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Gut gelaunte Führungsriege bei den Freien Wählern.

Freie Wähler kritisieren Rathaus-Spitze

Mittenwalder Opposition im Attacke-Modus

Der Erfolg bei den Landtags- und Bezirkstagswahlen steigert bei den Freien Wählern in Mittenwald die Angriffslust. Bei der Jahresversammlung sind einige nicht gut weggekommen – CSU, Bürgermeister, Marktverwaltung und die Heimatzeitung.

Mittenwald – Kein Blatt vor den Mund genommen hat die Vereinigung der Freien Wähler Mittenwald (VFM) bei ihrer Jahresversammlung im Hotel Post. Spätestens seit der Hallenbad-Debatte hat die Fünf-Mann-Opposition im Rathaus auf Attacke-Modus umgeschaltet. Das hochemotionale Politikum griff natürlich auch VFM-Ortsvorsitzender Josef Schandl vor den etwa 30 Zuhörern auf.

„Der kleine David gewann in der Schwimmbad-Frage gegen den großen Goliath. Und was ist daraus geworden?“, fragte der Freiberger-Sepp in die Runde. Bekanntlich wurde das ursprüngliche Ja zum Neubau beim Bürgerentscheid via Ratsbegehren ein gutes Jahr später wieder gekippt. „Die CSU stört diese Vorgehensweise nicht“, stellte Schandl klar. Ihm und seinen Fraktionskollegen missfällt es zutiefst, dass die Bürgermeister-Partei mit ihrer absoluten Mehrheit versucht, „das kostspielige Projekt Kranzberg durchzudrücken“ – also die Modernisierungs-Offensive inklusive Seilbahn-Neubau für geschätzte 25 Millionen Euro. Dazu dränge die CSU, sich beim Bau einer Dreifach-Sporthalle und beim Umbau der bestehenden TSV-Halle in einen Veranstaltungsraum einig zu werden. „Hier haben wir mit dem vom Gemeinderat angenommenen Antrag auf Projekt-Trennung in der Prioritätenliste für klare Verhältnisse gesorgt“, betonte Schandl.

Kritik hagelte es von ihm auch für die Heimatzeitung. Pauschal mokierte sich Schandl über die Tagblatt-Berichterstattung und den Wahrheitsgehalt einzelner Artikel über die Freien Wähler in jüngster Zeit. Konkret wurde der VFM-Chef dabei allerdings nicht.

Mangelnde Informationspolitik

Nicht viel, dafür Aussagekräftiges steuerte Gemeinderat und Landwirtschaftsreferent Sepp Zunterer zur Diskussion bei. „Anscheinend gibt es in Mittenwald keine Landwirtschaft mehr“, erläuterte der Alpenrose-Wirt emotionslos. „Denn nicht ein einziges Mal wurde ich kontaktiert.“ Zunterers Kritik richtet sich an die Informationspolitik von Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) und seiner Marktverwaltung – auch im nächsten Fall.

Auf Zunterers Anfrage, wie viel der Carport des Bürgermeisters am Rathaus gekostet habe, erhielt er vom Kämmerer nur die Antwort, dass er keine Zahlen nennen dürfe. „Ansprechpartner ist der Bürgermeister“, stellte Heinz Stieglmeier gestern auch gegenüber dem Tagblatt klar.

Erst als Zunterer als Rechnungsprüfer einen kurzfristigen Termin angesetzt hatte, legte der Finanzchef die Zahlen auf den Tisch. Zunterer schloss seine Erfahrungen mit einem Zitat von Karl Valentin: „Nicht einmal ignoriert werden wir.“

Diese als mangelhaft empfundene Transparenz und Information seitens des Bürgermeisters gegenüber den Vertretern der Freien Wähler zog sich wie ein roter Faden durch sämtliche Berichte. Vertrauensbildung sieht anders aus – so der allgemeine Tenor im Hotel Post.

Ruf nach Wellnessbereich

Gemeinderat Georg Seitz ging noch einmal auf das bekannte Ergebnis des von der CSU initiierten Hallenbad-Ratsbegehrens ein und stellte die mit der SPD vertretene Position dar. „Unsere Forderung geht weiterhin zu einer Schlechtwetter-Einrichtung in Form eines Wellnessbereichs im Isartal“, betonte der Gratz’n-Schorsch – mit Verweis auf das seiner Meinung nach gelungene Beispiel der Achensee-Gemeinden. Positiv äußerte sich der VFM-Fraktionschef über die Mountaincarts, die Gäste und Einheimische sehr gut annehmen. Damit werde auch der Kranzberglift ausgelastet. „Eine bärige Sache¨, meinte Seitz. Auf wenig Verständnis stießen allgemein die zunehmenden Eilentscheidungen des Bürgermeisters, ohne den Gemeinderat gefragt zu haben.

Landrat bald Bezirksrat

Landrat und Parteifreund Anton Speer, der pünktlich zu seinem unter Tagesordnungspunkt sechs angekündigten Grußwort zur Runde stieß, hatte allen Grund zur guten Laune. Kein Wunder, schließlich sitzt der Unterammergauer künftig im Bezirkstag. Mit Konrad Specker vertritt Speer die Region. Im Landtag tun das der zum dritten Mal gewählte Florian Streibl aus Oberammergau, der möglicherweise schon bald am Kabinettstisch sitzen wird, und Susanne Enders aus dem Nachbar-Landkreis Weilheim-Schongau. Den Schwung des jüngsten Urnengangs möchte der Landrat mit in die nächsten Kommunalwahlen im März 2020 nehmen und vor allem junge Leute zum Mitmachen motivieren. Unter den Nägeln brennt ihm das Asylbewerber-Problem mit dem Brennpunkt in der Erstaufnahme-Einrichtung Abrams in Garmisch-Partenkirchen, das seine Mitarbeiter aber auch die Polizei über Gebühr fordert.

Leonhard Habersetzer

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