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Ominöser Konservenfund

Bunkern Demonstranten Proviant für den G7-Gipfel?

  • Manuela Schauer
    VonManuela Schauer
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Mittenwald - Würstel, Gulaschsuppen und Streichwurst: Unbekannte bunkerten bei den Buckelwiesen Konservendosen und versteckten sie gut. Demonstranten-Proviant für den Gipfel?

Update vom 11. Mai 2015: Mehrere tausend Journalisten werden Anfang Juni in Garmisch-Partenkirchen sein - selbstverständlich halten auch wir Sie über alle News und Entwicklungen vom G7-Gipfel auf Schloss Elmau auf dem Laufenden. In unserem News-Blog können Sie schon jetzt Alles zum Treffen der Staats- und Regierungschefs der führenden Wirtschaftsnationen verfolgen.

Normalerweise fährt im Brunnental kaum ein Auto. Im Winter erst recht nicht. Da fiel der weiße Sprinter im Buckelwiesen-Gebiet in Mittenwald auf. Der kurvte im November 2014 durch das Gebiet. „Was macht der hier?, fragte sich die Frau, die namentlich nicht genannt werden will. 

Als der Wagen wieder weg war, ging sie auf die Suche - und machte einen ominösen Fund. In einer Grube entdeckte sie etwa zehn Konservendosen, bedeckt mit Daxn. Würstel, Gulaschsuppe und Streichwurst – „was zum Brotzeit machen“. Die Einheimische packte alles ein und kontaktierte das Bürgertelefon.

"Ich hab’ damals noch nicht realisiert, was ich da gefunden habe“, erzählt sie heute, wenige Wochen vor dem G7-Gipfel, der rund 45 Minuten Fußmarsch von der Fundstelle stattfindet. „Mir war nicht bewusst, dass es so früh losgeht.“ Damit spielt die Anwohnerin auf Demonstranten an, die sich im Umfeld von Schloss Elmau verstecken und ihren Proviant bunkern. Sie hat für sich alle Möglichkeiten eruiert: „Vielleicht war das aber auch nur ein Test, ob dort jemand kontrolliert.“ Das wäre ihr deutlich lieber.

Sie bleibt aber skeptisch. Ihre Vermutung hat sich aus drei Gründen erhärtet: Erstens, weil sie aus „sicherer Quelle“ weiß, dass zwei Wochen später in der Auhütte bei Wallgau ein größeres Dosenlager aufgeflogen sei. Zweitens hat sie spätestens seit den Fernseh-Bildern aus Frankfurt ein „ungutes Gefühl“. Und drittens beobachtete sie schon mehrmals, wie die umliegenden Heustadel von Fremden besichtigt und abgelichtet wurden. Mit einer Fotografin kam die Anwohnerin sogar kurz ins Gespräch. Die machte keinen Hehl aus ihren Absichten. Ihr Lieblingswort: Demonstrationsrecht.

Fälle wie diese sorgen bei Hans-Peter Kammerer, Sprecher des G7-Planungsstabs der Polizei, für Unbehagen. Der Bericht des Nachrichten-Magazins Focus über angelegte Erddepots wirkt scheinbar noch nach. „Da wurde nichts von der Polizei verifiziert“, sagt er in scharfem Ton. Von den Dosen im Brunnental habe er nichts gehört. Ebenso wenig über Konserven in der Auhütte. Auf Nachfrage bei einem Mitarbeiter räumt er jedoch ein, dass immer mal Mitteilungen von „verdächtigem Material“ eingehen – allerdings nur eine geringe Zahl und von wenig Relevanz.

Sabine Roidl, Sprecherin des G7-Bürgerbüros in Krün, ist die Entdeckung völlig neu. Sie weiß auch nichts von zwei Mitarbeitern, die die Dosen geholt hätten. „Sowas hat nicht gleich was mit dem Gipfel zu tun“, sagt sie, „und dann ist die Polizei zuständig.“ Hauptkomissar Thomas Rappensberger jedoch kam bezüglich eines Dosenfunds schon mal was zu Ohren. Aber: „Darüber hinaus ist mir nichts bekannt,“ stellt er klar. „Wir waren nicht beauftragt.“ Wenn es um Sicherheitsfragen geht, gilt Maulkorb-Pflicht.

Kammerer kündigt aber verschärfte Kontrollen bereits ab Mitte Mai an. „Wir werden nicht jeden Mountainbikefahrer prüfen, aber die, die nicht eindeutig einer Freizeitaktivität zuzuordnen sind.“

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