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Experte vor Ort: Abwassermeister Karlheinz Gilg überprüft in der Kläranlage die Rechenanlage.

Verstopfungen im Abwasser-Kanal 

Achtung Pumpenkiller: Alarm in Mittenwald

Scheinbar harmlose Feuchttücher, die achtlos in Toiletten geworfen werden, führen zu Verstopfungen in Rohren und Abwasserkanälen. Den Gemeindewerken Mittenwald kostet diese Entsorgung viel Geld und Arbeit, damit das Wasser wieder fließen kann.

Mittenwald – Experten sprechen von regelrechten Pumpenkillern. Die Rede ist von aus Mikrofasern und Polyester bestehenden Einwegtüchern, Putzlappen, Wattestäbchen und Kunststoff-Verpackungsmaterial, die all zu oft sorglos in der Toilette landen. „Die gehören in den Restmüll“, stellt Betriebsleiter Harald Köppel von den Gemeindewerken Mittenwald klar. Nur leider sieht die Realität anders aus. „Seit es diese Materialien gibt, sind unsere Wartungskosten extrem gestiegen.“

Das jüngste Beispiel datiert vom 18. März, als im Kanal entsorgte reißfeste Tücher in der Abwasser-Pumpstation beim Gerber neuerdings zu einer Verstopfung führten. „Normalerweise sorgt dort ein Zerkleinerer für einen störungsfreien Betrieb“, erklärt Köppel. „Durch die Fließtücher kommt es aber zu so genannten Zopfbildungen, die den Dauerlauf der Pumpe stoppen und durch Überhitzung schnell zum Totalausfall führen können.“

Auch in der Mittenwalder Kläranlage am Isarhorn mussten deshalb Umbauten vorgenommen werden, um dieses Problem in den Griff zu kriegen. Zur Erläuterung: Die Abwässer vom Gerber fließen weiter zur Pumpstation im Schwarzenfeld und von dort durch einen Freispiegelkanal in die Kläranlage. Dort zeichnet Abwassermeister Karlheinz Gilg für den reibungslosen Betrieb verantwortlich. „Im Februar haben wir unsere Rechenanlage durch den Einbau eines Zerkleinerers technisch so optimieren müssen, dass die Pumpe die hier ankommenden Faserstoffe aus dem Abwasser herausfiltern kann“, informiert der Experte.

Für Gilg ist es kaum zu glauben, was so alles in den 60 Tonnen Abfall an Hygiene-Artikeln, Strumpfhosen, Windeln, Unterwäsche, Handys und Speisen in der Kläranlage landet. „Gerade Essensreste ziehen Ratten doch förmlich an, denn für Tiere ist dies wie ein kaltes Büfett.“ Wenn alle Bürger bewusster mit dem Unrat umgehen würden, kämen laut Gilg in der Kläranlage rund zehn Tonnen weniger Abfall zusammen. „Jeder sollte sich die Frage stellen, was in die Bio- oder Restmülltonne und in den Gelben Sack gehört“, verdeutlicht Gilg. „Vermieter sollten ihre Urlaubsgäste und Hotels ihre Putzkolonnen auf dieses Problem hinweisen.“

Derzeit sind neben Gilg weitere vier Mitarbeiter in der Kläranlage beschäftigt, in der die Abwässer aus Mittenwald, Krün, Wallgau und aus den Tiroler Nachbarorten Leutasch und Scharnitz landen. „Die dortigen Gemeindewerke beheben ihre Verstopfungen zwar selbst, aber die durchlaufenden Materialien landen wieder in unserem Kanalnetz.“ Die Gemeindewerke haben nach der Verstopfung beim Gerber die betroffenen Anwohner mit einem Rundbrief auf die Pumpenkiller hingewiesen.

„Schon 2009 und 2014 hatten wir die gleichen Probleme am Lautersee, die wir mit den Anrainern durch persönliche Gespräche klären konnten“, erläutert Betriebsleiter Köppel, der mit Nachdruck feststellt: „Die Betriebssicherheit unserer Pumpstationen ist nur gewährleistet, wenn die vorher genannten Materialien nicht über die Toilette entsorgt werden.“

Wolfgang Kunz

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