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Konzentriert bei der Sache: die Mannsbilder von den Fingerhaklern.

Fingerhakler mit besonderer Mission 

15 Mannsbilder auf Maibaum-Suche

32 Meter lang und 129 Jahre alt ist die neue Mittenwalder Schönheit, die am 1. Mai am Dekan-Karl-Platz mit purer Manneskraft nach oben gewuchtet wird. Turnusgemäß stellen dort alle vier Jahre die hiesigen Fingerhakler den Maibaum auf. Am Samstag wurde er erst einmal gefällt.

Mittenwald –Leise murmelt Johann Hörmann junior (Schuster) Zahlen vor sich hin. Sein Sohn sitzt daneben und schaut ihm gespannt zu. „129 Jahre alt ist er“, erzählt er dem Kleinen stolz, nachdem er die Baumringe gezählt hatte. Nur wenige Minuten zuvor hatten einige Mannsbilder das gute Stück gefällt, das am 1. Mai am Dekan-Karl-Platz in Mittenwald feierlich vor hunderten Schaulustigen aufgestellt werden soll.

Bis man das passende Objekt der Begierde gefunden hatte, verging allerdings einige Zeit. Denn schließlich muss der Baum so gut wie perfekt sein. Gestiftet haben ihn einmal mehr die Bayerischen Staatsforsten. Deren Revierförster Wolfgang Pfadler freute sich, die Burschen und ihren Brauch unterstützen zu dürfen.

Die Suche gestaltete sich spannend: Nicht krumm, keine Dellen und keine ungünstige Verästelung darf der neue Maibaum haben. Zudem müssen Dicke und Höhe stimmen. Schließlich wollen die Fingerhakler einen stolzen Baum präsentieren, den sie dann mit reiner Manneskraft in die Höhe stemmen. Der für 2017 ist nun gefunden. Dann knattert die Motorsäge, der Baum fällt.

Noch vor Ort entasten und entrinden die 15 Fingerhakler den Stamm. Unter den wachsamen Augen des Maibaum-Veteranen Johann Hörmann senior (Schuster) wird der Baum schließlich aus dem Wald nahe der Wendeplatte am Wildensee auf die Straße befördert. Hörmann ist bereits seit dem ersten Fällen im Jahr 1978 dabei. Damals noch ohne Frontlader oder sonstige Hilfsmittel. „Wir waren auch nur zu siebt“, erinnert er sich. Heute sitzt sein Sohn Johann Hörmann junior auf dem Traktor und bedient die Winde. Auf der Straße wird der Baum „weiß gemacht“ – sprich: mit einem Schnitz-Hobel die gesamte Rinde entfernt. „Alles gut gegangen“, resümiert Fingerhakler-Vorstand Peter Frank in die Runde, als er zur Brotzeit Wurstsemmeln und Bier ausgibt.

Der Transport vom Wildensee in den Ort läuft problemlos, auch wenn es spektakulär aussieht, wie der Baum durch die engen Straßen gelotst wird. Aber „in 20 Minuten war dann alles passiert“, meint Frank. Der Baum wird nun im Bundeswehrgelände gelagert – wo genau, verraten die Mittenwalder natürlich nicht. Noch zu gut ist das Jahr 1982 in Erinnerung, als der Wallgauer Burschenverein den Mittenwaldern den fertigen Maibaum direkt vor der Nase aus der Standortverwaltung wegschnappte und Bier und Brotzeit als Auslöse verlangte.

Das wollen die Mittenwalder unter allen Umständen vermeiden. In den nächsten Wochen bekommt der Baum mit der Bemalung seinen Feinschliff verpasst. Seit er am Dekan-Karl-Platz aufgestellt wird, darf er endlich wieder über 30 Meter hoch sein. Dass sei am Hallenbad-Areal noch anders gewesen, wie Hörmann senior weiß: „Wenn er über 30 Meter lang war, sind wir nicht um die Kurven gekommen.“ Dann musste sogar hin und wieder ein Verkehrsschild weichen. Doch solche Probleme sind inzwischen passé.

Josef Hornsteiner

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