Sarah-Jean Buck schildert die Situation der Flüchtlinge. foto: joho

Flüchtlinge: Mittenwald fordert Klarheit

Mittenwald - Fehler wie in Garmisch-Partenkirchen soll’s nicht geben. Deshalb erhoffen sich die Mittenwalder bei der Unterbringung von Flüchtlingen mehr Transparenz.

Dass Mittenwald noch in diesem Jahr, vermutlich im März, Flüchtlinge aufnehmen wird, gilt als sicher. Die Frage ist nur: wann genau und wo? Allgemein wird im Geigenbauort das verwaiste und zentrumsnahe Hotel Karwendel an der Partenkirchner Straße als Unterkunfts-Quartier heiß gehandelt.

Doch wer sind die knapp 450 Asyl-Suchenden aus aller Herren Länder, die derzeit im Landkreis leben? Was bewegt sie, ihr Heimatland zu verlassen und ihr gesamtes Vermögen für eine lebensgefährliche Reise nach Deutschland auszugeben? Über diesen Sachverhalt informierte am Mittwochabend im Katholischen Pfarrsaal die Asyl-Beraterin der Caritas, Sarah-Jean Buck.

Im Saal herrschte dabei eine durchaus positive Grundstimmung. Weniger Angst als vielmehr Neugier war zu spüren. Etwa 20 Interessierte hatten sich eingefunden, um den Ausführungen Bucks zu folgen. „Flüchtlinge zahlen oftmals bis zu 5000 Dollar, um nach Deutschland zu kommen“, berichtete sie.

In den Dörfern der einzelnen Krisenregionen gehen Schleuser auf Beutefang. „Es ist ein lukratives Geschäft für sie geworden“, meinte Buck. „Sie ziehen mit Werbeflyern durch die Straßen, auf denen angepriesen wird, Deutschland sei ein Schlaraffenland.“

Doch im vermeintlichen Paradies angekommen, folgt das böse Erwachen. „Die Enttäuschung ist riesig, wenn sie merken, dass hier alles nicht so ist, wie ihnen versprochen wurde.“ Daher baut die Caritas auf die Toleranz der Bevölkerung und wirbt zugleich um ehrenamtliche Helfer. „Da sind wir im Landkreis glücklicherweise damit gesegnet.“

Als die Caritas-Mitarbeiterin schließlich Mittenwald zum Thema machte und ankündigte, dass „heuer noch zwischen 70 und 80 Asylwerber kommen“ würden, wurde Vizebürgermeister Gerhard Schöner (CSU) hellhörig. „Seitens der Gemeinde wissen wir noch gar nichts“, kritisierte er. „Eine Widmungsänderung ist auch noch nicht eingegangen. Es wäre aber von Vorteil, wenn wir zumindest einen groben Termin hätten. Dann könnten wir uns darauf vorbereiten und ehrenamtliche Helfer vorab schulen. Das muss gut organisiert sein“, verdeutlichte Schöner.

Ins gleiche Horn stieß Polizeichef Michael Weber. „Man muss aus den Fehlern lernen, die beispielsweise in Garmisch-Partenkirchen gemacht wurden. Dort war es ja eine Nacht- und Nebelaktion, als die Asylbewerber kamen.“

Auch Buck ist sich dieser Probleme im Klaren. Diesen Herr zu werden, ist allerdings nicht leicht, wie sie weiß: „Das liegt in den Händen der bayerischen Regierung. Und es wird hier in Mittenwald wohl auch darauf hinaus laufen, dass erst kurz vorher bekannt gegeben wird, wann und wo Flüchtlinge aufgenommen werden müssen.“ joho

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