Ein Fuchs steht hinter Blattwerk (Symbolbild).
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Ein Fuchs steht hinter Blattwerk (Symbolbild).

Verein Wildtierschutz Deutschland geht in die Offensive

Debatte um getöteten Fuchs: Strafanzeige gegen Jäger - Dieser weist Vorwürfe zurück

Die Debatte um einen jungen Fuchs, der sich in Mittenwald in einem Zaun verfangen hatte und den ein Jäger tötete, ist weiter am Köcheln. Nun hat ein Verein Strafanzeige gegen den Mann gestellt.

  • Ein Mittenwalder Jäger ist mit einer Strafanzeige konfrontiert.
  • Er hatte einen jungen Fuchs, der sich in einem Zaun verfangen hatte, getötet.
  • Der Jäger weist die Vorwürfe zurück.

Mittenwald – Der Fall hat offensichtlich Konfliktpotenzial: Ein Fuchs, der sich in einem Zaun verfangen hat, ist auf einem Lebenshof in Mittenwald vom herbeigerufenen Jäger getötet worden. Jetzt reagiert der Verein Wildtierschutz Deutschland und stellt Strafanzeige gegen den Jagdausübungsberechtigten wegen des Verdachts der Jagdwilderei und des Tötens eines Fuchswelpen ohne vernünftigen Grund bei der Staatsanwaltschaft München II. Der Jäger, der am 8. Juni zur Waffe griff, ist Dieter Schermak. Er sieht der Strafanzeige sehr gelassen entgegen. Der junge Fuchs war seiner Ansicht nach nicht mehr zu retten. Dem Vorwurf der Jagdwilderei tritt er vehement entgegen. „Von der Anzeige halte ich gar nichts. Alles, was ich gemacht habe, war rechtens“, betont er. Er verweist auf die Berechtigung der Unteren Jagdbehörde, wonach er auch im befriedeten Besitztum und im Gemeindebereich berechtigt ist, die Jagd auszuüben.

Darüber hinaus sei er von der Polizei ausdrücklich zu dem Hof im Außenbereich von Mittenwald geschickt worden, fährt der Jäger fort, um „eine Ersatzvornahme“ durchzuführen – ein Mittel zur Vollstreckung behördlicher Anordnungen im Verwaltungsrecht. Als einzige Möglichkeit sah Schermak, den Fuchswelpen von seinem Leid zu erlösen. „Mir ist gar nicht anderes übrig geblieben“, sagt er.

„Keine Gefahr in Verzug“

Lovis Kauertz ist da ganz anderer Meinung. Er stellt infrage, ob Schermak ohne Genehmigung im befriedeten Gebiet zur Waffe greifen durfte. „Ich bezweifle, dass er die Weisung der Polizei hatte zu töten“, sagt der Vorsitzende von Wildtierschutz Deutschland mit Sitz in Gau-Algesheim (Rheinland-Pfalz). Der Beamte hätte dies Kauertz’ Aussage nach nicht anordnen können, ohne sich zuvor ein Bild vor Ort gemacht zu haben. „Es war keine Gefahr in Verzug, der Waffengebrauch war nicht zulässig“, hebt Kauertz hervor. Den Fuchs hätte man mit dicken Handschuhen aus dem Zaun per Drahtzange befreien können. Für Kauertz stellt sich die Frage, ob überhaupt ein vernünftiger Grund im Sinne des Tierschutzgesetzes für die Tötung vorlag. „Der Fuchswelpe befand sich lediglich in einer Notsituation, aus der er sich nicht selbstständig befreien konnte.“ Darüber hinaus müsse zusätzlich auch die Art und Weise der Bejagung tierschutzrechtskonform sein, also das Wie der Jagd. Gerade für die Tötung dieses Fuchswelpen ist aber ein vernünftiger Grund nicht erkennbar, so dass eine Tötung aus Gründen des Tierschutzes nicht zu begründen sei.

Beim Grundstück von Gabriele Rybicki, die wegen des im Zaun hängenden Fuchses bei der Polizei angerufen hatte, handelt es sich um ein befriedetes Gebiet. „Wenn nicht durch die Untere Jagdbehörde eine Ausnahmegenehmigung erteilt wurde, hat die Jagd im befriedeten Gebiet zu ruhen“, verdeutlicht Kauertz. Doch genau diese Ausnahmegenehmigung besitzt Schermak, betont er: „Die habe ich erhalten.“ Neben ihm hätten noch zwei andere Jäger in Mittenwald dieses Sonderrecht erworben. Doch Kauertz bemängelt darüber hinaus, dass der von der Polizei verständigte Jäger nach kurzer Inaugenscheinnahme des gesunden Fuchswelpens das Tier „kurzerhand erschossen“ habe. Im vorliegenden Fall habe wohl lediglich die Anweisung der Polizei an den Verdächtigen vorgelegen, sich die Situation vor Ort anzuschauen, um abzuwägen, wie dem Tier geholfen werden kann, vermutet der Vereinsvorsitzende.

Betreiberin immer noch schockiert

Rybicki ist noch immer schockiert von diesem Vorfall. Sie berichtet, dass sie zu keinem richtigen Handeln fähig war, als Schermak aus dem Auto mit der Waffe ausgestiegen ist und diese im Eingangsbereich geladen hat. „Ich hatte eine Blockade, war wie gelähmt“, sagt die 57-Jährige. Jetzt weiß sie, was damals richtig gewesen wäre. „Als der Polizist den Jäger geschickt hat, hätte ich sagen müssen, dass ich alleine versuche, den Fuchs zu befreien.“ Das Tier, da ist sich die Hofbesitzerin sicher, hätte man aus dem Hühnerzaun – ein Nylonband mit Draht durchzogen – befreien können. Das ist der Punkt, bei dem Schermak in die Offensive geht. Er behält sich rechtliche Schritte im Rahmen des Tierschutzes gegen Rybicki vor. „Der Zaun war nicht fachgerecht. Der war locker hingehängt, wie ein Fangnetz.“ Darin verhedderte sich der Fuchswelpe so, dass er nicht mehr zu befreien gewesen sei. Per Kopfschuss habe er das Tier, das schon über eine Stunde im Zaun hing, erlösen müssen.

Alexander Kraus

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