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Geschätzter Drehort: 2010 wurde die Fernsehserie „Dahoam is Dahoam“ in Mittenwald auf dem Kranzberg gedreht. Vor einer Berghütte hat das Team um Regisseur Thomas Pauli (weiße Mütze) die Technik ausgebreitet.

Filmkulisse Isartal: eine bayerische Traumfabrik

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Hunderte TV-Produktionen, Werbefilme und sogar Streifen für Erwachsene wurden im Isartal gedreht. Die Buchungen von Urlaubern nehmen nach jeder Ausstrahlung sprunghaft zu. Die Alpenwelt will jetzt in die Offensive gehen und sich Filmschaffenden direkt anbieten.

Oberes Isartal– Können Sie sich noch an die legendäre TV-Werbung von Bärenmarke erinnern? Als der knuddelige Teddy auf einer blühenden Wiese stand und ein Kalb mit einer Nuckelflasche fütterte? Anschließend goss er werbewirksam Kaffeesahne in eine Milchkanne. Seit den 1950er-Jahren flimmert die Werbung mit dem Kondensmilchbär über die Mattscheiben. Die Macher präsentierten nicht nur ihr Milch-Produkt, sondern auch eine märchenhafte Landschaft. Gedreht wurden die einprägsamen Spots im Allgäu, aber auch im Isartal: wie an den Buckelwiesen vor dem Karwendelmassiv.

Schon oft suchten Kamerateams das Isartal für ihre Werke aus. Manuel Huber, stellvertretender Geschäftsführer der Alpenwelt Karwendel GmbH, will diese Zusammenarbeit jetzt noch weiter intensivieren. Die Tourismusregion wird sich deshalb in eine Datenbank für Filmschaffende eintragen und dort präsentieren.

Die idyllische Landschaft ist dank guter Infrastruktur auch mit Lastwagen sehr gut zu erreichen.

Regisseure und Produzenten erkannten bereits früh das enorme Potenzial der Bergwelt von Mittenwald, Krün und Wallgau. Die idyllische Landschaft ist dank guter Infrastruktur auch mit Lastwagen sehr gut zu erreichen. Eine der ersten, die diesen Vorteil erkannte, war Leni Riefenstahl. Die Star-Regisseurin der Nationalsozialisten nutzte 1940 das Karwendelgebirge als Kulisse für ihren umstrittenen Kinofilm „Tiefland“. Vor fast 70 Jahren wurde an den Buckelwiesen für die Dreharbeiten ein komplettes spanisches Dorf nachgebaut.

Doch auch in der jüngeren Vergangenheit gaben sich Filmemacher regelrecht die Klinke in die Hand. Zahlreiche Heimatfilme wurden abgedreht, manche authentisch-echt, andere wiederum kitschig-klischeehaft. Für Werbestreifen oder auch Tatorte in Krimiserien hat die Bergwelt hergehalten. Sogar die Industrie für Erwachsenenfilme ist auf das Isartal aufmerksam geworden. Bereits in den 1970er-Jahren wurden dort die sogenannten „Lederhosenfilme“ produziert. Zwei Pornodrehs in den vergangenen vier Jahren sorgten zudem am Wildensee für nicht jugendfreie Unterhaltung.

Romantischer war hingegen die jüngste Film-Produktion im Mai: Die ARD nahm vor Ort die Alpenromanze mit dem Arbeitstitel „Leonhards Traum“ auf. Prominente Darsteller wie Annette Frier, Tom Beck oder Martin Brambach waren begeistert von der Location.

Das Isartal ist bereits zahlreich im Fernsehen werbewirksam zu sehen

Das BR-Format „Dahoam is Dahoam“ mit Lokalmatador Hermann Giefer gastierte hier. Am Walchensee drehte Michael Bully Herbig seinen Wicki-Film. Mittlerweile mehrmals im Jahre sind die drei Orte im Fokus von Filmschaffenden. Regelmäßig dreht der Bayerische Rundfunk in verschiedenen Formaten. Manuel Huber hat mal nachgezählt. „Wir kamen alleine in den letzten Monaten dreimal in der Abendschau, zweimal im Format Landgasthäuser, einmal in der ZDF-Drehscheibe, in ,Hallo Deutschland‘ sowie ,Hallo Auszeit‘ und erst vor 14 Tagen bei ,Christians liabste Hüttn‘“, zählt Huber stolz auf. Die Liste ließe sich noch ewig fortführen. Denn Dauerbrenner wie Almabtrieb oder das Maschkeratreiben am Unsinnigen Donnerstag in Mittenwald sind da noch gar nicht mit aufgeführt.

„Alles eine super Werbung.“ Nach jedem Beitrag würden die Buchungszahlen spürbar steigen. Dieses enorme Potenzial will Huber jetzt ganz gezielt weiter ausbauen. „Bisher wurden die Filmteams nur über Mundpropaganda untereinander auf uns aufmerksam.“

Alpenwelt Karwendel will nun direkt auf die Fernseh-Stationen zugehen

Huber will nun direkt auf die Fernseh-Stationen zugehen. Ihm ist dabei wichtig, vor allem jene Produktionen vor Ort zu unterstützen, „die zu unserem Urlaubsprodukt passen und nicht im Widerspruch zu unserer touristischen Zielsetzung stehen“. Die Werke „müssen unseren Gedanken von naturverbundenem und nachhaltigem Tourismus widerspiegeln“. Deswegen wird künftig mit Bayern Tourismus zusammen gearbeitet. Im Internet gibt es dafür die Datenbank „Filmkulisse Bayern Produktionen“, in der sich Regionen den Regisseuren und Produzenten anbieten können. Hier soll die Alpenwelt künftig auch seine Liegenschaften präsentieren.

Das ist allerdings mit Aufwand verbunden. „Wir müssen geeignete Stellen finden“, sagt Huber. „Sie sollen abgeschieden, idyllisch und ungestört als Filmkulisse taugen, aber verkehrstechnisch für das benötigte Equipment erreichbar sein.“ Zudem müsse mit den jeweiligen Grundstückseigentümern gesprochen werden. So ist auch der Amalia-Film mit Annette Frier über einen Monat lang unter anderem auf Privatgrundstücken gedreht worden. Sollte es motivierte Grundstücksbesitzer geben, verspricht Huber: „Wir unterstützen, wo es nur geht.“

Lesen Sie auch: Die Bozner-Markt-Gruppe Hochhaxat’n aus Mittenwald haben erneut die Kaltenberger Ritterspiele unsicher gemacht. Jetzt schafften es die Stelzengeher sogar mit dem TV-Moderator Beni Weber in den Disney-Channel.

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