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Der Ferchensee bei Mittenwald ist ein beliebtes Ausflugsziel. (Archivbild)

Autos aus München und Österreich

„Chaotische Zustände“ an Bergseen: Geländewagen versperren Rettungswege - Gemeinde reagiert

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Zugeparkte Rettungswege am Lautersee, mitten im Wald abgestellte Fahrzeuge am Ferchensee – da die Parksituation überhandnimmt, greifen Kommune und Behörde nun durch. 

  • Am Lautersee und Ferchensee nimmt das Verkehrschaos Überhand. 
  • Immer wieder werden Rettungswege von Autos, oft mit Münchner und Österreicher Kennzeichen, zugeparkt.
  • Die Gemeinde Mittenwald reagiert nun mit drastischen Mitteln. 

Mittenwald – Robert Müller hat die Welt nicht mehr verstanden, als der Chef der Mittenwalder Wasserwacht an einem Sommertag vor gut zwei Jahren aus dem Fenster seiner Wachhütte am Lautersee blickte. Zwei protzige Geländewagen der Luxusklasse – beide ohne Genehmigung – parkten einfach so mitten in der Kurve zu seiner Rettungsstation. Aus den Leihwagen, die kurz zuvor widerrechtlich die Lauterseestraße hinauf fuhren, stiegen gleich mehrere Touristen aus dem arabischen Raum aus, um Spazieren zu gehen. Dass sie dabei einen lebenswichtigen Rettungsweg blockierten, war den Gästen eher egal, erinnert sich Müller. „Die meisten sind uneinsichtig, wenn wir ihnen die Situation erklären.“

„Chaotische Zustände“ an Bergseen: Touristen machen Feuer bei Waldbrandgefahr

Keine Seltenheit. „Es herrschen chaotische Zustände am Lautersee“, klagt der Bereitschaftsleiter. Ganz Dreiste haben sogar schon ein Feuer gegenüber der Wasserwachthütte gemacht, um zu grillen – mitten im Naturschutzgebiet bei Waldbrandgefahr wegen Trockenheit. Geparkt haben sie ebenfalls vor der Rettungswache.

Video: Hier behindert Luxusauto sogar Rettungswagen im Einsatz

Verkehrschaos am Lautersee und Ferchensee bei Mittenwald: Polizei und Ordnungsamt bisher „relativ machtlos“

Immer wenn Müller und seine Lebensretter solche Situationen beobachten, informieren sie Polizei und Ordnungsamt. Bislang waren diese aber „relativ machtlos“. Die Strafe von 20 Euro schreckte niemanden ab. Im Gegenteil: „Mit Bustickets für jeden wären wir wahrscheinlich teurer gekommen, als mit der Strafe, meinte einmal eine fünfköpfige Familie aus dem Auto heraus zu mir“, sagt Müller. Es hätte auch schon Leute gegeben, die angesichts der geringen Strafe fragten, ob sie „auch gleich schon für morgen bezahlen könnten“, erzählt Thomas Holzer, Leiter der Polizeiinspektion Mittenwald. Auffallend bei den Parksündern: Die verhältnismäßig hohe Anzahl an österreichischen und Münchner Kennzeichen.

Die bisherigen Strafen waren zahnlose Tiger. Grund dafür war mitunter der „Fleckerlteppich“ an Zuständigkeiten für die Straße zu den beiden beliebten Badeseen. „Teils war die Strecke privat, teils öffentlich, teils halböffentlich“, wundert sich Holzer. Schwierig, da eine gemeinsame Lösung zu finden. Zumal sich ja auch Beherbergungsbetriebe und Anlieger mit Hauptwohnsitz an den Seen befinden. Deshalb hat die Marktgemeinde Mittenwald eingelenkt. 

Lautersee und Ferchensee bei Mittenwald - Jetzt drohen empfindliche Vertragsstrafen

Ende letzten Jahres hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen, die Straße ab der Abzweigung nach Leutasch zur Gänze zu privatisieren. Seit letzter Woche sind nun offiziell die Schilder angebracht. Ab sofort ist das befahren ohne Genehmigung keine einfache Ordnungswidrigkeit nach der Straßenverkehrsordnung mehr, sondern eine empfindliche Vertragsstrafe. Das bedeutet, die Marktgemeinde darf selbst die Höhe des Bußgelds bestimmen.

Abgerissen ist mittlerweile das ehemalige Kontrollhäuschen, das bis 1996 noch in Betrieb war.

Dieses Instrument nutzt Mittenwald nun. Ab sofort zahlen Pkw ohne Berechtigung für die Privatstraße Lautersee sowie Ferchensee 50 Euro Strafe. Bei Fahrzeugen über 3,5 Tonnen sind es 80 Euro. Richtig zur Kasse werden jene gebeten, die an den Seen wild parken. Dann liegt ein Verstoß gegen die Landschaftsschutzgebietsverordnung vor, was vom Landratsamt Garmisch -Partenkirchen mit bis zu 100 Euro geahndet wird. Sollte das Fahrzeug sogar im Naturschutzgebiet ohne offizielle Erlaubnis stehen, werden maximal 150 Euro fällig. Und wer sogar noch die Rettungswege zur Wasserwachthütte versperrt, muss nicht nur mit einem weitaus höheren Bußgeld rechnen: Sein Fahrzeug wird rigoros abgeschleppt.

Verkehrschaos am Lautersee: Gemeinde Mittenwald hofft nun auf eine Verbesserung der Situation

„Durch diese Maßnahmen erhoffen wir uns eine Verbesserung der Situation“, sagt Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU). Er und Ordnungsamt-Chef Josef Stieglmeier werden künftig ein Auge auf die Gefährte haben, die unerlaubt ihre Straße benutzen. Den ersten haben sie bereits Anfang der Woche erwischt. Ein Tagesausflügler, der sein Auto einfach direkt am See geparkt hat. „Für jene mit Fahrerlaubnis ändert sich aber nichts“, versichert Josef Stieglmeier.

Er schaut sich jetzt ein Jahr lang die Situation vor Ort an. Sollte eine deutliche Besserung der bisher chaotischen Verhältnisse erfolgen, bleiben die Vertragsstrafen erst mal gleich. Sollten die Menschen jedoch weiterhin uneinsichtig bleiben und den Lautersee und Ferchensee wild umparken, lässt er eine Erhöhung der Strafe offen. Eine Lösung wie bis 1996, nämlich ein bemanntes Kontrollhäuschen am Anfang der Straße, wird es nicht mehr geben. Zwei rüstige Herren haben damals die Zufahrt geregelt. Aus Kostengründen ist das Häuschen allerdings vor 24 Jahren aufgegeben worden.

Nicht nur an den beiden Bergseen bei Mittenwald nimmt das Verkehrschaos immer weiter zu. Kürzlich prangerte ein Miesbacher auch den enormen Verkehr am Spitzingsee an - und zeigte dazu ein eindringliches Video. 

Die Dachauer Moschee hat in den vergangenen Jahren enormen Zulauf erlebt. Speziell zu den Freitagsgebeten endet der Ansturm im Verkehrschaos. Die Stadt will nun einschreiten.

Lesen Sie auch: Wunder am Lautersee: Die Rückkehr der Edelkrebse.

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