalige CSU-Landesgruppenchef in Bonn ringt in diesem schicksalsträchtigen Moment vor 30 Jahren um Fassung, als ihm Parteifreund Streibl die schlechte Kunde aus Regensburg mitteilt: Franz Josef Strauß ist tot.

Mit ihm ist nicht nur der bayerische Ministerpräsident gegangen. „Er war ein Titan, der politische Prozesse bewegt hat“, verdeutlicht sein langjähriger Weggefährte Waigel. „Für mich ist Strauß der letzte bayerische Monarch gewesen“, sagte vor fünf Jahren Georg Wörnle („Schlipfer“) aus Mittenwald, als er auf seinen prominenten Gebirgsschützen-Kameraden angesprochen wurde.

Verehrt und verachtet

Niemand spaltete die Nation dermaßen wie „FJS“ – die Konservativen verehrten ihn, die politische Linke verachtete ihn. Selbst sein Nachfolger im Parteivorsitz hatte keineswegs ein spannungsfreies Verhältnis zum schwarzen Patriarchen. „Ich gehörte nicht zu denen, die Strauß wie ein Jünger gefolgt sind“, bekennt Waigel. Am Mittwoch wird der langjährige Bundesfinanzminister im Kabinett Kohl (1989 bis 1998) noch mehr Geschichten über „einen großen Mann mit liebenswürdigen Schwächen“ preisgeben – beim Abend der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung in der Mittenwalder TSV-Halle. Eingebettet sind die Erinnerungen zum 30. Todestag von Franz Josef Strauß in die Bayerische Landesausstellung, die seit Mai im Landkreis mit einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm über die Bühne geht.

Doch warum Mittenwald? Weil genau dort am Ende eines jeden Wahlkampfs Strauß seinen politischen Gegnern die Leviten las. Deftige Veranstaltungen, die laut Zeitzeugen an das Niveau des Politischen Aschermittwochs in Passau durchaus heranreichten. Waigel selbst war bei diesen Rundumschlägen in der TSV-Halle nie dabei gewesen. Warum auch, es war eine oberbayerische Angelegenheit. „Und uns Schwaben hat Strauß ohnehin nicht sonderlich gemocht.“ Wobei der Allgäuer Waigel vornehmlich von „seinen Freunden“ Anton Jaumann, Bruno Merk und Hans Maier – alle drei bayerische Kabinettsmitglieder – spricht.

„Waigel, Sie hatten recht“

Auch ihm gegenüber führte Strauß mitunter ein hartes Wort. „Aber er konnte sich auch entschuldigen.“ Nicht selten meinte der CSU-Grande: „Waigel, Sie hatten recht.“ Mit dem Du hatte sich der Chef lange Zeit gelassen – erst 1987, ein Jahr vor seinem überraschenden Tod, bot er es dem verlässlichen Mann aus Schwaben an. Dieser revanchierte sich stets mit Ehrlichkeit – beispielsweise als die beiden mal eruierten, wer einmal Nachfolger als bayerischer Ministerpräsident sein sollte. Für Waigel war klar: Das kann nur Max Streibl sein. „Doch Strauß hätte lieber Gerold Tandler oder Edmund Stoiber gehabt.“

Dieser wird am Mittwoch ebenso das Wort ergreifen wie Strauß-Tochter Monika Hohlmeier, die nach dem Tod ihrer Mutter Marianne in den 1980ern viele repräsentative Aufgaben übernommen hatte. So plauschte sie 1987 beim Empfang des britischen Thronfolgers mit Prinzessin Diana. Keiner konnte damals ahnen, dass der gefühlte König von Bayern, den gerade die Werdenfelser so verehrten, nur ein Jahr später aus dem Leben gerissen werden sollte. Nicht wenige haben danach den toten Strauß mit Dreck beworfen. Nicht jedoch Waigel: „Ich habe meine Auseinandersetzungen mit ihm zu Lebzeiten ausgetragen.“ Dass er am 30. Todestag dieses Polit-Unikats über „Franz Josef Strauß – eine singuläre, politische Gestalt“ referieren darf, „das empfinde ich schon als Ehre“. Eine Naturerscheinung wie der einstige Kanzlerkandidat wäre heute für die schwächelnde CSU wichtiger denn je – angesichts der populistischen Strömungen von rechts außen. „Franz Josef Strauß hätte die AfD nicht umarmt oder überholt“, meint Theo Waigel im Brustton der Überzeugung. „Er hätte sie konsequent bekämpft.“

Der Strauß-Abend

am Mittwoch, 3. Oktober, beginnt um 17.45 Uhr in der Mittenwalder TSV-Halle. Es sprechen Landrat Anton Speer, Professorin Ursula Männle (Hanns-Seidel-Stiftung), Dr. Theo Waigel, Dr. Edmund Stoiber, Monika Hohlmeier und Professor Sigmund Gottlieb (ehemaliger Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks).

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