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Mit ganzer Kraft zieht Lokalmatador Josef Schandl (Stuck) im Finale Thomas Schaur (Garmisch-Ohlstadt) über den Tisch. Schiedsrichter Hans Klotz (Basch) hat im Postkeller alle Hände voll zu tun.
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Werdenfelser Meisterschaft in Mittenwald 

Fingerhakel-Favoriten machen kurzen Prozess

Diese Sportart ist nichts für Weicheier: Bei den 56. Werdenfelser Fingerhakel-Meisterschaften in Mittenwald haben die kräftigen Mannsbilder gekämpft, gefeiert, geblutet. Einer zieht seine Kontrahenten reihenweise über den Tisch: Josef Utzschneider, der im Schwergewicht, der Königsklasse, triumphiert.

Mittenwald Als er aufsteht, geht im Postkeller ein Raunen durch den Saal. Jeder weiß, dass der Mann, der gerade zwischen die Tischreihen in Richtung Bühne marschiert, schon jetzt eine fleischgewordene Fingerhakler-Legenden ist. Josef Utzschneider aus Ohlstadt feiert seit Jahren Siege und holt für den Verein Garmisch-Ohlstadt unzählige Punkte bei sämtlichen Wettkämpfen. „Außer, wenn er gerade mal zu einem Oldtimer-Treffen muss“, wie Hans Lidl berichtet. Der Farchanter moderiert die 56. Werdenfelser Meisterschaften in Mittenwald mit Witz, Charme – und einer Menge Fachwissen.

In der Kategorie Schwergewicht sitzt Utzschneider im Finale Gauvorstand Michael Grasegger aus Partenkirchen gegenüber. Urgestein Hans Klotz (Basch) fungiert wie so oft als Schiedsrichter. Die beiden Kontrahenten lachen, machen Scherze mit den Fängern hinter ihnen. Dann wird es ernst. Der Riemen ist auf Spannung, Magnesium wirbelt durch die Luft. Jetzt muss jede kleine Bewegung sitzen. „Beide Hakler fertig – zieht!“, gibt der Basch das Kommando. Mit einem Ruck zieht Utzschneider seinen Kontrahenten über den Tisch, nur wenige Sekunden hat dieses Duell gedauert. Der scheinbar unschlagbare Seriensieger Utzschneider ist somit erneut Werdenfelser Meister im Schwergewicht.

Wichtig dabei: Nach dem Hakeln, das unter dem Gebrüll und Anfeuern des Publikums im rappelvollen Postkeller-Saal sehr emotional, ab und an auch brachial vonstatten geht, reichen sich die jeweiligen Gegner freundschaftlich die Hände. „Oder es wird ein Schnaps miteinander getrunken“, erzählt Josef Schandl (Stuck), ein weiteres Kaliber in der Hakler-Szene. Der Stuck’n-Seppi, wie ihn alle in Mittenwald nennen, zählt in seiner Altersklasse (Senioren 1) ebenfalls zu den Top-Favoriten. Geradezu spielend triumphiert Schandl bei seiner Premiere in der Konkurrenz 40plus. Im Endkampf hat es der Mittenwalder mit Thomas Schaur (Garmisch-Ohlstadt) zu tun.

Spannender ist es im Mittelgewicht. Hier schenken sich Michael Hacklinger aus Farchant und Simon Witting (Zode) aus Mittenwald nichts. Am Ende geht der Sieg an Hacklinger. Bei den Halbschwergewichtlern holt Hans Hibler (Farchant) souverän den ersten Platz. Er weist im Finale Anton Utzschneider (Garmisch-Ohlstadt) in die Schranken. In der Seniorenklasse 2 macht Hubert Rauch aus Farchant das Rennen gegen Karl Albrecht aus Mittenwald. Im Leichtgewicht treten nur zwei Hakler an: „Einer zählt eigentlich gar nicht zu dieser Altersklasse“, klärt Fänger Hans Hornsteiner (Garber) auf. Luis Klöck tritt mit seinen gerade mal 16 Jahren gegen Hans Lidl an. Im Duell der Farchanter gewinnt Klöck gegen seinen erwachsenen Gegner überraschend mit 2:1. „Das ist einen Extra-Applaus wert“, meint Hornsteiner.

Rund 80 Teilnehmer kämpfen um den Sieg. Die Gauwertung fällt deutlich aus: Mit satten 54 Punkten siegt Farchant vor Garmisch-Ohlstadt (37), Mittenwald (20) und Partenkirchen (17). Besonders überzeugten die Nachwuchs-Hakler: 37 Kinder traten in fünf Klassen an.

Erstaunlich war, wie gut trainiert und vorbereitet sich die meisten Hakler präsentierten. Auf der Terrasse trafen sich die Hakler schon lange vor dem Wettkampf. Es werden Übungsgeräte bedient und viel Magnesium benötigt. Nach dem Hakeln braucht es hingegen nicht selten Verbandszeug und Desinfektionsmittel. „Da wird schon gut angerissen“, meint ein Zuschauer. Die eine oder andere blutende Hand wird von den Wettkämpfern allerdings in Kauf genommen. Das Fingerhakeln ist eben nur etwas für echte Burschen.

Josef Hornsteiner

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