Rot ist tabu, blau ist erlaubt: So sieht der Plan des militärischen Sicherheitsbereichs auf dem Hohen Brendten in Mittenwald aus.
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Rot ist tabu, blau ist erlaubt: So sieht der Plan des militärischen Sicherheitsbereichs auf dem Hohen Brendten aus.

Übungsplatz wird militärischer Sicherheitsbereich

Tabu-Zone am Hohen Brendten: Gebirgsjäger sehen rot

  • vonChristof Schnürer
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Der Bundeswehr-Übungsplatz am Hohen Brendten wird militärischer Sicherheitsbereich. Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Gebirgsjäger.

Mittenwald – Das Thema brennt unter den Nägeln. Und zwar dermaßen, dass bereits ehemalige Weltklasse-Biathletinnen wie Magdalena Neuner, Laura Dahlmeier und Miriam Neureuther sich bei den zuständigen Stellen zu Wort gemeldet haben. Ohne die Sommer-Trainingsstätte auf dem Hohen Brendten hätten diese prominenten Sportlerinnen bei Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften nicht so gut abgeschnitten.

Doch nach wie vor ist ungeklärt, wie lange Nordische Athleten noch von Mai bis Oktober auf der Rollerstrecke und am Schießstand von der Bundeswehr geduldet werden. Im März 2020 war mal von maximal drei Jahren die Rede (wir berichteten).

Doch die Luft für Talente aus dem Skigau Werdenfels wird am Hohen Brendten dünner. Grund dafür ist die Umwidmung dort vom militärischen Bereich in einen militärischen Sicherheitsbereich. „Diese Maßnahme erfolgte auf dringende Empfehlung des Landeskommandos Bayern“, heißt es in einer Presse-Mitteilung des Ausbildungsstützpunkts Gebirgs- und Winterkampf. Damit solle einerseits der Bundeswehr-Betrieb „vollumfänglich“ sichergestellt, andererseits „eine Gefährdung der Zivilbevölkerung“ ausgeschlossen werden. Eine Reaktion der Armee nicht zuletzt auf eine wachsende private Zweckentfremdung des Geländes – sei es durch Trailrunner, Geocacher, Wanderer oder Mountainbiker. Selbst Camper haben auf dem Bundeswehr-Areal ihre Zelte aufgeschlagen. Bislang war eine vernünftige Kommunikation mit den Naherholern, die auf freies Betretungsrecht laut Naturschutzgesetz pochen, schwierig. „Viele reagieren mit Unverständnis“, erzählte etwa vor einem Jahr der damalige Kommandeur Andreas Bockmann. „Das geht teilweise sogar ins Unverschämte.“

Verlassen der Wanderwege verboten

Dessen Nachfolger hat nun die Vorgaben der übergeordneten Stellen konsequent umgesetzt. Das bedeutet in der Praxis: Das unbefugte Betreten und Befahren des militärischen Sicherheitsbereichs ist verboten und wird bei Zuwiderhandlung strafrechtlich verfolgt. Die Tabu-Zone ist entlang der Standortübungsplatzgrenze durch entsprechende Hinweisschilder gekennzeichnet. Durch das neuralgische Gebiet führen Wanderwege, die auch zivil genutzt werden können – allerdings mit der Maßgabe: „Das Verlassen der gekennzeichneten Wanderwege ist verboten“. Des Weiteren wird an der Hauptzufahrt zum Standortübungsplatz eine elektronische Schranke installiert. Damit ist gewährleistet, dass lediglich Zutrittsberechtigte auf den Hohen Brendten gelangen.

Doch die Bundeswehr kommt Naherholern und Touristen ein stückweit entgegen. So bleiben bestimmte Teilbereiche für dieses Klientel zugänglich – allerdings auf eigene Gefahr. Eine Haftung wird nicht übernommen. Bei Übungen der Gebirgsjäger muss auch in dieser Zone mit Einschränkungen beziehungsweise Sperrungen gerechnet werden.

Verhandlungen mit Skiverband

Doch wie wirken sich diese verschärften Regelungen im militärischen Sicherheitsbereich auf die Sommer-Trainingsmöglichkeiten der Nordischen Skisportler aus? Die Nutzung dort müsse mit dem Deutschen Skiverband vertraglich geregelt werden, teilt Oberleutnant Benjamin Steyerer, der Presseoffizier des Ausbildungsstützpunkts, mit. Sowohl der Übungsbetrieb der Bundeswehr als auch der Sportler solle „weiterhin“ gewährleistet werden. Die Frage ist nur: Wie lange noch? Ins Detail möchte Steyerer nicht gehen. „Da es sich hierbei um laufende Verhandlungen handelt, kann zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussage zu Vertragsinhalten getroffen werden.“

Dem Vernehmen nach könnten die Wintersportler schwerpunktmäßig an den Wochenenden trainieren – also von Freitagmittag bis Sonntag. Bis zum heutigen Zeitpunkt ist der Hohe Brendten alternativlos. „Das einzige, was bleiben würde, ist Seefeld in Tirol“, meint der Stützpunkttrainer Bernhard Kröll. Doch das könnte ihm zufolge zu einem „Mordsproblem“ werden. Denn wie lange sind Eltern bereitet, ihre Kinder andauernd aufs Seefelder Plateau zu bringen? „Der Brendten hat schon was, aber es ist nicht die 100-prozentige Lösung.“ Die gibt es eigentlich nur in Kaltenbrunn. Doch dort ringen Politiker, Sportfunktionäre und Grundeigentümer seit 20 Jahren um eine Lösung. Wie so oft scheitert’s bislang in erster Linie am Geld – im Raum stehen 2,5 Millionen Euro für eine Rollerstrecke. „Der nordische Sport hätte es verdient“, wird Kröll nicht müde zu betonen. Und dann wären auch die nächsten Goldmedaillen nur eine Frage der Zeit.

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