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Experten in Sachen Flüchtlingsarbeit: (v. l.) Florian Wipfelder, Günther Sponar, Sebastian Schäfer (alle Caritas) und die unermüdlichen Mittenwalder Mitstreiter Klaus Tappe und Klaus Ronge. 

Paten schlagen Alarm 

Flüchtlingshilfe: „Wir sind langsam überfordert“

Vor zwei Jahren haben sie nicht weggeschaut, sondern gehandelt. Die Rede ist von einer Vielzahl ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer, die nicht selten hinter vorgehaltener Hand als „Gutmenschen“ diffamiert werden. Nichtsdestoweniger machen sie weiter – auch in Mittenwald. Aber die Zahl der Willigen ebbt zusehends ab.

Mittenwald – Klaus Tappe, pensionierter Bundeswehr-Offizier, scheut keine Herausforderung. Doch in puncto ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit stoßen er und seine Freunde immer mehr an Grenzen. „Wir sind langsam überfordert“, räumte Tappe am Montagabend bei einem Informationsabend im Mittenwalder Kolpingheim freimütig ein. „Denn als Helfer übrig geblieben sind für 41 Asylbewerber und 17 zum gesetzlichen Auszug bestimmte Flüchtlinge neben uns nur noch Christa Wolf sowie die Familien Kielgas und Köhler.“

Seit zwei Jahren betreut Tappe federführend mit Klaus Ronge, dem ehemaligen Tourismus-Direktor, die Migranten in Mittenwald. Nachdem sich in der heißen Phase im Sommer 2015 rund 40 Freiwillige engagiert hatten, ist von der Anfangseuphorie wenig geblieben. Anlass genug für Tappe und seine überschaubare Zahl an Mitstreitern, über den aktuellen Stand zu informieren – und um vielleicht auch weitere Helfer zu gewinnen.

Als kompetente Verstärkung flankierten Tappe und Co. die Caritas-Vertreter Sebastian Schäfer, Günther Sponar und Florian Wipfelder. Bei ihrer Begrüßung vor rund 30 Interessierten stellte Silvia Rieger von der gastgebenden Kolpingsfamilie fest: „Eure Arbeit ist der Wahnsinn und kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.“ Trotzdem stehen die Mittenwalder bei Tappe oder der Caritas nicht Schlange. Desinteresse mag der eine Grund sein, der andere liegt möglicherweise in der Intensität der Aufgaben – sei es bei der Arbeits- und Wohnungssuche, bei Gesprächen im Jobcenter, bei Arzt- und Krankenhaus-Besuchen, beim Familiennachzug oder der Anschaffung von Mobiliar.

Alles extrem zeitaufwendig, wie Ronge aus eigener Erfahrung weiß. Der 67-Jährige berichtete von der Arbeit der sogenannten Paten, die sich durch diverse Aktivitäten (Fahrrad-Beschaffen, Kennenlern- und Kulturenfest, Wanderungen, Schwimm– und Sprachkurse) das Vertrauen der Flüchtlinge erworben haben. Ronge kommt zu dem Schluss: „Es ist eine anspruchsvolle Aufgabe mit einem tollen Feedback.“

Aus hauptamtlicher Sicht erläuterte Caritas-Vertreter Schäfer die Situation unterm Karwendel. „Wir sind jeden Montag ab 13 Uhr am Weidenweg und ab 15.30 Uhr am Gerber (Anm. d. Red.: die beiden Flüchtlingsunterkünfte) für die dort untergebrachten Menschen als Asylberater vor Ort.“ Zudem stehen sie von Montag bis Freitag in der Sozialberatungsstelle in Garmisch-Partenkirchen (0 88 21/ 7 30 60 00) für etwaige Fragen zur Verfügung.

Die Zuhörer erkannten, dass Integration eigentlich erst nach den bürokratischen Formalitäten beginnt und erkundigten sich nach Unterstützungsmöglichkeiten. „Hilfe für uns wäre, wenn sich jemand um schon integrierte Familien kümmern würde“, betonte Helferin Wolf. Hierzu schlug Anton Brandner vor: „Integration geht nur mit Sprache in der Arbeit und im Verein – hier sollten Kontakte geknüpft werden.“ Zuhörer Peter Scheulen wollte wissen, ob er mit Englisch oder Französisch seinen Beitrag leisten könne.

Konkrete Einladungen wurden auch ausgesprochen: Kolping-Mitglied Rieger verwies auf die Fackelwanderung ihres Vereins am Montag, 23. Oktober. „Wir bieten nach Anmeldung über die Herren Tappe und Ronge auch eine Transportmöglichkeit zum Treffpunkt um 19 Uhr am Luttenseelift an.“ Marlene Schöpf, Vorsitzende des Frauen- und Müttervereins, bot an, Asylbewerber-Frauen zur Teilnahme am Kaffee-Kranzl am Dienstag, 24. Oktober, im Katholischen Pfarrsaal zu ermuntern.

Derlei Angebote stimmen den unermüdlichen Klaus Tappe ein stückweit zuversichtlich. Sein Fazit: „Wenn uns wieder einige helfen, haben wir heute einen großen Schritt gemacht.“

Wolfgang Kunz

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